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Einmal Nordkap und zurück – Cachen über dem Polarkreis – Teil 1

Meinen diesjährigen Sommerurlaub habe ich mal nicht auf dem Balkan, in Polen oder Tschechien verbracht, sondern es ging nach Norden. Der Länderpunkt Norwegen fehlte mir noch und ich habe einen Besuch dieses schönen Landes (viel zu) lange vor mir hergeschoben.

Der Grund dafür ist eigentlich keiner, sondern eher ein Vorurteil, das zwar nicht komplett falsch, aber auch nicht so wahnsinnig schlimm ist: Die Kosten. Mein Standardspruch war immer „einmal Norwegen ist viermal Polen“. Das mag zwar stimmen, aber irgendwann musste es trotzdem sein. Und dieses irgendwann sollte im August 2024 sein.

Nachdem ich mich also zu einer Tour nach Skandinavien durchgerungen habe, geht es an die Planung. Ursprünglich wollte ich grob im Dreieck Kopenhagen, Stockholm, Oslo bleiben. Das wäre nicht wahnsinnig weit zu fahren gewesen, die Strecken zwischen den Städten sind mit jeweils etwa 6 bis 7 Stunden auch einigermaßen kurz. Bis zu diesem Punkt hörte sich das nach einem verlängerten Städtetrip an.

Bis zu diesem Punkt. Allerdings spukte immer ein Ort in meinem Kopf rum: Das Nordkap. Der nördlichste Punkt Europas. Na ja, zumindest fast. Der nördlichste auf der Straße erreichbare Punkt Europas, der aber gar nicht auf dem Festland, sondern auf der Insel Magerøya liegt. Und selbst auf der Insel geht es an der Knivskjellodden noch über einen Kilometer weiter nördlicher. Aber eben nicht auf der Straße, sondern etwa 8 Kilometer einfache Strecke zu Fuß. Aber gut, wer will hier päpstlicher als der Papst sein.

Das Problem dabei? Das Nordkap ist scheiße weit! Also wirklich. Während es von Stuttgart nach Skopje etwa 1600 Kilometer sind, beträgt allein die Distanz von Trelleborg in Südschweden zum Nordkap fast 2500 km und selbst von Helsinki ist es ähnlich weit, wie die angesprochene Route nach Skopje. Das wird viel, sehr viel Fahrerei. Komplett alleine. Stunden. Tage. Wird mich das davon abhalten? Natürlich nicht! Ich habe mir das Ziel in den Kopf gesetzt und beginne mit der Planung.

Helsinki ist ein gutes Stichwort. Mein Geografieverständnis sagt mir „Fahr nach Schweden und dann an der Küste immer weiter nach Norden“. Das ist prinzipiell richtig, soll aber nicht so schön sein, wie die Fahrt durch Finnland oder an der Westküste Norwegens entlang. Letzteres fällt relativ schnell aus der Planung raus, weil die Route zwar sehr schön sein muss, aber wesentlich länger dauert. Und es auch einige Orte gibt, an denen man nicht einfach nur vorbeifahren sollte. Über Schweden hoch und runter ist irgendwie auch keine Option, denn ich will ja auch etwas mehr Abwechslung und nicht zweimal dasselbe. Also bleibt für die Hinfahrt nur noch Finnland übrig.

Um übers Baltikum zu fahren, fehlt mir die Zeit, auch wenn ich das sehr gerne getan hätte. Wäre mir allerdings bewusst gewesen, dass ich erst am Donnerstagmorgen in Helsinki sein würde, hätte ich es eventuell ins Auge fassen können. Bleibt die Frage, ob 4 Tage nur fahren Polen und dem Baltikum gerecht worden wären. Eher nicht.

Wie komme ich also von Deutschland nach Finnland? Die Antwort ist naheliegend: Mit der Fähre. Ich habe verschiedene Routen recherchiert. Am liebsten wäre ich von Polen aus gefahren, von Swinemünde oder Kolberg. Durch Deutschland muss ich ja sowieso fahren, dann könnte ich auch direkt weiter nach Osten. Leider ist die einzige Möglichkeit ab Gdingen/Gydinia in der Nähe von Danzig, was aber wieder zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte. Letztendlich habe ich eine Fähre von Travemünde bei Lübeck nach Helsinki gebucht.

Die Route steht also fest, der Tag noch nicht. Ich schiebe die Termine hin und her und kann schließlich eine Menge Geld dadurch sparen, indem ich die Fähre buchte, die am Mittwoch frühmorgens um 2 Uhr ablegt.

Dadurch, dass ich quasi mehr als das ganze Wochenende davor ungeplant „frei“ hatte, baue ich einen Besuch beim Mega in Dresden, sowie zwei Übernachtungen in Stettin ein. Noch einmal entspannen, günstige Lebensmittel einkaufen und etwas cachen.

Deutschland – Helsinki

Als dieses Vorgeplänkel erledigt ist, stehe ich gegen 20 Uhr am Skandinavienkai in Travemünde und warte darauf, aufs Schiff zu können. Ob die Finnstar pünktlich abgelegt hat, kann ich nicht sagen. Denn ich liege schon eine Stunde vorher in meiner Kabine und schlafe.

Die folgenden grob 30 Stunden verbringe ich mit Fernsehen, Essen, Internet, ausruhen, Schiff erkunden, sonnen und generell etwas entspannen. Wir kommen relativ pünktlich gegen 10 Uhr in Helsinki an. Der Plan für den Tag ist klar: Drum rum etwas Cachen, parken, die Innenstadt anschauen, noch mehr cachen.

Impressionen

Helsinki – Rovaniemi

Ich war 2016 zuletzt in der finnischen Hauptstadt und so kann ich mir eine schöne Tour aus vorzugsweise seit dem veröffentlichten Caches zusammenstellen. GC72 hatte ich damals schon gefunden, dafür fehlt mir die Webcam. Das hole ich vor der Fahrt in die Innenstadt nach.

Das Wetter ist super und der Tag fühlt sich schon ziemlich nach Urlaub an. Ich verbringe einige Stunden in der Innenstadt von Helsinki und erkunde noch einmal eine größere Stadt, bevor sich das ab morgen ändern wird.

Gegen Abend fahre ich in Richtung Pasila, von wo aus die nächste Etappe starten soll: Der Autozug. Über Nacht. Autozüge gibt es in Deutschland ja quasi keine mehr, aber hier passt das perfekt in meine Tour. Während ich schlafe, wird der Zug mich und mein Auto die fast 900 Autokilometer bis an den Polarkreis bringen und am nächsten Tag in Rovaniemi absetzen. So brauche ich keine Übernachtung in Helsinki, ich spare mindestens eine Tankfüllung und vor allem spare ich einen Tag Fahrerei.

Das Auto in den Zug zu fahren ist kein Problem. Nachdem das erledigt ist, muss man etwa 300 Meter zum Zug laufen. Blöd, wer für eine Nacht sein ganzes Gepäck mitschleppt. Der Zug kommt pünktlich, die Abteile sind bequem und einigermaßen geräumig. Es gibt neben „normalen“ Sitzen auch eigene Abteile mit Sitzen für 2 oder 4 Personen, sowie Schlafabteile mit oder ohne WC und Dusche. Da ich preislich viel Glück habe, kostet mich der Spaß im eigenen Schlafabteil mit WC und Dusche komplett unter 150 Euro.

Kurz nach 23 Uhr rollt der Zug los und gegen halb 8 wache ich auf, schaue raus und erlebe in Oulo den ersten Stopp mit. Um 11 kommt der Zug an der Endstation in Rovaniemi an und beim Warten aufs Ausladen der Autos fängt es schon leicht an zu regnen. Das ist Wetter, wie ich es befürchtet aber nicht erhofft habe. Ganz so schlimm ist es dann aber doch nicht, allerdings schon ein Kontrast zum Sommer in Helsinki.

Impressionen

Rovaniemi – Muonio

Rovaniemi liegt direkt auf dem Polarkreis, ist die Hauptstadt von Lappland und hat mehrere interessante Sehenswürdigkeiten zu bieten. Die erste führt mich zu einem Spielplatz. Angry Birds wurde tatsächlich von einer Firma aus dieser Stadt erfunden und der Spielplatz ist komplett im Stil der Vögel gehalten. Kein Wunder, dass er wenig später vom örtlichen Kindergarten gestürmt wird.

Nach der zweiten Berühmtheit wurde der Hauptplatz nach deren Sieg beim Eurovision Song Contest 2006 benannt: Lordi aukio (Lordi-Platz). Netterweise gibt es dort auch einen Virtual. Drum rum ist eine kleine Fußgängerzone mit Geschäften und Restaurants. Stadtkern in mini.

Die wohl bekannteste Berühmtheit in Rovaniemi ist allerdings die dritte: Der Weihnachtsmann wohnt hier. Was sich wie der Traum aller Kinder anhört, ist letztendlich leider nur eine Touristenattraktion. Mit Betonung auf Touristen. Weihnachtsmanndorf, Weihnachtsmannpostamt, Weihnachtsmannhotel. Ich fahre trotzdem die paar Kilometer nach Osten, denn neben einigen Caches verläuft auch der Polarkreis mitten durchs Dorf. Eigentlich ja nicht, aber zumindest ist er dort „eingezeichnet“ und das eignet sich ziemlich gut für Fotos.

Dann mache ich mich aber auf den Weg weiter nach Norden. Ab jetzt ist quasi jeder Cache ein neuer nördlicher. Erstes wichtiges Ziel ist das Skigebiet in Levi. Während der Vorbereitung auf die Reise wurde schon eine Webcam in Rovaniemi wegarchiviert, die in Levi kann ich aber trotz einiger kleinerer Probleme gut loggen. Das Wetter ist weiterhin nicht besonders gut, aber ich bin ja auch nicht mehr im Süden. Leider ist die Zufahrt auf den Hausberg von Levi gesperrt, sodass ich den dort liegenden 2001er Cache nicht suchen kann.

Von Levi dauert es dann nur noch etwa eine Stunde bis nach Muonio, dem Ziel meiner heutigen Etappe. Das ist zwar ein ziemliches Kaff, aber immerhin gibt es dort gleich zwei Supermärkte. Leider bieten beide nichts wirklich Warmes zu essen an. Zum Glück habe ich vorgesorgt und genügend Instantnudeln für unterwegs dabei. Die Unterkunft ist hervorragend – eigentlich hätte ich dort sogar richtig kochen können.

Impressionen

Muonio – Alta

Nach dem eher einfachen Frühstück hole ich mein Auto und will nochmal in Finnland tanken, weil es in Norwegen abnormal teuer sein soll. Da sich das Motel im selben Gebäude wie die Tankstelle befindet, muss ich nicht weit fahren. Der Pächter der zweiten Tankstelle im Ort scheint aber ein Fuchs zu sein. Zwar versteckt sich diese in einer Nebenstraße, die Preistafel steht aber so, dass man sie von den Zapfsäulen der ersten sieht. So ganz spontan kommt der Schwabe in mir raus und ich spare 2 Cent pro Liter 🙂 Was bei Literpreisen zwischen 1,80 und 1,90 Euro, also aktuell zwischen 10 und 20 Cent teurer als in Deutschland, nicht schlecht ist.

Dann cache ich mich aber weiter. Erst nach Nordwesten, dann ein Stück nach Osten und ab da quasi nur noch nach Norden. Gegen 9:45 Uhr stehe ich an der Grenze zwischen Finnland und Norwegen. Kurz davor befindet sich der Zoll. Es gibt eine grüne Spur und daneben eine rote Spur mit Parkplätzen, etwa für LKWs, die Waren anzumelden haben. Kein Vergleich zu anderen Grenzübergängen. Kurze Zeit später folgt dann die „richtige“ Grenze: Ein paar Kameras, ein Schild für Norwegen in die eine Richtung und eines für Finnland in die andere. Das war’s. Ich bin in Norwegen!

Ich fahre weiter, halte mal kurz an einem See, genieße die Landschaft und das entspannte Fahren. Caches gibt es erstmal keine. Nach etwa 45 Minuten komme ich in die nächste Stadt, Kautokeino, wobei Stadt hier eher in Anführungszeichen gehört. 1500 Einwohner, ein paar Tankstellen, Camping, Supermarkt, Schule. Ich fahre vorbei an einer ursprünglich gebuchten und dann umgeplanten Unterkunft und biege, noch bevor ich die Stadt an sich erreiche, nach rechts ab. Es geht leicht bergauf, bis ich vor einer typisch norwegischen Holzkirche parke.

Entgegen einer norwegischen Tradition aus den 90ern habe ich nicht vor, die Kirche anzuzünden, sondern bin aus einem einfachen Grund hier: Hier hängt der erste Cache, den ich in Norwegen bei starkem Wind finde. Endlich, Länderpunkt Norwegen!

Der Cache am nächsten Stopp heißt Pikefossen, wobei ich „Foss“ direkt richtig assoziiere. Ein wirklich beeindruckender Wasserfall, oder besser eine Stromschnelle, ein Rastplatz, ein Cache, schönes Wetter. Zeit für ein Mittagessen. Entgegen meinem normalen Vorgehen auf Reisen – „wird schon irgendwo ein Bäcker oder ein Supermarkt sein“ – habe ich vorgesorgt. Gaskocher raus, Wasser raus und erstmal ein paar Nudeln und eine kleine Pause.

Die Fahrt geht weiter in Richtung Alta. In der Nähe habe ich eine Unterkunft gebucht. Ich lasse die Stadt links liegen und folge der Europastraße 6. Am nächsten Rastplatz ist der Cache zwar archiviert, hängt aber immer noch dort, wo er hingehört. Viel wichtiger ist aber: Dieser Blick. Diese Aussicht auf den Fjord. Das Wetter spielt heute auch wirklich perfekt mit.

Einen Tunnel später halte ich erneut. Eine Landzunge und inzwischen auch eine Brücke trennen hier Kåfjord (an dem ich auch übernachten werde) und Altafjord. Vor 80 Jahren gab es keine Brücke und die enge Einfahrt in den Fjord reichte aus, um ein mächtiges Schlachtschiff darin zu verstecken. Die Tirpitz, das Schwesterschiff der besser bekannten Bismarck, sollte hier vor allem den Nachschub für die Sowjetunion nach Murmansk unterbinden.

Es gibt ein Museum im Ort und am Rastplatz findet sich neben dem Krater einer Tallboy ein Haufen rostiger Schrott, der angeblich von der Tirpitz sein soll. Das dürfte natürlich Quatsch sein, denn diese wurde bei Tromsø über 200 Kilometer weiter westlich versenkt. Was hier herumliegt, sind unter anderem Teile von 15 cm Schnelladekanonen C/28. Woher sie genau stammen ist unbekannt. Auf jeden Fall sind sie alt, rostig und deutsch.

Eigentlich wäre ich jetzt schon fast an meiner Unterkunft, die wie gesagt an diesem Fjord liegt. Allerdings ist es gerade einmal früher Nachmittag und ich habe noch etwas vor. Bei der Planung fällt mir irgendwann der kleine Ort Isnestoften auf. Eine kurze Recherche bringt hervor, dass er schon in der Steinzeit bewohnt war. Unter anderem wurden in der Nähe auch Felsritzungen gefunden.

Mich hat aber natürlich primär ein Virtual angelockt. Durch diesen habe mich mir mal die Karte näher angeschaut und ein kleines Paradies für geschichtsinteressierte Cacher entdeckt. Es gibt wie gesagt einen Virtual, einen Earthcache, ein paar Tradis, zwei kleinere Powertrails, 20 Labs und ein paar Mysterys. Quasi als Bonus ist das hier Teil des Atlantikwalls und es gibt zumindest Reste von Stellungen und Bunkern zu erkunden.

Ach und die Gegend ist auch noch superschön. Es ist ziemlich schade, dass die meisten der E6 durch den Tunnel folgen und so zwar Zeit sparen, aber schon irgendwie etwas verpassen. Ich parke und mache mich auf den Weg zum Strand. Es war mir nicht direkt klar, was der beste Weg sein würde, aber letztendlich führt ein Pfad direkt vom Parkplatz erst relativ eben, dann bergab, zum Wasser. Der Virtual liegt auf einem Tombolo. Laut Wikipedia ist das ein Dünenstreifen, der eine Insel mit dem Festland verbindet und so zu einer Halbinsel macht oder zwei Inseln miteinander verbindet.

Die Besonderheit an dieser Verbindung aus Sand und Steinen ist, dass der 23. Breitengrad genau dort durchgeht. Diesen „nachzumalen“ ist die Aufgabe des Virtuals. Ich stelle mir das im Vorfeld nicht so ganz einfach vor und habe vor allem Bedenken wegen der Gezeiten. Klar, je näher die Flut kommt, desto einfacher ist es. Bei mir hat der Sandstreifen geschätzt 30 Meter Breite und der Breitengrad lässt sich nach einigen Versuchen doch relativ gut mit einem Wanderstock in den Sand drücken.

Was mich neben der ziemlich einzigartigen Aufgabe und der doch relativ seltenen geologischen Besonderheit überrascht, ist das Meer. Ich befinde mich etwa 400 Kilometer nördlich des Polarkreises. Wer sich darunter nichts vorstellen kann: Der nördlichste Punkt Islands ist auf Höhe desselben. Und ich stehe an einem Strand mit sauberem Sand, umgeben von Bergen und mit absolut klarem Wasser. Ja, es waren tatsächlich ein paar Menschen baden. Ich habe mir das verkniffen, aber ich hätte wirklich Lust gehabt.

Nachdem ich alles erledigt habe, kümmere ich mich um die Labs und schaue mir die Reste der deutschen Stellung genauer an. Diese lief unter der Bezeichnung „MKB 4/514 Alta“ (Marineküstenbatterie) und hätte mit einer zweiten auf der anderen Seite des Fjords den kompletten Altafjord abriegeln können. Bestückt war die MKB ab 1941 mit 3 russische 13-cm-Kanonen, 2 Flak, mehreren 5-cm-Panzerabwehrgeschützen und etwa 100 Mann. Leider sind die Gebäude seit 1944 fast alle ziemlich zerstört, aber der Besuch lohnt sich trotzdem.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt: Ich fahre noch einmal zurück nach Alta, cache, kaufe mir ein Abendessen, beziehe meine Hütte und das wars.

Impressionen

Alta – Nordkap

Ich wache um 3 Uhr auf und realisiere zum ersten Mal, dass es hier ja nicht wirklich dunkel wird. Draußen ist es taghell, obwohl die Straßenlaterne an ist. Ich lege mich noch ein paar Stunden hin, das wäre mir dann doch etwas zu früh.

Heute ist Sonntag und ich habe etwa 250 Kilometer vor mir. Das klingt nach einem relativ gemütlichen Tag und in weiten Teilen ist es das auch. Das Wetter spielt absolut mit, die Gegend und die Fjorde machen die Fahrt wirklich schön und Verkehr ist hier oben sowieso fast keiner.

Bevor ich Richtung Alta starte, will ich das Tirpitz-Museum zumindest mal von außen gesehen haben, das Denkmal an der Kirche anschauen und den Cache suchen. Ich hätte das Museum gerne einmal besucht, aber die Öffnungszeiten passten leider überhaupt nicht in meine Reiseplanung.

Noch ein kurzer Abstecher in die „Innenstadt“ von Alta für ein paar Fotos von der Nordlicht-Kathedrale und Suche nach einem Frühstück. Auch wenn in Norwegen Sonntags viele Geschäfte offen haben: Ich bin einfach eine halbe Stunde zu früh unterwegs. Und so folge ich nach einem Frühstück von der Tankstelle der E6 nach Nordosten.

Ich komme gut voran und unterbreche die Fahrt hier und da mal für einen Cache. Powercachen geht auf der heutigen Route nicht, aber es sind doch einige nette Stops dabei. Eine Dose an einer Hängebrücke, natürlich am anderen Ende, lässt mich mal wieder testen, ob meine Höhenangst inzwischen wirklich weg ist.

Etwa zwei Stunden später verlasse ich das Festland und fahre durch den Nordkaptunnel auf die Insel Magerøya, auf der das Nordkap liegt. Richtig gelesen. Das Nordkap ist zwar der nördlichste Punkt Europas, den man über eine Straße erreichen kann, aber es liegt auf einer Insel. Und selbst dort ist es nicht der nördlichste Punkt. Der liegt, allerdings nur über eine längere Wanderung erreichbar, etwa vier Kilometer weiter westlich am Knivskjellodden.

Nachdem ich mir die Reste einer im Zweiten Weltkrieg abgeschossenen Iljuschin angeschaut habe, die auch nach 80 Jahren immer noch auf einem Feld liegen, erreiche ich Honningsvåg. Ich habe Zeit genug und entschließe mich, in die Stadt abzubiegen, Caches zu suchen und Souvenirs zu kaufen. Ich habe das Glück, dass hier weder heute noch morgen Kreuzfahrtschiffe ankommen und sich so zumindest die Anzahl der Touristen etwas im Rahmen hält.

Meine Unterkunft ist noch etwa 20 Minuten weiter nördlich. Da ich schon gegen 15 Uhr dort eintreffe, muss ich mich etwas gedulden, bevor ich meine Hütte beziehen kann. Dann kann ich noch ein paar Minuten entspannen, bevor ich mich entschließe, die etwa 11 Kilometer bis zum Nordkap direkt heute zu fahren.

Vorab habe ich offen gelassen, ob ich das Nordkap heute besuche oder morgen früh. Oder mehrfach. Oder, ach keine Ahnung. Die Straße hat es teilweise in sich, auch, weil der Verkehr hier wieder etwas dichter wird und immer mehr Wohnmobile zu sehen sind.

Am Nordkap angekommen, erlebe ich erst einmal die aktuellste Neuerung: Während man bis vor einigen Jahren kräftig für Eintritt und Parkplatz zahlen musste, entfiel beides nach einem Gerichtsurteil 2021. So steht es auch auf vielen Webseiten von Tourveranstaltern.

Passend zu meinem Besuch hat die Gemeinde im Mai 2024 beschlossen, wieder Gebühren einzuführen. NOK 125 (ca. 10,50 Euro) für ein Auto plus NOK 17 (ca. 1,45 Euro) pro Person. Sie nennen das „Outdoor fee“, für mich klingt das eher nach „Sag mal einen Namen, damit wir eine Gebühr erheben können“. Fairerweise muss man sagen, dass die Preise für 24 Stunden gelten und man den Parkplatz (zumindest laut Aussage des Kassierers) auch verlassen und zurückkehren kann. Mir war das in der Planung etwas entgangen, weil man sowas ja natürlich nicht jeden Tag überprüft. Aber egal.

Was wirklich teuer und in meinen Augen auch ziemlich unnötig ist, ist ein Besuch der Nordkapphallen, was nichts anderes als ein Souvenirshop mit angeschlossenem Restaurant und einem kleinen Museum ist. Dieser ist für die Kleinigkeit von NOK 330 (ca. 28 Euro) dann auch nicht wirklich günstig. Wie auch immer, ich fahre nicht Tausende Kilometer und knausere dann wegen 12 Euro rum. Ich denke nur, dass man das vorab wissen sollte.

Ich parke also und laufe vom Parkplatz in Richtung des Plateaus mit der Weltkugel. Zuerst genieße ich aber den Ausblick auf das Europäische Nordmeer und die Barentsee, facetime mit meiner Familie und lasse eine größere italienische Touristengruppe den Globus in Beschlag nehmen. Als auch der letzte diesen beklettert hat, stelle ich mich davor. Ich mache ein paar Selfies, werde von einer netten Österreicherin, die mit dem Fahrrad von Wien kam (soll mal jemand sagen, Plastikdosen im Wald zu suchen, wäre abgedreht), fotografiert und bin eigentlich am Ziel meiner Reise.

Ich am Nordkap

Eigentlich. Das Nordkap ist zwar auf dem Papier das große Ziel, aber eigentlich ist es nur Mittel zum Zweck. Hier passt der abgedroschene Satz, dass der Weg das Ziel ist, relativ gut. Der Norden Finnlands und vor allem Norwegens hat mir bisher wirklich sehr gut gefallen. Ich sammle die Dosen drumrum ein, logge die Lab Adventures und nach 90 Minuten habe ich alles hier oben gesehen.

Wie ich schon gemerkt habe, ist das Schöne an dieser Zeit des Jahres ja, dass es nicht wirklich dunkel wird. Also habe ich quasi kein zeitliches Limit, was Aktivitäten angeht. Für ein Abendessen ist es sowieso noch zu früh, also entschließe ich mich, meinen „Wäre interessant, wenn noch Zeit ist“-Plan umzusetzen. Ich fahre ins selbsternannte nördlichste Fischerdorf der Welt nach Skarsvåg. Von dort kann man nach einer kleinen Wanderung die Felsformation Kirkeporten bestaunen. Neben dem beindruckenden Felsen und einem schönen Ausblick in Richtung Nordkap gibt es dort auch einen Tradi und einen Earthcache.

Die Wanderung ist bis auf die Höhenmeter nicht sonderlich schwer und vor allem auf dem Rückweg sehe ich einige Rentiere, die nur wenige Meter von mir entfernt fressen. Ich überlege, wohin ich zum Abendessen kann. Die Auswahl ist ziemlich eingeschränkt, es gibt nur zwei Restaurants in Skarsvåg und eines an meiner Unterkunft. Der Name („In Cod we trust“ :)) überzeugt mich und hält, was er verspricht. Die Portion Fish & Chips ist ordentlich, schmeckt super, der Preis von etwa 24 Euro ist für Norwegen nicht teuer und die Auswahl an Gerichten sowieso klein. Ganz kurz überlege ich, ob ich nicht die Königskrabben nehmen soll (immerhin bin ich im Urlaub!), verkneife mir sie dann aber. Über 60 Euro waren wir dann doch etwas zu viel.

Nach dem Essen verziehe ich mich in meine Hütte, quasi 12 Stunden unterwegs reichen dann auch. Morgen geht es wieder in die andere Richtung. Nach Süden.

Impressionen

Aufgrund der Menge an Eindrücken habe ich mich dazu entschlossen, diesen Bericht auf mehrere Beiträge aufzuteilen. Weiter gehts mit Teil zwei.

Ich hoffe, dir hat mein Reisebericht gefallen. Falls du Fragen hast, ab damit in die Kommentare!

29000 Funde

Signal the Frog is a registered trademark of Groundspeak, Inc. Used with permission.

Nachdem ich bei 500, 1000, 1500, 2000, 2500, 3000, 3500, 4000, 4500, 5000, 5500, 6000, 6500, 7000, 7500, 8000, 8500, 9000, 9500, 10000, 10500, 11000, 11500, 12000, 12500, 13000, 13500 und 14000, 14500, 15000, 15500, 16000 und 16500, 17000, 17500, 18000, 18500, 19000, 19500, 20000, 20500, 21000, 21500, 22000, 22500, 23000, 23500, 24000, 24500, 25000, 25500, 26000, 26500, 27000, 27500, 28000 sowie 28500 Funden gebloggt habe, gibts hier wieder einen kleinen Rückblick über die Geocaches, die mir unter den letzten 500 gut gefallen haben.

Nummer 29000 war eine Webcam: Wenn ich noch wüsste wo das war …

Auf den Spuren von Einheit und Brüderlichkeit – Geocaching auf dem Balkan – Teil 4

Jugo-Diamond


Persönliches Balkan- und Jugo-Fazit

Nachdem ich 2022 schon ein kleines Fazit zu meinen Reisen durch Ex-Jugoslawien gezogen habe, kann ich jetzt wirklich sagen, dass ich überall auch etwas ausführlicher war. Ein persönliches Fazit bleibt aber schwer und ist natürlich nur auf meine Erfahrungen bezogen.

Alles in allem war ich natürlich viel öfter und flächendeckender in Slowenien und vor allem Kroatien, als im Rest der Staaten. Trotzdem habe ich im Laufe der Jahre 2021, 2022 und jetzt Anfang 2024 alle Länder mehrfach besucht, die bis 1991 als Teilrepubliken die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (Socijalistička Federativna Republika Jugoslavija) bildeten. Plus die ehemalige Sozialistische Autonome Provinz Vojvodina. Und auf dieser Tour kam dann noch die ehemalige Sozialistische Autonome Provinz Kosovo dazu.

Auch wenn ich hier oft von Ex-Jugoslawien rede, so ist dieses Land natürlich seit spätestens seit 2003, allerallerspätestens seit der Unabhängigkeit Montenegros 2006 Geschichte. Zumindest offiziell. In vielen Köpfen steckt es sicher noch drin und viele Menschen trauern ihm aus verschiedenen Gründen auch noch hinterher.

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der das einfach alles „Jugos“ waren. Was im Gegensatz zu manchen Gegenden aber nicht als Schimpfwort, sondern einfach als Kurzform für „Jugoslawen“ verwendet wurde. Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass quasi über Nacht in Schule und Freundeskreis keine Jugos mehr, sondern Kroaten oder Bosnier waren. Oder bosnische Serben. Oder kroatische Bosnier, deren Mutter als Serbin in Slowenien geboren wurde und der Vater in Mazedonien geborener Montenegriner war. Verwirrt? Ja, ich auch. Daher schwanke ich gedanklich immer mal zwischen „Ex-Jugo“ und „heutigem Land“. Man möge es mir verzeihen.

Wenn ich eines der Länder hervorheben müsste, würde ich es mir selbst bei der Auswahl wahnsinnig schwer machen. Jedes der Länder hat seine schönen (und ja, auch seine weniger schönen) Seiten. Und alle Länder sind verschieden, auch wenn es einige Gemeinsamkeiten gibt.

Slowenien ist für mich eher sowas wie „Österreich mit ausländischen Straßenschildern“ (und das ist nicht böse gemeint). Die Slowenen mögen es mir verzeihen, das Land fühlt sich einfach nicht nach Balkan an. Der Standard ist relativ hoch, es fehlt irgendwie ein wenig von diesem Entspannten. Kriegen wir hin, nema problema! In Kroatien ist das vor allem im Osten und an der Küste eher vorhanden.

Spätestens ab Bosnien-Herzegowina fängt für mich dann richtig das an, was man hier unter „der Balkan“ versteht, inklusive Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit. Nicht, dass es die weiter westlich nicht geben auch würde. Aber anders. Je weiter man nach Osten kommt, desto mehr Balkan-Erfahrung kann man sammeln.

Zu Serbien konnte ich bisher recht wenig schreiben. Inzwischen habe ich einiges von diesem Land gesehen, aber so wirklich richtig warm bin ich damit noch nicht geworden. Nicht falsch verstehen: Ja, mir hat es dort gefallen, vor allem Belgrad war definitiv eine Reise wert. Aber dieses „da will ich unbedingt nochmal hin“ fehlt mir aktuell. Vielleicht ändert sich das noch. Man kann Länder ja mehrfach bereisen.

Von Montenegro haben wir bei der ersten Reise im Januar 2022 mehr oder weniger nur die Bucht von Kotor gesehen. Das reichte für mich aber aus, um diese Ecke auf eine „Schönste Gegenden Europas“-Liste zu schreiben. Und das war auch einer der Gründe, wieso ich erneut dort hin wollte. Montenegro bietet aber nicht nur gigantische Ausblicke, sondern auch haufenweise alte österreichische Festungen, die man fast alle mehr oder weniger einfach besuchen kann.

Wirklich positiv überrascht haben uns sowohl Albanien, als auch der Kosovo. Albanien war rund um den Ohridsee schrecklich heruntergekommen und dreckig, aber wirklich mehr gesehen hatten wir damals nicht. Das hat sich jetzt geändert und vom Verkehr abgesehen war es ein sehr entspanntes und interessantes Land. Im Kosovo war es ähnlich. Schönes Land, sehr nette Menschen und definitiv einen Besuch wert. Klar, man hat natürlich vorrangig Bilder im Kopf, die man während des Krieges gesehen hat. Aber dieser ist bald 25 Jahre her, und natürlich hat sich das Land seitdem ziemlich verändert.

Eines Tages zurückkehren will ich auch an den Ohridsee in Mazedonien. Dieses Land war vor der ersten Reise zu Unrecht so etwas wie die große Unbekannte und wir hatten einen ziemlichen Respekt, weil Unwissen. Auf dieser Reise war es dann relativ entspannt, weil uns nichts mehr wirklich überraschen konnte.

Der Unterschied zwischen Slowenien und Mazedonien war nicht nur innerhalb des Staates Jugoslawien gewaltig, er ist es heute noch. Und natürlich waren nicht alle Länder gleich vom Krieg betroffen oder sind auf demselben Stand des Wiederaufbaus.

Ach, mhh, stimmt, das sollte ja ein Fazit werden. Am Besten besuchst du einfach alle Länder und machst dir selbst ein Bild. Die Gegend bietet sich wunderbar für Roadtrips an, kann aber natürlich auch Stück für Stück erkundet werden. Und für alle, die statt Sokolac, Ajvatovci, Knjaževac oder Pitomača lieber nach Sarajevo, Skopje, Belgrad oder Zagreb wollen, gibt es die Möglichkeit der Städtereisen.

Ach ja: Wer als Cacher einen Anreiz zum Nachmachen braucht, für den habe ich eine Challenge gelegt.

Fragen und Antworten

Nachdem ich immer mal wieder gefragt wurde, wie ich dies und jenes auf meinen Reisen erlebt habe, hier mal eine Auswahl Fragen mit den dazugehörigen Antworten. Ja, manche sind komisch und bei manchen langt man sich an den Kopf. Sie wurden mir aber alle so gestellt. Und die Antworten spiegeln natürlich nur meine Erfahrungen wider.

Würdest du Reisen in alle besuchten Länder empfehlen?

Ausnahmslos ja!

Na gut, okay, Ausnahmen gibt es im Detail dann schon. Will man ans Meer, kommt eigentlich nur Kroatien (oder Albanien) infrage. Ja, Slowenien hat etwas Adria und Bosnien-Herzegowina hat den Neum-Korridor. Und natürlich gibt es Seen, wie den Ohridsee in Mazedonien. Aber die Bade-Auswahl ist einfach in Kroatien größer.

Geschichtlich haben alle Länder mal mehr, mal weniger zu bieten. Man findet in jedem Land den einen oder anderen Lost Place, wenn auch nicht immer bedost. Will man wandern und in die Natur, dann hat aber wahrscheinlich jedes der Balkanländer mehr als genug zu bieten.

Es gibt eigentlich nur zwei Gründe, die dich davon abhalten können, abseits der Touristenecken unterwegs zu sein: 1. Du bist Veganer oder 2. du fährst ein Elektroauto. Bei beidem wirds schwierig und macht auch nicht mehr wirklich viel Spaß.

Daher: Machen. Aber nicht alles auf einmal wollen.

Ich habe gehört, dass Ex-Jugoslawien bzw. der Balkan inzwischen sehr teuer geworden ist. Stimmt das?

Jain. Erstmal gibt es natürlich nicht den Balkan. Wie in jedem Land kommt das sehr stark darauf an, wann man wo ist und was man tun will. Ich hatte in Vukovar eine gefühlte Tonne verschiedener Burek-Sorten plus Kirschstrudel (Štrudle višnja) für zusammen weniger als 4 Euro. Im Gegenzug kann man natürlich in der Altstadt von Dubrovnik schon mal 23 Euro für 10 Cevapi zahlen. Das muss jeder selbst wissen, mein Mitleid hält sich aber in Grenzen, wenn man sich sehenden Auges abzocken lässt.

Natürlich werden manche Preise in der Hochsaison anders sein, als im Januar. Aber wie überall gilt: Geh zwei Straßen vom Touristen-Hotspot weg. Das hat zwei Vorteile: Man bekommt eher authentisches Essen und zahlt keine Touristenpreise.

Kroatien ist preislich (Lebensmittel, Restaurantbesuche) auf einem ähnlichen Level wie Deutschland, Slowenien sowieso. Bosnien-Herzegowina und Mazedonien sind wohl die Länder, in denen man am Meisten für sein Geld bekommt. Montenegro und Serbien sind etwas teurer, aber genauso wie Albanien immer noch günstig. Kosovo ist in meinen Augen preislich nochmal eine Stufe unter allen anderen Ländern. Hier kann man wirklich für kleines Geld einkaufen und essen gehen.

Was kostet so ein Roadtrip?

Die komplette Tour hat mich inklusive Unterkünfte (meist Ferienwohnungen/Pensionen), Sprit, Maut, Verpflegung etc. für 12 Tage etwa 1200 Euro gekostet. Also durchschnittlich grob 100 Euro pro Tag. Man kriegt das sicher noch günstiger, wenn man bspw. nur Hostels nutzt. Und es geht natürlich auch wesentlich teurer.

Muss ich ständig Geld wechseln?

Nein. Erstens kann man sehr oft mit Kreditkarte bezahlen und zweitens haben inzwischen die meisten der Länder den Euro. Montenegro und Kosovo sogar, obwohl sie gar nicht in der EU sind. Bargeld haben wir nur in Albanien und in Serbien gewechselt, es wäre aber auch ohne gegangen. Ich hatte noch ein paar bosnische Mark übrig, die aber auch nicht nötig gewesen wären.

Wie kommt man sprachlich zurecht?

Englisch geht fast überall. Allerdings wird an vielen Orten auch sehr gut Deutsch, oft sogar besser als Englisch, verstanden. In Istrien und Albanien auch Italienisch. Ansonsten muss man eben auch mal Hände und Füße verwenden. Wie in jedem Land ist es sinnvoll, sich ein paar Brocken anzugewöhnen, sodass man sich zumindest im Restaurant etwas bestellen oder beim Einkauf bedanken kann.

Ich kann ja nicht mal die Schrift lesen, das funktioniert nie!

Doch, tut es. Erstens wird bspw. in Montenegro generell immer mehr in lateinischen Buchstaben geschrieben. Und zweitens sind in allen Ländern oder Landesteilen, die das kyrillische Alphabet verwenden, viele, wenn nicht die meisten, Schilder auch im lateinischen Alphabet beschriftet. Trotzdem kann es nicht schaden, sich ein paar Buchstaben einzuprägen, weil man sich viel zusammenreimen kann.

Und wie ist’s mit Cachen?

Zum Cachen schenken sich alle Länder qualitativ wenig. Kroatien und Slowenien haben je nach Gegend eine relativ große Auswahl an Dosen, in allen anderen Ländern muss man meist nehmen, was kommt. Da lohnt sich dann oft eher der Ort, nicht aber der Cache. Sprich: Super Aussicht und manchmal versiffte Dose. Deshalb kann man gerne mal ein paar Dosen und Logbücher ins Gepäck packen.

Balkan, ist das da nicht wahnsinnig gefährlich?

Ja, natürlich. Wie in jedem Land der Erde kann man überfallen oder ausgeraubt werden. Würde ich mich deswegen daheim einschließen? Natürlich nicht. Ich habe mich nirgendwo auch nur ansatzweise unsicher gefühlt. Natürlich gilt überall: Nach Möglichkeit ohne Politik und „Don’t mention the war!“, denn beides kann eigentlich nur nach hinten losgehen.

Aber auf dem Balkan ist doch…!

Nein. Natürlich gibt es immer Ausnahmen, aber das Meiste sind Vorurteile. Man hat irgendwas gehört oder gelesen. Von Grenzbeamten, die einen nur durchlassen, wenn ein paar Scheinchen im Pass liegen. Den einzigen Schein, den sie von uns sehen wollten, war der Fahrzeugschein. Und die grüne Versicherungskarte.

Von gestohlenen Autos und an der Ampel abgeschraubten Reifen. Vor allem in Albanien ist doch generell jedes Auto geklaut oder illegal beschafft, wenn es nach den Vorurteilen geht. Dabei gibt es in Tirana so viele (alte und neue) Mercedes, so viele werden woanders gar nicht vermisst^^

Dazu ist „der Balkan“ angeblich relativ eben und es ist immer heiß. Weil ein Bekannter mal im Sommer in Istrien war und das so erzählt hat. Noch falscher kann ein Vorurteil kaum sein. Montenegro hat das „Monte“ jedenfalls nicht wegen der Vorliebe der Einwohner für einen Schokopudding im Namen. Auch im Kosovo waren wir teilweise auf 1500 Metern Höhe. Im Schnee. Und in Belgrad hatte es Minusgrade.

Ein paar Klischees dagegen kann ich durchaus bestätigen: Rakija hilft immer. Gegen alles. Ohne Fleisch (und Brot) geht es selten. Die Cevapi sind überall besser als in Deutschland. Und fast nirgendwo besser als in Bosnien 🙂 Autofahren vor allem in Albanien ist, ähm, leicht chaotisch.

Mehr über Vorurteile, Klischees und über was man sonst balkantechnisch noch reden kann, gibts im Podcast Ballaballa-Balkan. Und interessante Geschichten bei Balkanstories.

Ich hoffe, dir hat mein Reisebericht gefallen. Falls du Fragen hast, ab damit in die Kommentare!

Auf den Spuren von Einheit und Brüderlichkeit – Geocaching auf dem Balkan – Teil 3


Tag 9: Belgrad

Heute ist es schweinekalt in Belgrad. Ja, natürlich ist es immer noch Anfang Januar, aber vor wenigen Tagen stand ich noch im T-Shirt oberhalb von Kotor. Die Minusgrade halten uns allerdings nicht davon ab, heute wie geplant vorzugehen. Das bedeutet „erst“ um 8 zu starten. Wir drehen eine Runde in der Innenstadt, wo sich neben einigen Caches auch ein Frühstück findet.

Nach etwa 2:30 holen wir das Auto, denn wenn ich mal keine Dosen suche, besuche ich ganz gerne ein Museum. Da ich sowieso geschichtlich sehr interessiert bin, komme ich am Haus der Blumen und dem Museum Jugoslawiens nicht vorbei. Während ich das sogenannte „Alte Museum“ wirklich gelungen finde, ist das „Museum des 25. Mai“ heute voll mit Kindern und generell nicht so meins.

So konzentriere ich mich auf die teilweise sehr interessanten Ausstellungsstücke im „Alten Museum“, den Park drumherum und vor allem auf das Mausoleum von Josip Broz Tito. Neben den Gräbern von ihm und seiner Frau ist das kleine Gebäude voller Objekte, die mit dem ehemaligen Präsidenten der SFR Jugoslawien zu tun haben. Und natürlich Blumen.

Alles in allem hat sich der Besuch für mich gelohnt. Anton wartet noch auf dem Parkplatz und wir fahren gemeinsam zum Dom des Heiligen Sava. Ursprünglich „nur“ zum Cachen, aber für den Earthcache muss man sich auch innerhalb der Kirche umschauen. Schon sehr beeindruckend, was hier mitten in der Stadt gebaut wurde.

Den Rest des immer noch sehr kalten Tages spielt sich überwiegend am Wasser ab. Nach ein paar Caches im Kalemegdan-Park und in der Bibliothek geht es an der Save entlang. Trotz der Temperaturen ist der Weg meist eis- und schneefrei und kann gut bis zur Mündung der Save in die Donau gelaufen werden. Dort bietet sich ein Cafe zum Aufwärmen an, bevor es vorbei an einem Weihnachtsmarkt zurück in die Unterkunft geht. Wie schon erwähnt, werden orthodoxe Weihnachten hier etwas später als bei uns gefeiert. Und somit finden auch die Weihnachtsmärkte später statt. Nach einigem Überlegen entschließen wir uns für das Restaurant an der nächsten Ecke und lassen den Abend bei Soljanka und Kiewer Kotelett ausklingen.

Impressionen Tag 9

Tag 10: Belgrad – Brčko – Slavonski Brod

Wir beginnen den Tag wieder früh. Zwar haben wir eigentlich heute nur etwa 200 Kilometer vor uns, aber Cacher fahren ja irgendwie nie direkt von A nach B. Erst einmal suchen wir noch einige Caches in der Hauptstadt, in der Nähe des berühmten Hotel Jugoslavija, in Novi Beograd und am Gardoš-Turm in Zemun. Danach kaufen wir in einem großen Supermarkt für den Tag und daheim ein.

Gegen 10 Uhr kommen wir in Belgrad los und fahren auf die Autobahn. Einen kleinen Schlenker zum Cachen machen wir noch, dann nähern wir uns zügig der Grenze zu Kroatien. Allerdings verlassen wir die Autobahn etwa 20 Kilometer vorher und fahren nach Süden, auf die Grenze eines anderen Landes zu.

Wenn wir schon in der Gegend sind und Bosnien und Herzegowina quasi auf dem Weg liegt, dann müssen wir das Land natürlich auch besuchen. Immerhin machen wir so Ex-Jugoslawien komplett. Der eigentliche Grund ist aber, dass ich manchmal ein kleiner Statistiker bin. Und weil BiH aus drei Verwaltungseinheiten – der Föderation Bosnien und Herzegowina, der Republika Srpska und dem Brčko-Distrikt – besteht, ich aber bisher nur in zweien war… Ihr wisst, was die logische Konsequenz sein muss!

Vorher müssen wir aber noch von Serbien nach BiH einreisen. Das klappt problemlos. Witzig dabei ist nur die Unterhaltung davor, bei der Anton mich nach dem Namen der Stadt fragt, in die wir (wegen des einzigen Caches weit und breit) fahren. Ich antworte so etwas wie „Bijeljina, aber das interessiert die an der Grenze eh nicht.“ Ich glaube, wir müssen uns beide ein Grinsen verkneifen, als der Beamte neben den üblichen Fragen auch die nach dem Ziel stellt…

Den Mystery in Bijeljina finden wir leichter als einen Parkplatz und die Dose ist erfreulich groß, sauber und trocken. Kurze Zeit später geht es weiter in Richtung Brčko. Der Distrikt ist relativ überschaubar. Oder wie Galileo das sagen würde: „Mit knapp 500 km² ist der Brčko-Distrikt nur etwa so groß wie ein Fünftel des Saarlands oder 70000 Fußballfelder“. Dementsprechend wenige Caches (nämlich drei) gibt es hier. Zwei davon haben wir auf dem Plan.

Der erste führt uns zur Ruine eines Hauses. Dieses wurde laut Listing „left in war“, sieht aber eher so aus, als ob man hier einfach nicht über den Rohbau hinausgekommen wäre. Vielleicht brach der Krieg während des Baus aus und es wurde nie fertiggestellt. Wer weiß das schon? Andererseits wurde die Gegend heftig vom Krieg heimgesucht, wie man in diesem Video aus derselben Ortschaft sieht.

Der Small jedenfalls ist relativ einfach versteckt. Aber einfach wäre zu einfach, also arbeite ich mich erstmal über die schneebedeckte und ziemlich vereiste ehemalige Treppe in den ersten Stock vor. Außer Schnee ist da oben aber nichts und ich hätte mir den nicht ganz ungefährlichen Ausflug schenken können. Denn der Cache liegt problemlos erreichbar im Trockenen. Egal. Bosnien und Herzegowina ist damit, was die drei Regionen angeht, statistisch eingefärbt.

Nachdem wir auch einen zweiten Cache an einem kroatischen Friedhof gefunden haben (die Gegend ist überwiegend von Kroaten bewohnt), fahren wir in die nächstgrößere Stadt Orasje. Dort werde ich meine letzten Mark im Supermarkt los, bevor wir ein paar Caches suchen und dann weiter westlich zum Grenzübergang fahren.

Gleich sind wir wieder in der EU und im Schengenraum. Aus 200 Kilometer von Belgrad nach Slavonski Brod werden über 300 und aus 2 Stunden etwa 8. Aber wir sind ja im Urlaub und haben es heute nicht eilig. Wir checken kurz ein und fahren dann zum Essen. Kroatien hat hier etwas gutzumachen: Sollte es wirklich so sein, dass Mazedonien auf meiner persönlichen Cevapi-Topliste nach Bosnien auf dem zweiten Platz bleibt? Als ob das der Koch im Restauran Oroz geahnt hat, die Fleischröllchen sind einen Ticken besser als in Tetovo und die Rangliste aus kroatischer Sicht wieder in Ordnung.

Impressionen Tag 10

Tag 11: Slavonski Brod – Vukovar – Ljubljana

Geplant war heute eigentlich, dass wir gemütlich nach Ljubljana fahren und auf dem Weg noch ein paar Stunden in der Innenstadt von Zagreb cachen. Ich war da ja schon ausgiebig, aber Anton fehlt die Stadt noch. Allerdings zeichnet sich schon in Belgrad ab, dass das Wetter zum Ende der Reise dem am Anfang ähneln würde. Sprich: Regen.

Die erste Überlegung ist, das Hotel in Ljubljana zu stornieren und von Slavonski Brod nach Deutschland durchzufahren. Allerdings ist es dafür zu spät. Zum Glück.

Anton kommt dann mit einer der für Cacher typischen Schwachsinnsideen an, die einem aber immer wieder Ecken in Ländern zeigen, die man sonst niemals besucht hätte: Wieso nicht einen schönen Statistik-Tag einlegen und Landkreise bzw. Gespanschaften einfärben? Mit fehlen noch ganze drei, die allerdings alle im Norden oder Nordosten des Landes liegen. Für mich ist das bisher eher so ein „Steht auf der Liste, wird irgendwann mal erledigt, oder auch nicht“-Ding. Also gut, die Planung ist schnell fertig und die einzige Bedingung meinerseits ist, dann auch am Ende des Tages (im wahrsten Sinne) die Challenge am Rande von Zagreb zu loggen.

Getreu dem Motto „Zwei Schritte vorwärts, einen zurück“ fahren wir also erstmal wieder ostwärts. Nach einem kurzen Abstecher nach Ðakovo geht es in die Stadt, die durch eine der ersten größeren Schlachten im Kroatienkrieg traurige Berühmtheit erlangte: Vukovar. Der Grund ist allerdings primär statistischer Natur, denn am Mahnmal des Krieges, dem Wasserturm, ist tatsächlich seit Ende Dezember ein FTF offen.

Nachdem dieser eingesackt ist und wir uns in einer lokalen Bäckerei mit dem üblichen Burek eingedeckt haben, geht das Geeier los. Immer Richtung Westen, mal etwas weiter nach Norden und parallel zur nur wenige Kilometer entfernten ungarischen Grenze.

Der Tag ist eigentlich schnell erzählt. Gute Straßen, schlechte Straßen, Regen, Schnee, Kälte und zwischendrin ein paar mal mehr, mal weniger interessante Caches. Wobei wir trotzdem viel sehen und einiges über bisher unbekannte Details der kroatischen Geschichte lernen. So hat beispielsweise der Multi BARUTANA seinen Bildungsauftrag erfüllt und uns eine weitere – uns bisher vollkommen unbekannte – Begebenheit des Krieges gezeigt.

Gegen 18 Uhr befahren wir die wahrscheinlich schlechteste Straße der Tour, um unter der Domovinski Most, der Heimatbrücke, in Zagreb zu parken und die hier passenderweise versteckte Challenge zu loggen. Wieder schließt sich für mich ein Kapitel Landkreise oder Bundesländer.

Wir fahren weiter nach Ljubljana, merken unterwegs, dass alle Restaurants in der Nähe unseres Hotels relativ früh schließen und landen bei Lars & Sven, einem Burgerladen neben einem großen Einkaufszentrum. Kurze Zeit später erreichen wir das Hotel Nox, das einen schönen Abschluss dieser Reise bildet. Ich bin so begeistert von meinem Zimmer, dass ich das Hotel für eine bereits geplante Reise im März direkt erneut buche.

Impressionen Tag 11

Tag 12: Ljubljana – Stuttgart

Ein typischer Heimfahrtag erwartet uns heute. Wir haben noch einige wenige Caches auf dem Plan, aber primär werden heute Kilometer gemacht. Nachdem wir mein Auto aus einer Kugel von Eis, Schnee und vereistem Schnee geschält haben, gebe ich Gas und so endet die Tour von Brüderlichkeit und Einheit am späten Nachmittag nach über 4500 Kilometern auch für mich.

Ich hoffe, dir hat mein Reisebericht gefallen. Falls du Fragen hast, ab damit in die Kommentare!