Wer hier gelegentlich mal mitliest, wird gemerkt haben, daß ich ein kleines Faible für eine Insel hoch im Norden habe: Ísland, das Land aus Eis und Feuer, die größte Vulkaninsel der Erde, Heimat von Trollen und Gammelhai. Nach einem Kurztrip Anfang Januar 2015 war klar, daß das nicht der letzte Besuch gewesen ist.
Mein anfänglicher Vorschlag, die USA zu bereisen, um das HQ zu besuchen und uralte Caches zu finden, wurde aufgrund der politischen Lage abgelehnt. Ein „Ersatzvorschlag“ ließ nicht lange auf sich warten, wobei Island definitv nicht einfach nur Ersatz war. Schon lange spukte mir das Thema „Einmal rundrum, die Ringstraße entlang“ im Kopf herum, jetzt sollte es verwirklicht werden.
Direktflüge gibt es von Deutschland aus mit Icelandair (Frankfurt, München, Düsseldorf, Hamburg und Berlin), der Billigairline WOW Air (Düsseldorf, Berlin und Frankfurt) und Lufthansa (Frankfurt, Hamburg, Köln-Bonn, München) nach Keflavík, dem internationalen Flughafen Islands. Teilweise gibt es auch noch andere Airlines, meist aber mit Zwischenstops. Und wie sinnvoll ein Flug von Frankfurt über Riga nach Keflavik ist, muß jeder selbst wissen.
Auch eine Anreise per Fähre ist möglich, dauert aber pro Strecke mehrere Tage. Ankunft ist dann in Seyðisfjörður im Nordosten Islands. Und der nette Nebeneffekt für Geocacher ist der Zwischenstop auf den Färöer Inseln.
Mietwagen
Es gibt gefühlt mehr Autovermieter als Isländer, daher ist die Auswahl wirklich groß. Leider gibt es natürlich auch schwarze Schafe darunter. Wir haben über Check24 ein Auto bei Orange Car Rental gebucht und sowohl Vermieter als auch Auto waren super. Auch wenn es viele Vermieter und damit viel Konkurrenz gibt, sind die Preise relativ hoch. Schnäppchen kann man allerdings machen, wenn man wie wir das Fahrzeug über eine deutsche Website bucht und nicht direkt in Island. Dann hat man nämlich meist die Versicherungen schon mit drin, die beim isländischen Vermieter viel viel Extrageld kosten.
Will man wirklich nur die Ringstraße rumfahren, reicht (zumindest im Sommer) ein hundsgemeines Auto, ein Polo oder ähnliches. Die wenigsten Geocacher werden allerdings das tun, sondern immer mal wieder Abstecher fahren, die nicht selten auch über Schotterpisten gehen. Außerdem kann dann manchmal schon die Anfahrt zu einer Unterkunft zum Abenteuer werden, weil der Nissan Micra von einem Schlagloch verschluckt wird 🙂 Also: Kleinwagen prinzipiell möglich, SUV macht aber wesentlich mehr Sinn und Spaß.
Die maximale Geschwindigkeit sind 90 km/h (außerorts), es wird gerne geblitzt, vor allem im Sommer. Man erkennt gut, ob im Auto nebenan ein Isländer oder ein Tourist sitzt. Der Tourist fährt maximal 90 🙂 Brücken sind meist einspurig. Wer zuerst kommt, fährt zuerst, was in Deutschland sicher Mord und Totschlag auslösen würde. In der Praxis funktioniert das aber gut. Licht muß immer eingeschaltet sein. Ansonsten ist Auto fahren sehr entspannt, vor allem, wenn man an den Tourispots im Süden vorbei ist. Da kann man schonmal 2 Stunden fahren und nur ein Auto sehen. Die Straßenverhältnisse können auf einer Website eingesehen werden.
Ach ja: Tanken ist meist nur direkt an der Zapfsäule mit Kreditkarte und PIN möglich. Diesel kostet aktuell ungefährt 1,60 Euro pro Liter, Benzin ist etwas teurer.
Unterkünfte
Unterkünfte sind im Vergleich zu Deutschland nicht gerade günstig. Ich habe alle über booking.com gebucht und ich kann alle empfehlen. Wenn man mit der Einschränkung „Gemeinschaftsbad“ leben kann, bekommt man ein Doppelzimmer, meist mit Frühstück, für um die 100 Euro. Wenn man das nicht kann oder außerhalb von Reykjavik ein „richtiges“ Hotel will, wird es wesentlich teurer.
Essen
In Kurzform würde die isländische Küche wahrscheinlich in drei Worte passen: Lamm, Fisch, Hotdogs. Natürlich gibt es noch viel mehr, aber meistens haben die Gerichte irgendwas mit diesen drei zu tun. Island ist nicht gerade günstig, daher kann man nicht jeden Abend essen gehen.
Was aber immer geht – auch wenn sich das für Deutsche nicht so lecker anhört – sind Hotdogs an der Tanke. Vergesst alles, was ihr von deutschen Tankstellen im Zusammenhang mit Würstchen im Kopf habt, in Island schmecken die Dinger wirklich gut und liegen nicht seit einer Woche rum. Die Hotdogs kommen mit einem nicht scharfen Senf, Mayo und zwei Arten Zwiebeln (Röstzwiebeln und frische, klein gehackte) und man kommt so einigermaßen günstig an ein Essen. Sie bestehen im Normalfall aus Rind und – ja, genau – Lamm.
Was uns zum Lamm bringt. In Island leben mehr Schafe als Menschen. Dementsprechend ist das Tier sehr präsent in der isländischen Küche. Vom Hotdog über geräuchertes Lammfleisch und Lammkoteletts bis hin zu so Leckereien wie Svið (halber Schafskopf) und Súrsaðir hrútspungar (sauer eingelegte Widderhoden). Letztere gehören zu den tradionellen Speisen, bei denen eben alles, wirklich alles, was das Tier hergibt, verwertet wurde.
Auch aus dem Meer wird neben „normalen“ Fischgerichten wie Saibling oder Fish and Chips einiges geboten: Harðfiskur, getrockneter Fisch, der mit Butter und viel kauen ein schmackhafter Snack ist. Plokkfiskur, eine Mischung aus Fisch und Kartoffeln, beides gestampft. Es wird warm auf Roggenbrot gegessen und schmeckt auf den ersten Löffel etwas nach Kartoffelsalat, bis dann der Fischgeschmack rauskommt.
Und natürlich gibt es auch wieder exotische Gerichte, die inzwischen aber fast nur noch von Touristen gegessen werden. Hákarl der berüchtigte Gammelhai, fermentierter Grönlandhai, der genau so riecht, wie man sich das vorstellt. Nein, eigentlich noch schlimmer. Bei meiner ersten Reise fand ich ihn nicht so lecker, dieses Mal hätte ich auch noch ein paar Stückchen mehr gegessen. Man sollte nur nicht dran riechen. Walfleisch wird inzwischen von immer weniger Isländern gegessen, sondern eher von Besuchern aus anderen Ländern. Frei nach dem Motto „Meet us, don’t eat us!“ sollte man lieber eine Whale-Watching-Tour buchen, als ein Walsteak zu essen.
Ansonsten ist Skyr allgegenwärtig, ob als „normaler“ Joghurt, als Getränk oder als Kuchen. Bitte nicht mit dem verwechseln, das hierzulande als „Skyr“ verkauft wird. In Island ist das Zeug noch viel viel besser. Rúgbrauð ist ein süßliches Roggenbrot, dessen Teig zumindest früher in Milchtüten gefüllt wurde und das dann 12 Stunden in der heißen Erde gebacken wurde. Last but not least darf ich hier Suppen nicht vergessen. Isländische Suppen haben allerdings nichts mit dünnen Brühen zu tun, sondern haben ordentlich Bums und ähneln eher Eintöpfen. Man kann von einer Suppe satt werden.
Wetter
„Wenn dir das Wetter in Island nicht passt, warte 5 Minuten!“. Der Spruch ist so abgedroschen wie wahr. Manchmal ändert sich das Wetter innerhalb von wenigen Kilometern mehrfach. Während es 2015 im Januar pauschal überall Schnee gab (mit Abwandlungen in Schneeregen und Schneesturm), hatten wir im April alles von Sonnenschein über Starkregen, Regen, Wind, Schnee, Sturm bis hin zu Schneesturm. Das ist aber kein Problem, man zieht sich einfach eine gescheite Jacke an, die wasser- und windabweisend ist und achtet darauf, daß der Wind die Autotür nicht abreißt. Jepp, kein Witz, kommt vor.
Hringvegur – Die Ringstraße
Die Ringstraße ist die Hauptverkehrsverbindung rund um die Insel. Sie ist meist zweispurig und grob 1300 Kilometer lang. Wir sind entgegen des Uhrzeigersinns gefahren, was letztendlich Geschmackssache ist, für uns aber super gepaßt hat. Die Benutzung ist bis auf den Tunnel Hvalfjarðargöng mautfrei.
Wir jedenfalls flogen Mitte April für 14 Tage mit Icelandair von Frankfurt. Der Flug dauerte etwas über 3 Stunden. In Keflavik angekommen holen wir unser Gepäck und warten auf den Shuttlebus. Der kam nicht, also rief ich beim Vermieter an. Nach kurzer Wartezeit holte uns das Shuttle des Autovermieters ab und wenig später saßen wir im Mietwagen. Wir hatten einen Suzuki Vitara gebucht und auch bekommen. Ein Allrad hätte zwar nicht zwingend sein müssen, aber wir wollen ja gelegentlich auch mal von der Ringstraße runter. Im Rückblick würde ich eine komplette Umrundung mit einem „normalen“ Auto nicht unbedingt machen wollen, auch wenn die Ringstraße inzwischen fast durchgängig ausphaltiert ist und das möglich wäre. Wir reden hier wohlgemerkt von SUV, ein „richtiges“ Allradfahrzeug a la Toyota Land Cruiser oder Land Rover Defender ist eigentlich nur bei Ausflügen ins Hochland nötig und sinnvoll.
Jedenfalls nahmen wir den Vitara entgegen, machten rundrum Fotos vom aktuellen Zustand und freuten uns aufs Losfahren. Schlüssel rein, starten und das halbe Armaturenbrett blinkt… „Change Engine Oil“ ist jetzt nicht die beste Voraussetzung für eine Tour über mehrere Tausend Kilometer. Aber die Isländer sind sehr entspannt. Alles ist gut, der „Aufwand“, den Fehler aus dem System zu löschen, war zu hoch… tl;dr: Es ist gutgegangen.
Hier kommt mir das erste Mal „þetta reddast“ in den Sinn. „þetta reddast“ ist quasi so etwas wie das Motto der Isländer und bedeutet in etwa „alles wird gut“. Dein Auto gibt mitten in der Pampa den Geist auf? þetta reddast. Die Straße ist gesperrt und du sitzt tagelang im überfüllten Hotel fest? þetta reddast. „Change Engine Oil“? þetta reddast.
Eigentlich wollten wir noch etwas cachen, aber für den ersten Tag reicht auch unser Event bei Bæjarins Beztu Pylsur, dem wahrscheinlich berühmtesten Hotdog-Stand der Welt. Hier haben schon Berühmtheiten wie Bill Clinton oder James Hetfield und „Berühmtheiten“ wie Kim Kardashian Würstchen verdrückt. Die Hotdogs sind wirklich lecker, gezahlt werden kann – wie fast überall – mit Kreditkarte.
Übernachtung: Grimur Hotel, gut gelegen, 24/7 Zugang dank Türcode.
Tag 2 – Reykjavik – Golden Circle – Selfoss
Nach einem ordentlichen Frühstück starten wir die Tour über die Ringstraße erstmal gar nicht auf der Ringstraße. Dafür mit einem ersten Wasserfall, auf den noch einige weiter folgen werden. Der Álafoss ist ein eher kleineres Exemplar, aber ein schöner Einstieg, auch, was das Cachen angeht. Heute geht es auf den Golden Circle, der „Touristen-Standard-Route“, die wir von 2015 schon in weiß kennen. Nicht falsch verstehen: Ja, dort ist quasi jeder Island-Tourist, auch, weil es definitv ein Muß ist. Leider sind Highlights deswegen ziemlich überlaufen.
Wir beginnen am þingvellir, das sich in einer Grabenbruchzone befindet und wo im Jahre 930 das erste Parlament Islands tagte. Hier kann man das Auseinanderdriften der amerikanischen und eurasischen Platte „beobachten“, welches über die Jahrmillionen imposante Felsspalten geschaffen hat. Da wir das Ganze schon von Norden angeschaut haben, fahren wir zum südlich gelegenen Virtual Þingvallakirkja.
Ein kleiner aber holpriger Abstecher bringt uns zu Laugarvatnshellir, wo vor grob 100 Jahren zwei Familien mehrere Jahre in „Höhlenhäusern“ gelebt haben. Inzwischen gibt es dort auch ein Museum. Am Cache oberhalb erwischt mich das erste Mal so richtig das isländische Wetter. Innerhalb von Sekunden wird aus trockendem Wetter Starkregen, Schneeregen, heftiger Wind. Willkommen in Island…
Weiter geht es zum Geysir, dem Namensgeber aller Geysire. Während der eigentliche Namensgeber, der Große Geysir, nur unregelmäßig ausbricht, kann man seinen kleinen Bruder Strokkur alle 10 Minuten beobachten. Wie fast an jedem geologisch interessanten Platz gibt es auch hier einen Earthcache.
Kurz vor dem letzten Teil des Golden Circle, dem Wasserfall Gullfoss, können wir einen Wherigo loggen, der sich mit den Hauptattraktionen beschäftigt. Erst wundern wir uns über die doch sehr abgelegene Stelle. Als wir loggen, sind wir aber begeistert vom Ausblick. Am Gullfoss ansich waren wir schon, aber ein erneuter Besuch ist trotzdem Pflicht. Hier gibt es neben dem obligatorischen Earthcache auch noch einen Multi.
Nach einem kurzen Abstecher an die Brúarhlöð-Schlucht, die wirklich sehr schön ist und neben einem Earthcache auch einen Tradi bietet, fahren wir zur Unterkuft. Zum Abendessen geht es ins nahe Selfoss, das Kaffi Krús wurde uns empfohlen. Hier „gewöhnen“ wir uns gleich mal an die isländischen Preise.
Übernachtung: Julia’s Guesthouse, sehr familiäre Unterkunft, drei Minuten von der Ringstraße weg, absolut empfehlenswert.
Tag 3 – Selfoss – Vik
Ab heute fahren wir dann überwiegend wirklich auf der Ringstraße. Cachetechnisch macht mal wieder ein Wasserfall den Anfang. Ich hatte aus unerfindlichen Gründen den Urriðafoss nicht auf der Liste und mußte mich erst „überreden“ lassen. Was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt und einen Cache haben wir auch noch gefunden.
Wie an fast jedem Tag gibt es mal wieder einen Wasserfall zu sehen, einen wirklich tollen noch dazu: Der Seljalandsfoss war 2015 schon beeindruckend, aber leider drumrum alles zugefroren. Der Earthcache war damals machbar, den Virtual gibt es erst seit Kurzem. Beim aktuellen Besuch konnten wir endlich hinter den Wasserfall laufen. Ein tolles Erlebnis, wenn auch nicht ganz ungefährlich. Wenige Hundert Meter weg gibt es noch die Schlucht Gljúfrabúi mit einem tollen Wasserfall nebst Earthcache. Nur wenige Besucher des Seljalandsfoss verirrten sich hier her.
Es geht etwa 20 Kilometer weiter nach Osten, bevor ich abbiege und den Vitara in Richtung Norden lenke. Was erst eine asphaltierte Nebenstraße ist, wandelt sich immer mehr zu einer Schotterpiste mit unzähligen Schlaglöchern. Wir parken und schnappen unsere Badesachen. Ja, richtig, wir gehen baden! Idyllisch in einem Tal am Fuße des Eyjafjallajökul liegt Seljavallalaug, ein 25 Meter langes Schwimmbecken aus dem Jahr 1923. Erstmal müssen wir aber 800 Meter durch ein Flussbett laufen, was nicht immer trockenen Fußes abläuft. Seljavallalaug wird gerne mal als „das geheime Schwimmbad“ oder „der verlassene Pool“ bezeichnet. Geheim ist es schon lange nicht mehr und verlassen sowieso nicht. Ich habe lange überlegt, ob es zeitmäßig reinpasst und habe es zum Glück eingeplant. Die einen Quellen sprechen von „Muß man hin“, andere von „super eklig und verdreckt“, bei uns traf definitiv ersteres zu. Der Virtual hat den letzten Ausschlag gegeben und wir hatten eine ganze Weile Spaß im warmen Wasser, das direkt aus dem Berg ins Becken fließt. Es gibt natürlich Algen an Boden und Seiten, die Umkleideräume waren bei uns aber okay und das Ganze war definitiv ein Erlebnis. Wann hat man schonmal die Möglichkeit, bei so einem Ausblick im Freibad zu entspannen?
Der Autor beim Baden in der Seljavallalaug 🙂
Hint: Rein gehts einfacher als raus 🙂 8°C Außentemperatur sind jetzt nicht unbedingt das, was man sich wünscht, wenn man aus schön warmen Wasser steigt.
Nach dem Baden machen wir einen kleinen Abstecher zum Skógafoss um Fotos zu schießen. Den Earthcache und auch den Tradi haben wir nach einem ordentlichen Aufstieg (der sich wirklich lohnt) schon vor 3 Jahren gefunden. Wir fahren wieder auf die Ringstraße und sind wenig später am nächsten Ziel: Die Gletscherzunge Sólheimajökull. Das erste Mal sehen wir eine Gletscherlagune, in die der Gletscher kalbt. Dank des Earthcaches errechnen wir, wie weit der Gletscher hier schon zurückgegangen ist.
Das letzte Highlight für heute ist Dyrhólaey, ein 115 Meter hoher Felsen dessen Aussicht so toll ist wie die Anfahrt abenteuerlich. Manch deutscher Cacher mag Leitplanken verfluchen, hier wären sie nicht so schlecht gewesen. Die Piste ist teilweise doch ganz schön steil, aber es macht auch Spaß, hier hochzufahren. Neben der Aussicht sind der Tradi und der Earthcache definitiv Gründe für einen Besuch. Und dann kommt es auch noch zu einer Begegnung, mit der wir im April noch nicht gerechnet hätten: Papageientaucher! Und zwar einer mit einer kompletten „Mir doch egal“-Einstellung, der sich in aller Ruhe hat fotografieren lassen.
Übernachtung: Farmhouse Lodge, schöne große Zimmer, gutes Frühstück, ein Bad (Klo und Dusche in einem Raum, klappt aber wider Erwarten problemlos).
Hat dir der erste Teil meines Reiseberichts gefallen? Hast du Fragen? Ab damit in die Kommentare!
Wie lange bist du schon Geocacher?
Seit 2007 angemeldet und seit 2015 vollaktiv.
Wie bist du zum Geocaching gekommen?
Über einen Kollegen zufällig davon erfahren und dann mal angemeldet. Bin aber Aufgrund von fehlendem Smartphone nicht wirklich dazu gekommen. 2015 ist meiner Tochter ein Unglück geschehen und hat sich deswegen nicht rausgetraut. Mit der Suche nach einem Schatz konnte ich sie dazu überreden, über ihren Schatten zu springen und sind seitdem oft gemeinsam auf Schatzsuche.
Wie viele Caches hast du bisher gefunden?
Ich habe kürzlich die 1500er-Marke überschritten.
Wo liegt deine Homezone (Landkreis)?
Homezone ist das Remstal (Rems-Murr-Kreis).
Welcher Cache gefällt dir am besten und warum?
Mir gefallen besonders schön gebastelte Cachedosen, tolle Geschichten zur Dose, schöne Gegenden, alles was man erklettern kann und wo man auch noch neues lernen kann. Als spezielle Dose benannt sind das Caches wie die Nesenbachrunde ins Stuttgart oder der RumS, (K)Letterbox Galopprennbahn, Die Goonies, Die Kraft des Stahls, 5* TB Hotel „Southern Star“ (A5) um nur eine kleine Auswahl zu bringen ohne den Rahmen zu sprengen.
Welcher Cache hat dir gar nicht gefallen und warum?
Die merke ich mir nicht, es sind aber die Dosen, die ohne Grund und Hintergrund oder Geschichte lieblos irgendwohin geschmissen werden, wo evtl. die Location von anderen als Wildtoilette benutzt wird.
Welches war dein verrücktestes Erlebnis beim Geocachen?
Bei I am sailing (to Treasure Island) habe ich meine neu erworbene Wathose gleich mal ausprobieren wollen und bin mit dem Auto bis hingefahren. Nun, als ich die Dose geborgen und wieder auf dem Rückweg war, kam ein Auto vorbei und hielt an. Was nu? Nichts anmerken lassen und zurück zum Auto. Da kam mir schon der gute Mann entgegen und hat mich böse gefragt, was ich da mache. „Nichts, nur gucken“ war meine Antwort. Er schaut mich von oben bis unten an und meinte nur „In der Wathose!?“ – doomed! Nach Klärung bzgl. Caching war er beruhigt.Bei Eeeeeeeejjs, zweeeeeejjj, drüüüüüüüüüü!!!!!!!!! in Österreich kann man die Startübungsstelle der Bob- und Skeletonfahrer besuchen. Ich war dort mit meinem Bruder und wir haben den Übungsbob auf die Schienen gestellt und ausprobiert. Leicht angeschubst und reingesessen – hm, bergab wurden wir schneller und schneller und das Ende der Schienen kam immer Näher! Kurz bevor die Schienen zu Ende waren (Enden im Nichts) fing uns ein Fangseil ein, welches vorher nicht wirklich zu sehen war und hat uns abgebremst. Weil es so spaßig war, haben wir das gleich nochmal probiert.
Was magst du am Geocachen?
Neue Orte kennenlernen, Geschichtliches lernen, Natur erleben, Wandern, neue Leute kennenlernen und einfach nur Spaß haben.
Was magst du nicht am Geocachen?
Hilfssheriffs, archivierte Klettercaches und Jäger die Dosen vom Baum schießen.
Was hast du beim Dosensuchen immer dabei?
Stift und Smartphone immer. Dann je nach aus dem Listing ersichtlichem Hilfsmittel (Kletterausrüstung, Taschenlampe, Wathose, Wanderstiefel, Lockpickingbesteck, …).
Interessieren dich Trackables?
Manchmal. Interessante nehme ich mit und schau dann in das Listing nach der Aufgabe. Habe aber immer welche, die mit mir ein Stück auf der Reise sind.
Verwendest du nur Geocaching.com oder nutzt du auch noch andere Geocaching-Sites?
Bisher nur Geocaching.com.
Welches ist dein liebster Cachetyp?
Das ist tagesstimmungsabhängig.
Verwendest du einen GPSr oder ein Smartphone?
Smartphone.
Wie wichtig sind dir Meilensteine und weißt Du schon, welchen Cache du an deinem nächsten machen willst?
Eigentlich nicht wichtig. Lediglich der 1.000ste wollte ich unbedingt an Pekuls 10.000er-Event machen, weil es so ne lustige Zahlkombi war.
Ist dir Statistik wichtig?
Ich schau gern mal drüber aber wichtig ist sie mir nicht wirklich. Lediglich für solche Challenges wie 111 Tage am Stück, 222 Tage am Stück… da muss sie wohl sein.
Hast Du eine eigene Website?
Nein.
Gibt es eine Website die du im Zusammenhang mit Geocaching weiterempfehlen willst? geoclimbing.de wenn man mit T5ern anfangen möchte.
Dein Tip für Leute, die mit dem Geocaching anfangen wollen?
Sucht euch einen erfahrenen Geocacher, der euch ein paar Tipps geben kann, an sonsten einfach den nächstbesten Cache heraussuchen und hingehen. Events sind auch gut um am Anfang schnell Anschluss zu finden.
Geocaching quer durch Europa. Durch 15 Länder. Und das Ganze in 24 Stunden. Oder: Hast du am Samstag schon was vor?
Ich bin eigentlich so gar kein Freund von diesen „in 24 Stunden“-Geschichten. Daher war mein erster Gedanke, als ich von dieser Tour hörte auch „So ein Quatsch, das kann man auch an einem Wochenende entspannt(er) machen“.
Trotzdem kam irgendwann eins zum anderen und ich schaute mir diverse Routen an, denn es gab schon einige „Vorgänger“. Die einen haben sich sogar sponsorn lassen, um durch „nur“ 12 Länder zu kommen. Den „Weltrekord“ hat sich 2011 ein Team aus den Niederlanden geholt. Zumindest beanspruchen sie diesen für sich. 2017 haben sie diesen dann an vier Cacher aus Finnland wieder verloren.
15 Länder?
Gestartet wird im Süden der Niederlande. Von dort geht es durch Belgien und Luxemburg nach Frankreich. Ein kurzer Schlenker über den Rhein nach Deutschland, weiter durch die Schweiz und Liechtenstein nach Österreich. Über den Brenner nach Italien, zurück nach Österreich, nach Slowenien, einen Kurzbesuch in Kroatien, durch Ungarn, die Slowakei und die Tschechische Republik nach Polen. Soweit waren sich quasi alle Teams einig.
Es gab auch eines, das die Tour in einem Jahr gleich zweimal absolviert hat. Einmal die 15 Länder auf einer ähnlichen Route wie wir. Und einmal von Kroatien statt durch Ungarn, die Slowakei und Tschechische Republik nach Polen über Bosnien-Herzegowina, Serbien und erst dann durch Ungarn und die Slowakei. Deren Endstation war dann die Tschechische Republik als Land Nummer 16. Das erschien uns dann doch etwas zu viel, mal davon abgesehen, daß Serbien und Bosnien-Herzegowina nicht zu EU und/oder Schengen gehören und man dort schon mal eine Weile an der Grenze warten muß.
Die Planung
Die richtige Route herauszubekommen, war gar nicht so einfach. Zuerst wollte ich einfach die Planung der Finnen übernehmen und ggf. etwas optmieren. Dann wurde etwas mehr optimiert, gedreht, umgeplant, verworfen und am Ende dank passenderem Hotel teilweise komplett anders geplant. Ja, letztendlich hieß unser Endziel in Polen dann Cieszyn und nicht Chałupki wie bei den anderen Gruppen. Das lag wie gesagt daran, daß es dort ein bezahlbares Hotel gibt und die Routen sich zeitmäßig relativ wenig schenken.
Nachdem das mit dem Hotel klar war, habe ich einige Stunden vor Google Maps und Tomtom Mydrive verbracht, Zeiten verglichen, gerechnet und ausprobiert. Letztendlich ging unsere Route statt über Brünn nach Chałupki eben länger durch die Slowakei nach Cieszyn. Ansonsten war sie den anderen relativ ähnlich.
Nachdem die Route klar war, ging es an die genauere Planung der Caches. Natürlich kann man da – leider – nicht danach schauen, die tollsten Caches auf die Liste zu schreiben. Optimal auf der Route müssen sie liegen. Noch dazu sollten es natürlich einfache Dosen sein. Sicher, das Ganze mit T5ern zu machen hätte für manchen Cacher sicher seinen Reiz, aber ob das zeitlich hinhaut?
Ich habe eine Exceltabelle erstellt, in die ich die vom Routenplaner ausgegebene Ankunftszeit jeder Station (Cache/Tankstop) eingetragen habe, dazu die Ankuftszeit inklusive der Suchzeiten. An jeder Station habe ich eingetragen, wann wir geloggt haben und so automatisch anzeigen lassen, wieviel Plus oder Minus wir aktuell haben. Das ließ uns doch die Sache entspannt angehen, weil ich scheinbar sehr pessimistisch geplant hatte. Für Tankstops 10 Minuten (ohne Cache) bzw. 15 Minuten, wenn an dem Rastplatz gleichzeitig noch ein Cache lag. Dazu 5 Minuten reine Suchzeit pro Cache. Aber man weiß ja nie, wie lange man letztendlich wirklich sucht.
Tipps für die Planung
Plane in jedem Land mindestens zwei Caches ein. Mindestens. Wenn eine Dose weg ist, kannst du zur nächsten fahren und verlierst keine Zeit bei der Suche nach einem geeigneten Cache. Optimalerweise checkt der Beifahrer unterwegs den Stand der Dinge (DNF Logs etc.).
Plane rechtzeitig und plane permanent, immer wieder. Nichts ist so unbeständig wie Geocaches. Vielleicht wird statt dem T3, bei dem du dir nicht sicher bist, ob du ihn schaffst, ein einfacher 1/1er direkt auf dem Weg veröffentlicht. Sobald die Route steht, mußt du sie regelmäßig auf Veränderungen prüfen.
Behalte die Caches im Blick. Jeder weiß, wie schnell eine Dose gemuggelt oder archiviert ist.
Oder um die letzten drei Punkte zu verkürzen: Du mußt neben einem Plan A und B auch noch einen Plan C und D haben.
Eigentlich sollte das klar sein: Binde mehr als einen oder zwei Fahrer ein. Jeder muß mal schlafen. Wir waren vier Fahrer, das klappte gut.
Plane genügend Tankstops ein, mit ausreichender aber nicht übertrieben langer Strecke dazwischen. Nichts kostet mehr Zeit, als mit fast leerem Tank krampfhaft nach einer Tankstelle zu suchen. Wir hatten einen Tankstop im Süden von Luxemburg, einen in Österreich und einen in Slowenien eingeplant. Der Stop in Luxemburg muß rein von der Reichweite eigentlich noch nicht sein. Aber dadurch kann man Länder mit teurem Benzin (Deutschland, Schweiz, Liechtenstein) umgehen und muß auch nicht bis zum letzten Tropfen Benzin fahren. Optimalerweise tankt man dann an einer Stelle, an der es auch gleich einen Cache gibt. Zwischen den Tankstops hatten wir jeweils grob 600 Kilometer Strecke.
Ausrüstung
Ein Auto ist natürlich ein Muß. Klar, man kann das vielleicht auch mit einem Motorrad fahren, aber ob das allein so viel Spaß macht und überhaupt machbar ist? Ich würde das bezweifeln. Je nach Anzahl der Mitcacher macht es Sinn, ein Fahrzeug zu mieten.
Wir waren zu siebt, hatten erst einen Sharan im Auge, haben aber zum Glück noch umdisponiert. Letztendlich wurde es ein quasi neuer Citroën Jumpy der dritten Generation mit 9 Sitzplätzen. Avis scheint die einzige „große“ Autovermietung zu sein, die Fahrten in jedes EU-Ausland (plus Schweiz und Liechtenstein) problemlos duldet und gleichzeitig keine Kilometer begrenzt.
Ohne ein Navigationsgerät gehts auch nicht, obwohl ich die Tour am Schluß der Planung wahrscheinlich auch ohne hätte fahren können. Mein Tomtom Go 5000 hat uns sehr gut geleitet, die wenigen Staus oder Verkehrsprobleme, die wir hatten, wurden rechtzeitig angezeigt. Zur Sicherheit hatten wir noch ein Navi von Garmin dabei, wenn alle Stricke gerissen wären, wäre auf jedem Handy Google Maps verfügbar gewesen.
Die Tour
Am Karfreitag treffen wir uns um 12 Uhr am Flughafen Stuttgart, um unseren Mietwagen entgegenzunehmen. Wir machen uns auf den Weg nach Eijsden in Holland, wo wir um Mitternacht starten wollen. Ein paar Dosen noch auf dem Weg und gegen 21:40 treffen wir in der Brasserie La Meuse ein, um noch einmal etwas Warmes zu essen. Danach gehts zum ersten Cache, den wir Punkt 0 Uhr loggen.
00:00 Uhr – Land 1 – Niederlande – GC4Y2FE bluspunt Der Cache am Krematorium wird problemlos gefunden, allerdings nehmen wir zuerst die falsche Einfahrt. Gut, daß wir genug Zeit eingeplant haben.
01:35 Uhr – Land 2 – Belgien – GC1K0XM Pitstop „Hondelange 1“ Die Fahrt durch Belgien wird tatsächlich von einer roten Ampel in Lüttich unterbrochen… Das Navi zeigt dann schonmal ganze 3 Minuten mehr an, als geplant war. Das geht ja gut los. Wo der Cache sein muß, ist mit einem kurzen Blick auf Streetview sofort klar. Genau da war er auch. Nur dauerte es, bis wir ihn endlich befreien konnten.
01:44 Uhr – Land 3 – Luxemburg – GC1E268 Have a break – A6 exit Steinfort In Luxemburg müssen wir kurz von der Autobahn runter, weil es keinen Cache gibt, der geschickt auf einem Rastplatz liegt. Der Umweg ist nur kurz und nach wenigen Minuten sind wir wieder auf der Autobahn, nur um kurz danach unseren ersten Tankstop einzulegen.
03:14 Uhr – Land 4 – Frankreich – GC7G2WC Le grand Far Der ursprünglich geplante Cache zeigte sich nach einigen Minuten Suche nicht, also mußte Plan B her. Auch hier ging die Fahrt kurz von der Autobahn runter.
04:30 Uhr – Land 5 – Deutschland – GC6NDYG Haus am See Zwischen Straßburg und Offenburg fahren wir Bundesstraße. Etwas abseits haben wir einen schönen Cache gefunden.
05:43 Uhr – Land 6 – Schweiz – GC76RFM Welcome to Switzerland Autobahn, Rastplatz und tolle Dose, das hat hier funktioniert. Inzwischen haben wir 20 Minuten gegenüber der Planung gut gemacht.
07:34 Uhr – Land 7 – Liechtenstein – GC5K3XE … Schaantastische Radrunde # 1 Der Cache liegt mitten im Land und mitten im Ort. Wir finden ihn schnell. Und hell ist es inzwischen auch.
08:25 Uhr – Land 8 – Österreich – GC1YRRH S16 – Kilometer 44.5 Süd, Klösterle Der nächste Tankstop mit Pinkelpause und Dosensuche. Ich habe hier 15 Minuten eingeplant, letztendlich haben wir aber bisher soviel Plus, daß wir uns Zeit lassen können.
10:34 Uhr – Land 9 – Italien – GC6E460 [A22] Bressanone – Val Pusteria Kurz vor dieser Dose merkt einer der Mitfahrer, daß er sie schon gefunden hat… Wir suchen sie trotzdem und fahren danach eben zu einer zweiten in Italien.
10:48 Uhr – Land 9 – Italien – GC1N1WA loden Der zweite Cache in Italien. Jetzt sind wieder alle Reisenden auf dem selben Stand. Anschließend zieht es sich ordentlich durch Italien und Österreich.
15:58 Uhr – Land 10 – Slowenien – GC7FR7B Dobrenje A01 car trail Das längste Stück der Fahrt ohne Cache liegt hinter uns. Wir tanken noch einmal und machen eine Pause.
16:09 Uhr – Land 10 – Slowenien – GC7FR93 Dobrenje A22 car trail Netterweise hat der Owner des letzten Caches auf den selben Rastplatz noch einen zweiten gelegt. So haben wir alle etwas Bewegung und ein Ziel 🙂
17:03 Uhr – Land 11 – Kroatien – GC6GAG3 Crkva Marije Kraljice i Svetog Ladislava Ich dachte eigentlich, daß ich mich in Sachen EU und Grenzen auskennen würde. Woran ich nicht gedacht habe: Kroatien ist noch nicht dem Schengener Abkommen beigetreten. So steht vor diesem Cache erstmal eine Grenzkontrolle an. Den Cache finden wir in strömendem Regen, bevor es wieder zurück nach Slowenien geht.
17:47 Uhr – Land 12 – Ungarn – GC8645 Millfarm Ein Virtual von 2002, der fast auf der Strecke liegt. Bei der Planung beschließe ich, daß wir diesen Umweg nehmen können, wenn es die Zeit zuläßt. Da wir trotz Grenzkontrolle immer noch fast 20 Minuten gutgemacht haben, schauen wir uns das Gebäude und die kuriosen Statuen an.
19:24 Uhr – Land 12 – Ungarn – GC6KGJ7 Take me to curch Der erste „richtige“ Cache in Ungarn, da der Virtual nicht zählt. Entgegen der Vermutung was Titel und Rechtschreibung angeht, ist der Cache einfach versteckt und findbar.
20:36 Uhr – Land 13 – Slowakei – GC2J176 D1.1 Cervenik 68,5 km BA-ZA Die ganze Fahrt durch Ungarn regnet es ununterbrochen. Um Bratislava rum bessert sich das Wetter und es wird zumindest trockener. Diese Dose müssen wir etwas suchen, finden sie aber schlußendlich doch und müssen keinen Ersatzcache anfahren.
22:51 Uhr – Land 14 – Tschechische Republik – GC49H4M 1.Kostel Slezske cirkve evangelicke Bei Žilina endet die slowakische Autobahn und wir fahren fast 60 Kilometer Bundesstraße, bevor die tschechische Autobahn startet. Das zieht sich, aber wir sind noch vor 23 Uhr am Cache, den wir sofort finden.
23:00 Uhr – Land 15 – Polen – GC74PWV Harcerski Kesz (1) Dom Harcerza w Cieszynie Da die Stadt zweigeteilt ist, fahren wir von Český Těšín in Tschechien nach Cieszyn in Polen und brauchen dafür nur wenige Minuten. Wir halten am letzten Cache. Eilig haben wir es schon lange nicht mehr, wir haben noch über eine Stunde Zeit bis die 24 Stunden rum sind. Der letzte Cache ist gefunden, geloggt und wieder versteckt. Wir fahren ins Hotel.
Schwanzvergleiche und Rekorde
Interessieren uns nicht. Andere scheinbar schon. Wenn jemand die Tour in 22 Stunden schafft oder 16 Länder, Respekt. Wie üblich beim Geocaching macht ihn das aber weder besser noch irgendjemand, der länger braucht, schlechter. Aber eigentlich sollte das klar sein.
Mußte das sein?
Ja.
Und die Umwelt?
Ach ja: Wenns rein um den ökologischen Aspekt geht, dann kann man sich über eine solche Tour natürlich trefflich streiten. Man kann es schönrechnen – in beide Richtungen. Keiner von uns würde das Wochenende über daheim bleiben, ob jetzt sieben Autos je X Kilometer fahren oder ein Auto x*7 dürfte eigentlich keinen Unterschied machen. Letztendlich kommt auch einiges zusammen, wenn man immer mal wieder wegen einer Dose irgendwo hinfährt. Das ist ja das Schöne am Geocaching, jeder kann es machen, wie er es will. Solche Touren muß auch niemand toll finden, aber man sollte respektieren, daß es Cacher gibt, die das tun. Genauso, wie es Menschen gibt, die stundenlang in der Gegend rum rennen, nur weil in Griechenland ein Bote das Selbe gemacht haben soll. Oder ihre Kinder im SUV in die Kita bringen. Oder stundenlang im Kreis fahren. Oder mal eben nach Malle fliegen. Und zu guter Letzt: Man macht das ja auch nicht jede Woche.
Zahlen
Ab Stuttgart 3528 km gesamt, davon grob 2000 für die 15 Länder. 410,97 Euro für den Mietwagen. Diesel für 372,94 Euro. 134,87 Euro für Maut/Vignetten. 125 Euro für 6 Hotelzimmer. Pro Person kamen bei uns sieben je 149,11 Euro raus, plus Verpflegung. Die Maut wäre mit einem kleineren Fahrzeug günstiger gewesen (nur falls das jemand nachfahren will).
Fazit
Die Planung war nicht ganz ohne, hat aber Spaß gemacht. Es war fast ein Ritual, jeden Morgen vor der Arbeit nachzuschauen, ob es auf der Route neue Caches gab oder ob welche archiviert wurden. Zur Fahrt ansich: Ich hatte mir die ganze Unternehmung viel hektischer vorgestellt. Letztendlich hat jeder mal geschlafen, wir haben uns gut mit dem fahren abgewechselt. Und wenn es nicht geklappt hätte: Scheiß drauf! Kein Cache ist es wert, im Halbschlaf zu fahren!
Und nochmal so eine Tour? Ich weiß es nicht. Einerseits war es nicht so hektisch wie befürchtet, andererseits ist es schon anstrengend. Es war aber eine Erfahrung wert.
Auch 2018 habe ich vor, wieder ein paar Megaevents zu besuchen. Neben Stashes ’n‘ Stones und Auf einen Sprung ins Vogtland ist das auch ein besonderes Event in Thüringen. Besonders, weil „Cachen im Bratwurstland“ ein dezentral veranstalteter Cache-Tag mit zentralem Tages-Abschluss-Event sein soll. Veranstaltet von den verschiedenen Communitys in Thüringen. Zeit, sich einmal näher mit Cachen im Bratwurstland zu beschäftigen.
Der Freistaat Thüringen ist ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Mit rund 2,2 Millionen Einwohnern und einer Fläche von rund 16.000 Quadratkilometern gehört es zu den kleineren Ländern der Bundesrepublik. Landeshauptstadt und zugleich größte Stadt ist Erfurt, weitere wichtige Zentren sind Jena, Gera und Weimar.
Um herauszukriegen, ob und wieso sich eine Reise dorthin auch für jeden anderen lohnt und was geboten wird, habe ich – wie schon in der Vergangenheit bei anderen Megaevents – einfach mal bei der Orga angefragt und mir einige Fragen beantworten lassen. „Die Orga“ war in diesem Fall Nicole.
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Megaevent in Thüringen zu veranstalten?
Das ist eigentlich eine lustige Geschichte: Im Mai 2016 war Stammtisch in Gotha. Lustig sind ja solche Stammtische meist, aber an dem Tag waren wir irgendwie besonders albern. Und wir begannen mit so Wortspielen wie „Cachen in Gotha“, das hört sich mit unserem Thüringer-Slang schon lustig an …„Gäschen in Gotha“ Schnell war die Abkürzung „GiG“ gefunden und irgendwann haben wir noch ein „a“ drangehängt … „GiG(a)“ – und so entstand die alberne Idee „Gäschen in Gotha“ als Giga-Event. Schnell wurde ein GIG-Team gegründet und ab da, war die Idee der Running-Gag schlecht hin und wurde zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit wieder vorgeholt und immer auch wieder
vergessen.
Bis zum traditionellen Uhr-Umstell-Event im März 2017 – dieses Event haben wir zu spät eingereicht und mussten es um eine Woche verschieben. Der 31. März schien uns ideal dafür, einen kleinen Aprilscherz dranzuhängen und so luden wir offiziell zum Casting für das Giga „Cachen in Gotha“ ein. Nur wer vor Ort einen Mystery lösen konnte und seinen
Fragebogen ordentlich ausfüllt, wurde qualifiziert für den ReCall und bekam die Chance auf einen begehrten Platz im Orgateam. Wir müssen sehr überzeugend gewesen sein. Könnt ihr Euch vorstellen, wie ca. 40 Leute ganz leise und angestrengt, nachts im McDonalds einen Mystery lösen? Das war ein Spaß! Und als dann kurz nach Null Uhr der Aprilscherz mit einer „Aprilscherz-Dose“ aufgelöst wurde, sahen wir viele enttäuschte Gesichter… Was? Doch kein Giga in Gotha? Warum nicht? Euch hätten wir das zugetraut…
Nun ja, so ist es entstanden… Nach einer Woche Abwägen, ob wir das schaffen können, haben wir zu einem „ReCall-Event“ eingeladen, um zu sehen, wie groß das Interesse wirklich ist. Von da an nahm die Planung ihren Lauf. Der Name „Cachen im Bratwurstland“ wurde demokratisch abgestimmt. Das war nicht ganz einfach, denn auch wir wissen, dass Thüringen mehr zu bieten hat, als die Bratwurst.
In welcher Location wird das Event stattfinden?
„Cachen im Bratwurstland“ findet, wie der Name schon sagt im ganzen Bratwurstland, sozusagen in ganz Thüringen statt. Alle Thüringer Communities beteiligen sich mit so genannten Community-Events an dem Gesamtprojekt. 26 Events verteilt in ganz Thüringen laden die Besucher ein. Bereits am Donnerstag findet ein Auftakt-Event im Bratwurstmuseum statt. Freitag, Samstag und Sonntag folgen weitere Events in den einzelnen Landkreisen. Hier haben die Event-Owner verschiedenste Locations und Themen ausgewählt und freuen sich auf viele Gäste.
Nach einem erlebnisreichen Tag treffen sich dann alle Geocacher ab 17 Uhr in Gotha. Das Eventgelände befindet sich in Gotha auf dem Boxberg, auf dem Gelände einer der ältesten Galopprennbahnen Deutschlands.
Warum gerade dort?
Wir waren auf der Suche nach einem Ort, der zum Geocaching passt. Draußen in der Natur, etwas abseits mit Platz für viele Leute und Parkmöglichkeiten. Wir finden, dass die Location dafür perfekt geeignet ist. Das Gelände ist von Wald umgeben und die Autobahn sorgt für eine hervorragende Erreichbarkeit. Dazu versprühen die alten Rennbahn-Gebäude ein gewisses Lost-Place-Feeling.
Für wie viele Geocacher plant ihr eurer Event?
Aktuell sind es 932 945 Will-Attends. Wir denken, dass wir die 1.000 bald knacken werden und freuen uns über jeden, der uns im Bratwurstland besuchen wird.
Gibt es eine maximale Anzahl an Teilnehmern, die diese Location besuchen dürfen?
Es gibt keine Besucherbegrenzung. An vergangenen Renntagen waren teilweise bis zu 8.000 Besucher vor Ort.
Was bietet ihr dem Besucher? Gibt es aktuell schon ein Programm und wenn ja, was würdet ihr davon hervorheben?
Im Vordergrund steht an diesem Wochenende das Cachen im Bratwurstland (wörtlich!). Mit zahlreichen Begleit-Events in ganz Thüringen begrüßen unsere Communitys die Gäste. Die Veranstaltung auf der Pferderennbahn Gotha-Boxberg soll eine Plattform bieten, um sich über Cache-Erlebnisse auszutauschen, Freunde zu treffen und den Tag gemeinsam ausklingen zu lassen. Bei dieser Abendveranstaltung geben wir auch auch noch einmal richtig Gas. Für das Unterhaltungsprogramm wird eine passende Bühne aufgebaut sein und eine Live-Band wird musikalisch für Stimmung sorgen. Natürlich haben wir auch noch ein paar weitere Programmpunkte im Gepäck wie z.B. Birres TBs, Kletter-Vorführungen, Labcaches, Coiner-Treffen, kleine! Händlermeile, PETling-Tombola, Signal und einiges mehr. Vielleicht hat sogar noch jemand Lust auf eine Runde „Bratwurst-Rodeo“? 😀
Es finden – vor allem in Deutschland – immer mehr Megas statt. Warum sollten Cacher gerade ins Bratwurstland nach Thüringen kommen?
In diesem Jahr sind es in Deutschland bisher 5 Mega-Events. Neben den kulinarischen Genüssen spricht einiges dafür, zu uns nach Thüringen zu kommen. Herrliche Natur fernab von Großstädten kann man z.B. im Thüringer Wald oder im Hainich erleben. Kulturelles und Geschichtliches lässt sich vielerorts erfahren, wobei die Wartburg in Eisenach und das UNESCO-Welterbe Weimar nur die bekanntesten Beispiele sind. Natürlich gibt es auch im Bezug auf Geocaching in Thüringen vieles zu entdecken. Wir sind sicher, dass in dieser Hinsicht ein jeder bei uns fündig wird und interessante Dosen absolvieren kann. Unser Gesamtkonzept ist anders als gewöhnlich, da das Cachen im Vordergrund steht anstelle von Shopping und Workshops.
Wird der Besucher bei euch Eintritt zahlen müssen? Wenn ja, wieviel?
Natürlich müssen Location, Logistik und Programm finanziert werden. Für Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren kostet das Eintrittsticket 10 Euro. Kinder bis 15 Jahre zahlen keinen Eintritt. Parken ist kostenlos. Die zahlreichen Community-Events sind ebenfalls kostenlos, auch der Eintritt ins 1. Deutsche Bratwurstmuseum.
Gibt es am Eventgelände genügend Parkplätze?
Selbstverständlich werden ausreichend kostenlose Parkplätze zur Verfügung stehen. Wir bieten unseren Besuchern auch WoMo-Stellplätze und ein Camping-Areal.
Dürfen Hunde aufs Eventgelände?
Hunde sind herzlich willkommen, natürlich angeleint.
Wieviele Personen sind in eurem Orga-Team?
Das kann man gar nicht so genau sagen. Zum einen gibt es die vielen Event-Owner, die ein eigenes Community-Event organisieren, dann gibt es ein Team, welches sich nur um die Organisation auf dem Boxberg kümmert und ein Team, welches alle administrativen Aufgaben erledigt.
Wie ist die Verteilung der Aufgaben im Team? Mischt jeder bei jedem Thema mit?
Die Aufgaben sind klar verteilt – wir tauschen uns regelmäßig aus und arbeiten sehr gut zusammen.
Reicht das aus, um das Mega zu abzudecken?
Natürlich. Wir sind noch keine Mega-Profis, aber wir wachsen mit unseren Aufgaben und der bisherige Stand kann sich sehen lassen. Wir sind guter Dinge, ein schönes Event auf die Beine zu stellen.
Benötigt ihr Helfer? Gibt es einen Anreiz, euch zu helfen?
Es haben sich schon einige Helfer angemeldet und den Kontakt werden wir in Kürze intensivieren. Als kleine Entschädigung oder Belohnung gibt es einen exklusive Helfercoin, die nicht käuflich zu erwerben ist.
Wo/wie habt ihr bisher Werbung für dieses Event gemacht?
Hauptsächlich über Social Media und Visitenkarten – die Geocacher sind ja hervorragend vernetzt. Außerdem sind einige von uns auf vielen kleineren und größeren Events unterwegs. Und nicht zu vergessen, die vielen Bratwurst-T-Shirts, die schon “umherlaufen” und Werbung fürs Event machen.
Welche Möglichkeiten habe ich, weitere Geocacher von eurem Event zu informieren (Werbematerial, Banner etc.)?
Am einfachsten und effektivsten ist wohl einfach die Nennung unseres einprägsamen GC-Codes „GC76543“. Vom Listing kommt man auf unsere ausführliche Website und dort findet man viele Informationen.
Nicole, vielen Dank für die Infos. Wir sehen uns im Juni im Bratwurstland!
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