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Mega-Besuch mit Umwegen – Geocaching-Erlebnisse auf dem westlichen Balkan – Teil 3

Aufgrund der Menge an Eindrücken habe ich mich dazu entschlossen, diesen Bericht auf mehrere Beiträge aufzuteilen. Hier gehts zurück zu Teil zwei.

Tag 7: Sarajevo (BiH) – Sremska Mitrovica (RS)

Heute verabschiede ich mich von Sarajevo, bin mir aber sehr sicher, dass mich die Stadt nicht das letzte Mal gesehen hat. Es gibt einfach so viel, das ich mir noch anschauen will.

Ich verlasse auch Bosnien und Herzegowina, ein Land, das für mich gleichermaßen geschichtlich als auch kulinarisch interessant war. Ich bin froh, dass ich nicht nur kurz durch Sarajevo gefahren bin, sondern die letzten Tage dort verbringen konnte und auch etwas vom Land sehen konnte.

Meine Fahrt geht weiter nach Serbien. Es ist das letzte Land, das ich im ehemaligen Jugoslawien noch nicht besucht habe. Bei der Planung habe ich natürlich auf die Geocaching-Karte geschaut und sofort gemerkt, dass es außerhalb von Belgrad nicht ganz einfach ist, Caches zu finden.

Zu meiner nächsten Station in Sremska Mitrovica sind es etwa 4 Stunden Fahrtzeit bei 220 Kilometern. Ursprünglich war meine Überlegung, nach Srebrenica zu fahren, von dort weiter zur Grenze und in Serbien quasi „mittendurch“. Das hätte ein paar wenige Dosen auf dem Weg gebracht, die Fahrt aber auf grob 6 Stunden (plus die Zeit, die ich in Srebrenica gebraucht hätte) verlängert. Im Endeffekt habe ich mich dann für die schnellere, aber cachelose, Fahrt entschieden.

Zuerst habe ich aber ein ganz anderes Problem: Mein linker Vorderreifen braucht dringend etwas mehr Luft. Da es auf der Strecke genügend Tankstellen gibt, fahre ich nicht nach Westen zu einer der großen Tanken in Sarajevo, sondern wie geplant nach Osten.

Da ich nicht weiß, was „Luft“ in der lokalen Sprache heißt und nicht jeder Tankwart Englisch oder Deutsch versteht, frage ich nach „Pffft Auto“. Das versteht jeder und auch die Antwort verstehe ich sofort: „Nema“, was wahlweise „haben wir nicht“ oder „ist kaputt“ bedeutet. Nachdem ich das Spiel innerhalb einer Stunde mehrmals gespielt habe, entschließe ich mich, in Sokolac erstmal einen Frühstücksburek zu kaufen.

Die Verkäuferin spricht super Englisch und verweist mich auf einen „Vulkanizer“. Logisch, ein Reifenhändler. Schräg gegenüber steht ein Schuppen, an dem ein Schlauch hängt, mit dem sich die halbe Stadt die Reifen aufpumpt. So bin ich auch nicht der erste in der Reihe, vor mir sind zwei Herren dran, deren Autos jedem TÜV-Prüfer die Tränen in die Augen treiben würden. Wer braucht schon vier Reifen in derselben Größe oder Türgriffe? Nachdem wir unser Golf-Treffen, mein 7er und die beiden 2er, von deren CL (Comfort Line) nicht mehr viel übrig ist, beendet haben, haben meine Reifen wieder genug Luft und ich fahre weiter.

Durch Dörfer, vorbei an Kühen, Schafen und über mal mehr, mal weniger gute Straßen komme ich näher an die Drina, den Grenzfluss zu Serbien. Gegen 11:30 Uhr nähere ich mich der Brücke, die in Zvornik ins Nachbarland bringen soll. Wie an jeder Grenze kalkuliere ich grob, wie lange ich wohl brauchen werde und hoffe optimistisch auf 12 Uhr, da ein wenig Stau ist und die Grenzer ja immer irgendetwas finden, um das Ganze in die Länge zu ziehen.

Der Stau bezieht sich aber glücklicherweise nur auf die LKW-Abfertigung. Ich reiche dem Beamten meinen Pass, er blättert darin, stempelt, grinst mich an und gibt mir das Dokument mit den Worten „Welcome to Serbia“ zurück. Das hat keine zwei Minuten gedauert. Aber gut, mir ist es natürlich recht, denn ich habe noch ein paar Stunden vor mir.

Ich fahre weiter nach Norden und entschließe mich, kurz bevor ich in Sremska Mitrovica angekommen bin, doch erst den Länderpunkt klarzumachen. Eigentlich wollte ich nicht bis Belgrad fahren, die wenigen Caches lassen mich aber bis auf etwa 30 Kilometer an die serbische Hauptstadt heranfahren.

Die Qualität der Caches ist wie erwartet nicht sonderlich hoch, trotzdem findet sich fast überall zumindest eine Tictac-Box und ein Zettel. Am Ende der kleinen Cacherrundreise geht es noch zu einem Earthcache an einem Baggersee weiter nördlich, dann fahre ich zurück in die Stadt.

Flagge Serbien

Sremska Mitrovica (serbisch-kyrillisch Сремска Митровица) ist eine serbische Stadt in der Vojvodina am nördlichen Ufer des Flusses Save, die auf dem Siedlungsgebiet der antiken byzantinischen Stadt Sirmium liegt. Heute hat Sremska Mitrovica etwa 39.000 Einwohner und hat durch seine Papierfabrik, seinen Hafen mit Schiffswerft, sowie eines der größten Gefängnisse Serbiens regionale Bedeutung.

Zum Abschluss des Tages gehe ich noch meiner Vorräte in einem typisch serbischen Supermarkt auffüllen und verbringe den Rest des Abends in der Ferienwohnung. Auf ein Restaurant verzichte ich, weil ich auf der einen Seite ziemlich platt bin und auf der anderen auch kein Geld tauschen will.

Impressionen Tag 7


Tag 8: Sremska Mitrovica (RS) – Vukovar (HR) – Zagreb (HR)

Nachdem ich das Auto vollgetankt habe, entschließe ich mich, keinen Bäcker zu suchen, bei dem ich mit Karte bezahlen kann, sondern mir mein Frühstück im Supermarkt zu holen. Natürlich gibt es auch in Serbien neben diversen anderen Leckereien Frühstücksbureks, sodass mein Überleben auch weiterhin gesichert ist.

Da ich bereits um kurz vor 8 auf dem Parkplatz des Supermarktes ankomme, werde ich Zeuge eines Schauspiels, das sich auch in Deutschland hätte zutragen können: Eine Batterie Rentner wartet mit scharrenden Hufen darauf, dass der Markt um 8 öffnet und sie endlich einkaufen zu können 🙂

Bei mir geht das schnell und 10 Minuten später sitze ich im Auto Richtung Kroatien. Da die Strecke zu meiner nächsten Unterkunft in Zagreb in nur etwa 3:30 über die Autobahn zu fahren ist, habe ich meine Planung etwas modifiziert. Statt direkt die serbische Autobahn nach Westen zu nehmen, biege ich nach Šid ab und steuere Vukovar als mein erstes Ziel an.

Bereits etwa 3 oder 4 Kilometer vor der Grenze beginnt ein LKW-Stau auf der Spur in Richtung Kroatien. Während ich noch überlege, fahren die ersten Fahrzeuge auf die Gegenfahrbahn und am Stau vorbei. Ich folge mit genügend Abstand. Das klappt problemlos, bis irgendwann die Polizei im Weg steht. Wie ich schnell merke, dient das nur dazu, dafür zu sorgen, dass die LKW auf der rechten (also der eigentlichen) Spur immer mal Platz lassen. Falls doch Gegenverkehr kommen sollte.

Alles in allem klappt das wunderbar und nach wenigen Minuten stehe ich an der Grenze. Aus Serbien raus geht es erwartungsgemäß schnell und reibungslos. Nach Kroatien – und damit in die EU – geht auch schnell. Allerdings habe ich nicht bedacht, dass nach den Grenzern auch noch der Zoll kommt. Die nette Dame hat mich mehrfach gefragt, ob ich Lebensmittel wie Honig, Fleisch oder Milchprodukte dabei habe, was ich natürlich verneint habe. Auch meine Antwort auf ihre mehrfache Nachfrage, was denn in meiner Kühlbox auf dem Rücksitz sei, war wohl nicht zufriedenstellend. Also rechts ran, Kofferraum auf, Enttäuschung. Dann die Kühlbox, alkoholfreie Getränke, Enttäuschung.

Ob die Zöllnerin das nächste Fahrzeug auseinandernehmen lassen hat, ist nicht überliefert, aber ich bin wieder in der EU und auf dem Weg nach Vukovar. In dieser Ecke Kroatiens sieht man auch nach 30 Jahren immer wieder Einschusslöcher oder Zerstörungen aus der Schlacht, die hier mehrere Monate tobte. Ich suche ein paar Caches, schaue mir den bekannten Wasserturm an und fahre weiter in Richtung Slavonski Brod.

Flagge Kroatien

Vukovar ist eine Stadt im Osten Kroatiens. Sie ist die Hauptstadt der Gespanschaft Vukovar-Syrmien und hatte 2011 bei der Volkszählung 27.683 Einwohner. Die Region um Vukovar an der Grenze zu Serbien war während des Kroatienkriegs 1991–1995 das am stärksten umkämpfte Gebiet. Bei der serbischen Belagerung und der Schlacht um Vukovar wurde die Stadt weitgehend zerstört.

Wenig später fahre ich erneut von der Autobahn ab, weil mir der Umweg erstens ein paar Caches inklusive einer Large-Letterbox bringt und zweitens eine weitere kroatische Gespanschaft einfärbt. Ich habe zwar nicht vor, alle Landkreise Kroatiens irgendwann becacht zu haben, aber schaden kann’s ja nicht. Zeitlich liege ich voll im Rahmen und ein interessantes Denkmal liegt auch auf dem Rückweg zur Autobahn.

Nur einen kurzen Halt, dann fahre ich durch bis Zagreb. Gegen 17 Uhr komme ich in meinem sehr schönen und gut gelegenen Apartment in der Innenstadt an. Ich suche noch ein paar Caches auf dem Weg zum Abendessen. Aus Gewohnheit entschließe ich mich, Cevapi zu holen und den Abend in der Unterkunft zu verbringen.

Impressionen Tag 8

Tag 9: Zagreb (HR)

Ich habe nicht ohne Grund mehrere Tage in der kroatischen Hauptstadt eingeplant. Da ich ja im Urlaub bin, starte ich erst gegen 9 Uhr und habe keinerlei Hektik. So kann ich mir heute die Altstadt anschauen und ausgiebig auf Dosensuche gehen. Dadurch, dass meine Ferienwohnung schon an deren Rand liegt, bin ich weder auf Auto, noch auf ÖPNV angewiesen und kann direkt loslaufen.

Flagge Kroatien

Zagreb (deutsch veraltet Agram) ist die Hauptstadt und die größte Stadt Kroatiens. Die Stadt Zagreb selbst hat auch die Funktionen einer Gespanschaft. In Zagreb residieren ein katholischer Erzbischof (Erzbistum Zagreb), die Kroatische Akademie der Wissenschaften und Künste sowie wichtige Verwaltungs- und Militärbehörden. Als Handels- und Finanzzentrum hat die Stadt nationale und regionale Bedeutung.

Über den Zrinjevac-Park laufe ich nach Norden durch Donji grad, die Unterstadt. Diese ist schön flach und es gibt haufenweise Gelegenheit, unserem Lieblingshobby nachzugehen. Wie üblich habe ich mir vorab über GCTour eine Route zusammen gestellt und gehe nun von Cache zu Cache. Hier sind meiner Meinung nach die Virtuals Zagreb, volim te ❤ Zagreb, I love you und PLUTO – Zagreb’s most loyal dog interessante Anlaufpunkte.

Irgendwann hört die Stadt auf, flach zu sein und es geht bergauf. Ich könnte die Standseilbahn nehmen, aber da ich vom zentralen Ban-Jelačić-Platz komme, entschließe ich mich, zu laufen. Über viele Treppenstufen gelange ich nach Gornji Grad, die Oberstadt. Dass ich hier hoch laufe, hat nicht nur den Grund, dass ich etwas von der Stadt sehen will. Hier, am Markusplatz, wo sich neben der Markuskirche auch das kroatische Parlament befindet, hole ich mir die Belohnung für einige Tage Rätselei ab: An diesem historischen Platz kann ich endlich den Virtual The Hunt – Revenge loggen, der gleichzeitig meinen 24000. Fund markiert.

Um den Kreis zu schließen, laufe ich zur Kathedrale von Zagreb, an der es einen Tradi, einen Earthcache und einen Virtual zu finden gibt. Ich setze meinen Weg nach Südosten fort, finde noch ein paar Caches, dann gehe ich zurück in mein Apartment. Gegen Mittag habe ich über 7 Kilometer, viele Impressionen und einige Funde gesammelt.

Zagreb gefällt mir gut, zumindest die Altstadt. Sobald es außerhalb und dann auf eine der vielspurigen Straßen geht, ist mir hier zu viel Stau und vor allem zu viel Hektik. Diese Hektik hatte ich eigentlich eher in Sarajevo erwartet. Und Stau haben wir in Stuttgart mehr als genug 🙂

Trotzdem entschließe ich mich, noch einige Caches per Auto einzusammeln. Sehr gut gefallen haben mir dabei die Letterbox Love is in the air und der Chicken cache. Für eine Challenge fahre ich noch etwas außerhalb, dann heißt es entspannen, untypisch für mich bei einer Pizza. An Abend laufe ich noch in einen der Parks in der Nähe, da eine polnische Cacherin einen Event veranstaltet. So lerne ich noch einen Teil der Zagreber Cacher kennen.

Impressionen Tag 9

Tag 10: Zagreb (HR) – Balaton (HU) – Ljubljana (SI)

Nach Sarajevo ist Zagreb die zweite Hauptstadt auf dieser Reise, heute mache ich mich auf den Weg in die dritte, Ljubljana. Und weil ich Geocacher bin und die Strecke von Zagreb nach Ljubljana mit dem Auto in nicht einmal zwei Stunden zu schaffen ist, habe ich eine meiner grandiosen Schnapsideen eingebaut. Warum sollte der Weg von der kroatischen in die slowenische Hauptstadt nicht über den Plattensee, den Balaton, in Ungarn gehen?

Gesagt, getan und schon fahre ich auf der Autobahn nach Norden. Nach ein paar Tradis muss ich erst einmal darauf achten, dass ich nicht aus Versehen auf die ungarische Autobahn fahre. Wegen ein paar Stunden für eine Woche Maut zu bezahlen, will ich natürlich vermeiden. Das klappt glücklicherweise gut und ich kann bei allen angefahrenen Caches gut in der Nähe parken.

Mein erstes richtiges Ziel ist der 20 Jahre alte Virtual East 17, der nichts mit der Boygroup, sondern (natürlich) mit dem Längengrad zu tun hat, der hier passenderweise durch einen Kreisverkehr in Nagykanizsa geht. Der Rest des Ungarn-Abstechers ist schnell erzählt: Hitze, Virtuals, Stau, viel zu viele Touristen. Trotzdem ist die Gegend um den Balaton wie erwartet immer noch schön, wenn auch scheinbar nicht mehr ganz so günstig wie bei meinem letzten Besuch vor 20 Jahren.

Irgendwann merke ich, dass ich viel zu weit nach Norden gefahren bin und es noch fast 2 Stunden bis zur slowenischen Grenze sind. Ab da beschränke ich die Dosensuche auf ein Minimum und fahre fast ohne Pause durch. Allerdings kann ich in Slowenien nicht direkt auf die Autobahn und nach Ljubljana fahren, denn ich habe noch etwas eingeplant, das ich immer wieder gerne besuche: Ein Dreiländereck, hier das zwischen Slowenien, Österreich und Ungarn, an dem natürlich auch ein Virtual liegt.

Der Ausflug nach Ungarn hat sich am Ende doch so sehr gezogen, dass mir irgendwann die Zeit davon rennt. Natürlich ist meine Planung viel zu optimistisch und ich entschließe mich, Maribor links liegenzulassen. Immerhin will ich nicht allzu spät zum Startevent des Megas, der bereits um 17 Uhr beginnt. Das gelingt mir nicht ganz, aber eine Stunde nach dem Start treffe ich ein. Vor Ort sind schon einige bekannte Gesichter und so verlebe ich einen netten Abend, inklusive gemeinsamer Bergung von ein paar Angelcaches.

Da ich die Tür mittels Code jederzeit öffnen kann und keinen Checkin machen muss, fahre ich erst nach dem Event in die Stadt und beziehe mein Apartment. Wie gut das liegt, werde ich in den nächsten Tagen noch merken.

Flagge Slowenien

Ljubljana (deutsch Laibach), ist die Hauptstadt Sloweniens und mit 294.113 Einwohnern zugleich dessen größte Stadt.

Die Stadt ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Sloweniens. Ljubljana ist Sitz des gleichnamigen römisch-katholischen Erzbistums und seit 1919 Universitätsstadt.

Impressionen Tag 10

Aufgrund der Menge an Eindrücken habe ich mich dazu entschlossen, diesen Bericht auf mehrere Beiträge aufzuteilen. Weiter gehts mit Teil drei.

Ich hoffe, dir hat mein Reisebericht gefallen. Falls du Fragen hast, ab damit in die Kommentare!

Mega-Besuch mit Umwegen – Geocaching-Erlebnisse auf dem westlichen Balkan – Teil 2

Aufgrund der Menge an Eindrücken habe ich mich dazu entschlossen, diesen Bericht auf mehrere Beiträge aufzuteilen. Hier gehts zurück zu Teil eins.

Tag 4: Sarajevo (BiH)

Heute Morgen habe ich es nicht eilig. Mein Plan ist es, mit der Seilbahn auf den Trebević zu fahren und dort die Bobbahn anzuschauen. Von dort könnte ich zurück zur Seilbahn laufen und wieder in die Stadt fahren. Da ich von Natur aus faul bin, und es sich bergab wesentlich besser läuft als bergauf, will ich bis in die Innenstadt zurücklaufen. Da die Seilbahn erst ab 9 Uhr fährt, kann ich mir in aller Ruhe noch warten, bis die frisch gebackenen Frühstücksbureks aus dem Ofen kommen.

Die Seilbahn ist auf den Berg Trebević gibt es schon über 60 Jahre. Die ursprüngliche Ausführung wurde zu den Olympischen Spielen 1984 erneuert und im Krieg fast vollständig zerstört. Seit 2018 gibt es die aktuelle moderne Bahn, die einen in unter 10 Minuten auf über 1100 Meter Höhe bringt. 15 Mark (ca. 7,50 Euro) kostet die einfache Fahrt und die Aussicht auf die Innenstadt ist garantiert.

Oben angekommen laufe ich bergauf in Richtung des ersten Tradis hier oben. In der Nähe bietet ein Rastplatz mit Bank und Tisch die Möglichkeit an, direkt mal die Bureks zu verputzen. Ich hatte wahrlich schon schlechtere Umgebungen beim Frühstück!

Vorbei an den Resten von Fort Draguljac, an denen man den strategischen Wert eines Berges mal wieder gut sehen kann, gehts zum ersten Cache. Der Tradi verdient seinen Namen – Sarajevo – The best view – dann ja schon irgendwie, auch wenn man von hier oben natürlich fast überall eine tolle Aussicht hat.

Wenig später stehe ich am Start der „Olympia Bob- und Rodelbahn Trebević“, so die Übersetzung des offiziellen Namens. Die Bahn steht – wie Sarajevo an sich – seit vielen Jahren auf meiner Bucket List. Damals gab es noch einen inzwischen archivierten Tradi. Ich erinnere mich zwar nicht mehr im Detail an die Spiele, wohl aber an Vučko, das Maskottchen, und sein gesungenes Sarajaevoooooooo zu Beginn jeder Olympia-Berichterstattung. Danach haben mich Olympische Spiele irgendwie gar nicht mehr interessiert.

Wie auch immer, der „Einstieg“ auf die Bahn ist kein Problem, an einigen Stellen gibt es Betonblöcke oder Treppen. Ich gehe die Bobbahn entlang. Diese ist gut begehbar, nur ab und an ragen Äste hinein oder es liegen Blätter auf dem Boden. Auf dem Weg gibt es viele, viele Graffiti zu entdecken, von einfachen Kritzeleien bis zu wirklich gelungener Kunst. Nach etwa 350 Metern wechsle ich die Bahn und nehme ich einen Abzweig Richtung Süden. Hier suche ich viel zu lange nach dem Tradi [Lost place] Olympic bobsleigh track Sarajevo, weil ich statt „Stub“ im Hint „Stump“ lese und erstmal einen Baumstumpf suche. Später kann ich noch einen kleinen Spoiler für einen Teil des Rätsels meiner Letterbox Eine Reise zu vergessenen Orten fotografieren. Sehr schön, das mal vor Ort sehen zu können!

Nach circa 2 Kilometern stehe ich etwa 130 Höhenmeter tiefer an der Brücke, die das Ziel markiert. Die Bahn an sich ist etwa 1300 Meter lang, aber ich habe durch diverse „Abstecher“ noch ein paar Meter mehr gesehen, da es noch „Nebenarme“ gibt. Diese gehören zu Trainingsbahnen, für die die eigentliche Bahn in drei Sektionen aufgeteilt werden konnte.

Die Bobbahn zu begehen hat sich definitiv gelohnt. Es ist aufgrund der Höhe und des Waldes angenehm kühl und es läuft sich ganz entspannt bis zum Parkplatz am Ziel. Von dort geht ein Feldweg zu einer Anhöhe namens Bistrik Kula, auf der neben den Ruinen eines österreich-ungarischen Forts und einer Sternwarte auch ein weiterer Cache auf mich wartet. Innen sind beide Gebäude total zerstört, ein Aufstieg oberhalb des Erdgeschosses wäre nicht ganz ungefährlich und ich breche den Versuch relativ schnell ab. Während das Fort äußerlich nur wenige Spuren der Kämpfe aufweist, ist der moderne Bau der Sternwarte von Geschossen durchsiebt.

Neben den Gebäuden befindet sich eine Bank mit einer schönen Aussicht, die zu einer Pause einlädt. Da die Sonne aber inzwischen wirklich erbarmungslos brennt, mache ich mich auf den weiteren Weg zurück in die Innenstadt. Nach kurzer Zeit entdecke ich neben dem Weg auf einer Wiese mehrere Ruinen. Ob diese Häuser einmal fertig gebaut wurden und bewohnt waren oder ob sie nur bis zum Rohbau gekommen sind, lässt sich für mich nicht mehr nachvollziehen. Wohl aber, dass sie einige Treffer im Krieg abbekommen haben!

Der Schotterweg bietet leider keinerlei Schatten. Er unterquert nach ein paar Hundert Metern die Seilbahn und mündet in eine asphaltierte Straße, auf der zumindest ab und zu Häuser oder Bäume die Sonne etwas abhalten können. So langsam macht sich der Durst bemerkbar. Zwar habe ich Getränke mitgenommen und auch morgens noch welche gekauft, aber bei über 30° sind die natürlich inzwischen getrunken. Ich schwöre mir, bei der ersten Möglichkeit etwas zu kaufen, unabhängig vom Preis. Die Straßen sind mal mehr, mal weniger steil und nach ungefähr einem weiteren Kilometer komme ich an einem der unzähligen Friedhöfe vorbei. Wenig später kann ich meine leeren Flaschen entsorgen und gegen herrlich kühle Getränke und ein leckeres Eis eintauschen.

Während die Schüler einer nahegelegenen Schule in der prallen Mittagssonne Fußball spielen, setze ich den Weg fort. Die Straße wird enger und irgendwann stehe ich vor einer Treppe. Die Stufen sind relativ schräg und zu groß, um bei jedem Schritt eine zu nehmen. Aber ich muss hier zumindest nach unten und nicht bergauf! Quasi mit jeder Stufe spüre ich jetzt schon den Muskelkater in den Oberschenkeln, den ich morgen bekommen werde.

Als ich die Magistralstraße M5, die hier Put Mladi Muslimani heißt, unterquere, habe ich es fast geschafft. Die Straße führt weiter mitten durch den Alifakovac Friedhof, einem der ältesten muslimischen Friedhöfe der Stadt, auf dem bereits im 16. Jahrhundert Menschen begraben wurden. Viele der Grabsteine neueren Datums deuten auf die Belagerung hin, sie sind aus den Jahren 1992 bis 1996.

Auf der einen Seite habe ich die Idee, komplett in die Stadt zu laufen, verflucht. Es waren alles in allem etwa 8 Kilometer, aber Hitze zusammen mit den steilen Straßen und vor allem der Treppe haben das Ganze schon anstrengend gemacht. Andererseits will ich aber auch nicht missen, was ich auf dem Weg gesehen und erlebt habe.

Bevor ich zurück in meine Unterkunft laufe, besuche ich noch das „War Museum Sarajevo 1992“. Das winzige aber sehr beeindruckende Museum besteht nur aus zwei Räumen, die vollgestopft mit Wissen und Exponaten sind. Es wird komplett aus Spenden finanziert und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Geschichte des Krieges und vor allem der Belagerung wird hier anschaulich und mit viel Liebe zum Detail wiedergegeben. So kann man selbst erfahren, wie man mithilfe von Fahrraddynamos Strom erzeugen musste, um Radio zu hören oder wie es sich anfühlt, in völliger Dunkelheit in einem Bunker zu sitzen, während drumherum geschossen wird. Ich kann den Besuch absolut empfehlen. Nicht vergessen, ein paar Mark in die Spendenbox zu werfen!

Gegen 13:40 Uhr komme ich in meiner Unterkunft an und freue mich auf eine kalte Dusche. Ich überlege die ganze Zeit schon, ob ich einfach platt bin oder ob ich wirklich die – sinnigerweise bereits gebuchte – Free Walking Tour um 15 Uhr mitlaufen soll. Klar, die Buchung ist hier nicht bindend, aber irgendwie habe ich sowieso noch Lust, etwas von der Stadt zu sehen. Ich entschließe mich also, etwa eine Stunde später schon wieder in Klamotten zu schlüpfen und in die Altstadt zu laufen. Im Gepäck habe ich einen Petling, damit ich auf dem Weg den Cache an der Lateinerbrücke in Absprache mit der Ownerin ersetzen kann.

Die kleine Gruppe von etwa 10 Personen findet sich am Treffpunkt vor der Agentur ein. Der Guide spricht super Englisch und erklärt alles sehr gut. Die kurzweilige Tour geht vor allem durch die Altstadt, wir sehen die Gazi-Husrev-Beg-Moschee, laufen durch einige Gassen der Baščaršija, machen einen Abstecher zur Nationalbibliothek, bevor es über die Lateinerbrücke zurück in die Altstadt geht. Vorbei an einer Markthalle aus osmanischer Zeit erreichen wir eine Linie namens „Sarajevo Meeting Of Cultures“. Hier ist quasi wirklich ein Scheitelpunkt der Kulturen. Während östlich davon die Altstadt osmanisch geprägt ist, sieht man westlich klar den österreichischen Einfluss. Der macht sich sofort bemerkbar, denn der nebenan stehen nicht nur Jugendstilhäuser, sondern es erhebt sich auch die Herz-Jesu-Kathedrale mit einer der Rosen von Sarajevo. Die Free Walking Tour ist eine Empfehlung wert, auch wenn man als Cacher viele der angelaufenen Punkte wahrscheinlich schon gesehen hat. Die 2 Stunden kosten, wie der Name schon sagt, nichts, sind aber ein ordentliches Trinkgeld für den Guide wert.

Zurück am Ausgangspunkt bekomme ich – mal wieder – einen Tipp für die besten Ćevapi in Sarajevo. Ich gebe nach und entschließe mich, heute mal in der Ćevabdžinica Nune zu Abend zu essen. Man merkt sofort, dass man hier etwas abseits der Altstadt ist. Fast nur Einheimische und die 10 Ćevapi mit Fladenbrot und Kajmak kosten nur 8 KM (ca. 4 Euro). Auf dem Weg zurück in meine Unterkunft fängt es an, wie aus Kübeln zu schütten. Das nutze ich, um mich noch kurz in einem Supermarkt mit frischen Getränken einzudecken.

Impressionen Tag 4

Tag 5: Sarajevo (BiH)

Für heute habe ich einen relativ ruhigen Tag geplant. Wie „relativ ruhig“ so ein Tag eben sein kann, wenn man etwas sehen will. Vor der Reise habe ich mir Gedanken gemacht und stand irgendwann vor der Wahl zwischen der Fahrt nach Srebrenica und einem Besuch eines Bunkers. Es fiel mir nicht wirklich leicht, aber letztendlich habe ich mich gegen Srebrenica entschieden. Zwar hätte mich das Ganze sehr interessiert, die lange Fahrtzeit von insgesamt etwa 5 Stunden ist mir aber dann doch zu lange und eine geführte Tour will ich nicht buchen. Vor allem will ich am liebsten beides sehen. Im Endeffekt verbleibe ich so, dass ich eben nach Sarajevo zurückkehren muss und einen Tag für Srebrenica einplanen muss.

Der Bunker steht in Konjic, nur etwa eine Stunde Fahrzeit von Sarajevo entfernt. Die Fahrt wird durch einen Teil Autobahn beschleunigt, bevor es über die Dörfer zum Ziel geht. Man muss vorab buchen und sich dann in einem Restaurant melden. Dort bezahlt man 20 Mark oder 11 Euro, trägt seinen Namen in eine Liste ein und bekommt neben der Information, wie man zum Bunker kommt, zwei Passierscheine.

Ich fahre weiter, überquere die Neretva und stehe wenig später hinter einem Bus. Und stehe. Der Busfahrer spult sämtliche bosnischen Schimpfwörter ab, die ich auch nur ansatzweise kenne und spätestens, als er sich in gutem Deutsch über den Wachhabenden aufregt, ist klar, was das Problem ist. Das Gelände gehört immer noch der Armee und der Soldat, der das Tor hätte öffnen sollen, ist nicht aufzufinden. Nach 15 Minuten kommt er, versteht das Problem nicht, es werden noch ein paar Schimpfwörter ausgetauscht, dann öffnet sich das Tor und unsere kleine Kolonne kann weiter fahren.

Wenig später stehen wir am Eingangsbauwerk des Bunkers. Genauer gesagt von ARK D-0. Noch genauer Armijska Ratna Komanda D-0, was etwa „Kriegskommando der Armee“ bedeutet. Oder wie alles, was irgendwie mit dem ehemaligen Präsidenten zu tun hat, einfach „Titos Bunker“. Ein riesiger Atomschutzbunker, der während des Kalten Krieges bei einem Angriff die Elite aus Politik und Militär Jugoslawiens, etwa 350 Personen, für 6 Monate hätte beherbergen sollen. Er wurde von 1953 bis 1979 gebaut und hat die (für damals) unglaubliche Summe von 4,6 Milliarden US-Dollar verschlungen, was heute etwa 26 Milliarden Dollar wären.

Die Führung ist interessant und das Gebäude sowieso. Der Bunker ist in einen Berg gebaut, weswegen man teilweise 200 Meter unterhalb der Oberfläche ist. Er hat die Form eines Hufeisens und ist in mehrere Blöcke aufgeteilt, die verschiedene Funktionen haben.Wir sehen die Kommunikationszentrale, die Dieselmotoren (Made in USA) zur Stromerzeugung, die Wasserversorgung und die Belüftung. Die anderen Blöcke versprühen den Charme der 70er Jahre und beherbergen Schlaf- und Aufenthaltsräume, Konferenzräume, Küchen und Badezimmer. In der Mitte des Hufeisens befindet sich mit Block 8 der Präsidentenblock. Er besteht aus fünf Räumen: Einem Sekretariat, einem Büro, Schlafzimmer, Schlafzimmer seiner Frau und einem Freizeitraum.

In den Räumen des Bunkers wird seit 2011 im Rahmen der Biennale Kunst gezeigt. Teilweise finde ich sie passend und auch interessant, sehr oft stört sie für mich aber den ursprünglichen Charakter des Bunkers und seiner Einrichtung. Um einiges an Informationen zum Bunker reicher verlasse ich etwa eineinhalb Stunden später den Untergrund und stehe in der Hitze vor dem Eingang.

Auf dem Rückweg fällt mir noch ein Petling aus dem Auto und ich fahre wieder zurück nach Sarajevo. Ich entschließe mich spontan, zwei Kuriositäten anzuschauen. Zum einen ist das das Cafe Tito, zum anderen ein Denkmal für Dosenfleisch. Klingt komisch, steht da aber wirklich.

Ich parke vor dem Nationalmuseum von Bosnien und Herzegowina und laufe durch einen kleinen Park. Umringt von einer Gruppe Touristen, steht da eine überdimensionale Konservendose, das ICAR Canned Beef Monument. Der Guide der Gruppe erklärt, was es mit dem Denkmal auf sich hat. Es zeigt den Humor der Bosnier, denn laut der Inschrift wurde es „von den dankbaren Bürgern Sarajevos“ aufgestellt.

Hintergrund ist, dass Sarajevo während der Belagerung von der internationalen Gemeinschaft mehr schlecht als recht mit Nahrungsmitteln versorgt wurde. Allerdings waren die Konserven teilweise aus dem Vietnamkrieg und seit über 20 Jahren abgelaufen oder sie enthielten Schweinefleisch, was bei der zur Hälfte muslimischen Bevölkerung der Stadt auch nicht sonderlich gut ankam. Vor allem aber müssen sie überwiegend ungenießbar gewesen sein.

Neben dem Denkmal habe ich schon beim Hinlaufen etwas Kriegsgerät gesehen. Ein kleiner Panzer, mehrere Kanonen, ein Jeep, ja, sogar ein Teil eines gepanzerten Zuges. Es mutet komisch an, gerade in dieser Stadt Kinder darauf spielen zu sehen. Das alles findet im Außenbereich des Cafe Tito statt, wo Nostalgie pur zelebriert wird. Das Cafe an sich ist nichts Besonderes, die Dekorationen sind aber einen Blick wert. Sarajevo ist laut einer Aussage des Guides der Free Walking Tour die einzige Hauptstadt, in der es noch eine nach Marschall Tito benannte Hauptstraße – die Ulica Maršala Tita – gibt. Und das waren schon einmal wesentlich mehr.

Redet man mit den Menschen hier, hat man, je nachdem, welcher „Seite“ sie angehören, schnell den Eindruck, dass es ihnen unter Josip Broz Tito gut bis besser ging. Gemeinhin wird Titos Tod als der Anfang vom Ende Jugoslawiens und damit den Anfang von Krieg, Zerstörung und Leid gesehen. Und so wundert es dann auch nicht, dass hier, mit mal mehr, mal weniger Augenzwinkern, der Vergangenheit davor gedacht wird.

Da ich heute irgendwie keine Lust auf Ćevapi habe, überlege ich mir, wo ich zu Abend essen soll. Normalerweise bin ich kein Freund von Touristenrestaurants, weil ich nicht in ein anderes Land reise, um dann Schnitzel und Pizza zu essen. Ich hatte die Geschichte von Inat Kuća vorab gelesen und wusste deshalb, dass das Haus heute ein Restaurant beherbergt.

Als das Rathaus gebaut wurde, mussten die umliegenden Häuser abgerissen werden. Ein Mann hat sich dagegen gewehrt und gab die Erlaubnis zum Abriss seines Hauses nicht. Lange Rede, kurzer Sinn: Am Ende einigte man sich darauf, dass sein Haus Stein für Stein auf der anderen Seite der Miljacka wieder aufgebaut werden musste. Das Haus ist heute als Inat Kuća oder House of Spite („Haus des Trotzes“ oder „Haus des Widerstandes“) bekannt.

Wie auch immer, das Restaurant liegt nur wenige Gehminuten von meiner Unterkunft entfernt, man kann direkt am Fluss sitzen und das Essen soll auch gut sein. Es ist zwar schon eher auf Touristen ausgelegt, aber es gibt nur lokale Speisen, auch wenn die Preise minimal höher sind.

Ich bestelle als Vorspeise eine (angeblich) kleine Portion Suho Meso (geräuchertes Rindfleisch) mit Travnički sir (Käse aus Schafsmilch) für 15 KM (etwa 7,50 Euro). Als Hauptspeise wähle ich Dolma (mit Hackfleisch und Reis gefülltes Gemüse) für denselben Preis. Wahrscheinlich hätte ich beides woanders für 25 oder gar 20 KM bekommen, aber das gute Essen und auch die Lage sind mir das wert.

Nach dem Essen entschließe ich mich, noch eine Runde in der Baščaršija zu drehen und mir einen Nachtisch aus Baklava und Salep zu gönnen.

Impressionen Tag 5

Tag 6: Sarajevo (BiH)

Da ich ja im Urlaub bin, verlasse ich die Unterkunft erst gegen 9 Uhr. Ich habe zwar etwas vor, aber eigentlich keinerlei Zeitdruck. Die weiter oben angesprochene Magistralstraße M5 spielt heute wieder eine Rolle. Ich unterlaufe sie aber nicht, sondern fahre auf ihr nach Osten.

Nach etwa 40 Kilometern wird aus einer gut ausgebauten Landstraße eine Mischung aus Feldweg und Schotterpiste. Die Bezeichnung ist aber weiterhin M5, was auch ausgeschildert ist. Ich fahre erst an der nächsten Gabelung rechts vorbei, weil ich zumindest mit einer gelegentlich befahrenen unbefestigten Straße gerechnet habe. Ich wende und nehme den anderen Weg, der schnell zu einer Mischung aus Schotter und Schlaglöchern wird. Immerhin weiß ich, was mich erwarten wird. Andere Autofahrer wissen das nicht, wie sich später noch zeigen wird.

Ich folge dem Schotterweg und durchquere nach kurzer Zeit einen Tunnel. Wie die meisten Tunnel in Bosnien und Herzegowina ist auch dieser unbeleuchtet. Was bei anderen Exemplaren durchaus problematisch sein kann – so ein richtig stockdunkles Loch durch einen Berg sieht der gemeine deutsche Autofahrer ja quasi nie – ist hier nach gefühlt 20 Metern schon wieder vorbei. Man sieht beim Reinfahren schon Licht am Ende des Tunnels. Pun intended.

Wie ich bei späterer Recherche herausfinde, befahre ich die ehemalige Trasse der Bosnischen Ostbahn, einer Schmalspurbahn, die bis in die 70er Jahre in Betrieb war. Kein Wunder, dass der Weg nicht wahnsinnig breit ist. Da ich vorbereitet bin, fahre ich nicht bis zum Ziel meines Ausflugs, sondern parke etwa 200 Meter vorher an einer Stelle, an der ich problemlos wenden kann.

Etwas später wäre das unter Umständen nicht mehr möglich. Wie es vor Ort aussieht, konnte mir im Vorfeld niemand genau sagen, also gehe ich lieber kein Risiko ein, als nachher in der bosnischen Pampa rückwärts Schlaglöcher umkurven zu müssen. Nach einem kurzen Spaziergang erreiche ich den Cache des Tages: Vor mir erstreckt sich eine Brücke über den Fluss Prača. Na ja, fast. Eigentlich eher im als über.

Und weil der Weg hierhin nicht schon abenteuerlich genug war, kann ich mir anschauen, was mit einer Brücke passiert, wenn sie marode und ein LKW zu schwer ist. In zwei Teile zerbrochen liegt sie halb im Fluss. Ich bleibe ein paar Minuten dort, schieße Fotos, genieße auch ein wenig die Ruhe und laufe dann zurück zum Auto. Urlaub bedeutet eben auch mal, 2 Stunden im Auto zu sitzen für eine Dose und dafür, neben der Fahrt übers Land, etwas zu sehen, das der normale Tourist nie gesehen hätte.

Außer, ja, außer er gehört zu den Insassen eines Autos mit Belgrader Kennzeichen, das mir auf der Rückfahrt kurz hinter dem Tunnel entgegenkommt. Ich spreche den Fahrer an, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass er sich nicht die kaputte Brücke anschauen will und auch kein Cacher ist. Sein Englisch ist in etwa so gut wie mein Serbisch, daher zeige ich ihm ein Foto. Er versteht sofort, deutet auf sein Navi, zuckt mit den Schultern, bedankt sich und wendet dann. Scheinbar hat sich der Zustand der Brücke auch 5 Jahre nach dem Unfall noch nicht überall herumgesprochen. Mit einem normalen Auto umzudrehen ist kein Problem, auch direkt an der Brücke nicht. Mit einem Wohnmobil möchte ich das aber nicht tun müssen.

Nach der Rückfahrt verbringe ich eine Weile in der Unterkunft, um auch einfach mal zu entspannen. Gegen 13:30 Uhr mache ich mich auf den Weg in die Altstadt zum Büro von Meet Bosnia. Heute gibt es keine Free Walking Tour für mich, sondern ich habe mir aus dem wirklich guten Angebot der Agentur die Fall of Yugoslavia | Sarajevo Siege Tour herausgesucht.

Wer mich kennt, weiß, dass ich immer daran interessiert bin, Geocaching-Reisen mit der Geschichte seit etwa 1900 zu verbinden. Sarajevo ist eine der Städte, die Geschichte aus gleich mehreren Epochen zu bieten hat. Neben der Zeit der Herrschaft von Österreich-Ungarn, in die bekanntermaßen das Attentat auf Thronfolger Franz Ferdinand 1914 fällt, spielte die Gegend um die Stadt auch während des Balkanfeldzugs 1941 eine Rolle. Ich habe in den letzten Tagen ja auch schon einige Überbleibsel der Österreicher gesehen, seien es Festungsbauwerke oder Häuser im westlichen Teil der Altstadt.

Bei der Tour geht es aber um die jüngere Geschichte der Stadt: Den Zusammenbruch Jugoslawiens, den Bosnienkrieg und die Belagerung von 1992 bis 1996. Ich habe mir im Vorfeld überlegt, ob ich den Inhalt der Tour nicht auch auf eigene Faust anschauen kann. Das wäre natürlich problemlos gegangen, aber ich fand das Angebot der Agentur gut, auch preislich okay und wollte mich einfach auch mal informieren lassen.

Nachdem alle Teilnehmer eingetroffen sind, besteigen wir einen Sprinter und fahren zum ersten Haltepunkt. Aufgrund von Einbahnstraßen umkurven wir zuerst die gesamte Altstadt, bevor es bergauf geht. Während der Fahrt hören wir immer wieder interessante Anekdoten. Der Guide ist derselbe, der schon vorgestern die Free Walking Tour geleitet hat. Sehr angenehme Art, gutes Englisch, nicht nur Blabla, sondern viele Informationen, teilweise aus erster Hand.

Der erste Stop heißt dann Žuta Tabija, die Gelbe Bastion, mit einem schönen Ausblick auf die Stadt. Hier wird die Lage Sarajevos in einem Tal wieder sehr deutlich. Wir bekommen eine Erklärung zur Festung und zu einigen Gebäuden unten in der Stadt.

Vorbei am Olympiastadion (Heute: Stadion Asim Ferhatović Hase) und weiteren Austragungsorten geht es in den Norden der Stadt. Wir halten in der Nähe einiger Ruinen an und steigen aus. Die vollkommen zerstörten Gebäude waren wohl einmal Teil eines Krankenhauses. Der Guide erzählt von Erlebnissen seines Vaters, er selbst ist zu jung, um vom Krieg etwas mitgekriegt zu haben.

Da wir eben am Stadion vorbeigefahren sind, wird die Frage nach den Fußballmannschaften und deren Verhältnis auch im Zusammenhang mit dem Krieg gestellt. Bei aller Rivalität ging es damals ums Überleben. Heute ist diese allerdings wieder da. Das Derby zwischen FK Željezničar Sarajevo und FK Sarajevo ist eines der intensivsten auf dem Balkan, auch wenn es wohl nicht an das Belgrader Derby oder Dinamo Zagreb gegen Hajduk Split rankommt.

Wir setzen die Fahrt fort, vorbei an unzähligen Gräbern, die mangels Platz auf den Trainingsplätzen rund um das Stadion ausgehoben wurden. Zurück in der Innenstadt fahren wir die Suada-und-Olga-Brücke, benannt nach zwei Frauen, die hier im April 1992 von Scharfschützen erschossen wurden. Ein Jahr später traf das Paar Boško und Admira dasselbe Schicksal, über sie wurde später die Dokumentation „Romeo and Juliet in Sarajevo“ veröffentlicht.

Der Bus wendet kurz vor dem ehemaligen Holiday Inn-Hotel, das als Basis für Scharfschützen traurige Berühmtheit erlangte und fährt die Straße Zmaja od Bosne hinunter, die besser unter dem Namen Sniper Alley bekannt ist. Wer sich an den Krieg erinnern kann, der hat hier Menschen rennend oder geduckt hinter UN-Radpanzern im Kopf.

Nach einiger Zeit lenkt der Fahrer den Sprinter in einen Vorort. Die Straßen werden enger und die Häuser kleiner. Wir fahren parallel zur Start- und Landebahn des Flughafens. Kurze Zeit später stehen wir vor dem Eingangsgebäude des Sarajevo-Tunnels.

Jeder bezahlt 10 KM Eintritt, dann bekommen wir haufenweise Informationen rund um den Tunnel. Warum er gerade hier (der Flughafen war UN-Schutzzone, durfte aber nur für und von der UN benutzt werden) gebaut wurde und wofür er genau benutzt wurde (Nahrungsmittel, Medikamente, Verwundete und natürlich auch Waffen). Im Endeffekt war der Tunnel etwa 800 Meter lang, durchschnittlich einen Meter breit und 1,5 Meter hoch, hielt die Stadt aber am Leben.

Wir sehen viele Ausstellungsstücke, von Loren, die im Tunnel verwendet wurden, über Waffen, Uniformen, Fotos und Schaubildern. Und wir laufen durch ein kurzes Stück des wiederhergestellten Originaltunnels. Die ganze Ausstellung ist „halbprofessionell“, natürlich auf Touristen ausgelegt, aber auf jeden Fall einen Besuch wert.

Nach über einer Stunde geht die Fahrt weiter durch Istočno Sarajevo, auf den Trebević. Für mich ist es nichts Neues, denn ich war hier ja erst, aber so lerne ich die Bobbahn von einer anderen Seite kennen. Der Guide erklärt uns nämlich, die wie Bahn während der Belagerung militärisch genutzt wurde. Aufgrund dessen, dass wir nur wenige Meter vom Parkplatz zur Bahn laufen müssen, sehen wir natürlich nur einen kleinen Teil. Trotzdem lohnt sich auch der mehrmalige Besuch.

Der nächste Halt erfolgt an einer ehemaligen Scharfschützen-Stellung der VRS (Armee der Republika Srpska). Zusammen mit dem Guide klettern wir auf einen Felsvorsprung und verstehen sofort die Bedeutung dieses Ortes für einen Sniper. Man hat eine gute Sicht auf große Teile der Stadt.

Über dieselben steilen Straßen, die ich vor ein paar Tagen gefahren bin, bringt uns der Fahrer zurück in die Stadt. Nach etwa viereinhalb Stunden sind wir wieder am Ausgangspunkt der Tour. Für 25 Euro (plus 10 KM für den Tunnel) habe ich hier viel gesehen und gelernt, die Tour ist eine klare Empfehlung.

Auf dem Heimweg gehe ich dann noch der Frage „Ferhatović oder Hodžić?“ nach und esse meine 10 Ćevapi bei Hodžić.

Impressionen Tag 6

Aufgrund der Menge an Eindrücken habe ich mich dazu entschlossen, diesen Bericht auf mehrere Beiträge aufzuteilen. Weiter gehts mit Teil drei.

Ich hoffe, dir hat mein Reisebericht gefallen. Falls du Fragen hast, ab damit in die Kommentare!

Mega-Besuch mit Umwegen – Geocaching-Erlebnisse auf dem westlichen Balkan – Teil 1

Zur Abwechslung ging es für mich Ende Mai auf eine Reise, die so stattfand, wie ich sie ursprünglich geplant hatte. Na ja, fast. Eigentlich wollte ich Mitte Mai in die Ukraine, was sich aber aus beruflichen Gründen schon im Januar erledigt hatte (und spätestens ab dem 24.02. dann sowieso gegessen gewesen wäre).

Bereits 2020 hatte ich die Idee, auf dem Weg zum Megaevent in Sloweniens Hauptstadt Ljubljana einen klitzekleinen Umweg über Mostar und Sarajevo zu nehmen. Damals allerdings in wesentlich kürzerer Zeit, innerhalb nicht ganz einer Woche. Meine Planung für diese Reise sah etwas anders aus. Auch, weil ich insgesamt fast 2 Wochen Zeit hatte. Und das war gut so, denn gerade in Sarajevo hätte ich noch wesentlich länger bleiben können.

„Schon wieder Balkan?“ war dann auch die einhellige Meinung meiner Eltern und quasi sämtlicher Cacher, denen ich von meinen Plänen erzählt habe. Ja gut, aber wenn man bedenkt, dass ich von den Überbleibseln Jugoslawiens vor den Reisen letzten Sommer und im Januar gerade einmal Slowenien und Kroatien besucht hatte, wurden die anderen Länder schon etwas schnell nacheinander abgehakt. Aber, hey, es ist schön da unten!

Die Route

Nach diversen Überlegungen und Abwägungen habe ich mich dann an die Planung gemacht und eine grobe Route ausgearbeitet: Von Stuttgart an die slowenische Grenze, weiter nach Bosnien und Herzegowina, einige Tage Sarajevo, ein kurzer Abstecher nach Serbien, ein paar Tage Zagreb, ein Schlenker an den Balaton und schließlich ein langes Mega-Wochenende in Ljubljana.

Route über den Balkan
Die ungefähre Route, siehe auch https://mk.cx/megalj

Fast hätte meine Tour zu einem Laibach-Album gepasst, aber für Ljubljana – Zagreb – Beograd fehlte mir am Ende dann doch der Besuch in Belgrad.

Tag 1: Deutschland – Loiblpass (AT)

Aber der Reihe nach: Da ich geschäftlich noch am Tag der Abfahrt zu tun habe, kann ich nicht wie gewünscht direkt morgens um 8 starten, sondern erst ein paar Stunden später. Das macht die Planung nicht einfacher, da ich natürlich so wenig Zeit wie möglich in Österreich verplempern will. Nichts gegen Österreich, aber morgen Abend habe ich bereits eine Unterkunft in Bosnien gebucht. Nach etwas Überlegung und Kartenstudium entscheide ich mich, am nördlichen Ende des Loiblpasses nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Etwa sechs Stunden Fahrt nach einem (wenn auch sehr frühen) Feierabend sind mehr als ausreichend.

Caches habe ich auf dem Weg mehr oder weniger ignoriert. Ein paar Autobahntradis müssen reichen, es geht darum, einigermaßen schnell ans Ziel zu kommen. Und das klappt entgegen meiner Befürchtungen sehr gut. Den ersten richtigen Halt lege ich dann auch erst in Hallein ein, wo ich neben zwei Letterboxen spontan auch noch die eigentlich für die Rückreise eingeplanten Virtuals angehe. Ab Villach habe ich dann mehr als genug Zeit und cache mich zu meiner Unterkunft in Ferlach. Der Rest des Abends ist dann Standardprogramm: Frisch machen, Abendessen, früh schlafen gehen.

Tag 2: Loiblpass (AT) – Gradiška (BiH)

Was für andere Cacher eine Challenge ist, ist für mich heute eine Tagesetappe: Cachen in vier Ländern an einem Tag 🙂 Ich starte nach dem Frühstück und cache mich über den Loiblpass nach Slowenien. Vor allem der Multi, der sich mit dem Außenlager des KZ Mauthausen beschäftigt, ist sehr interessant. Ansonsten wird die Fahrt nur durch einige Tradis unterbrochen. „Mehr“ kommt sowohl in Ljubljana, als auch in Zagreb zu einem späteren Zeitpunkt dran.

Zagreb ist dann gegen Mittag auch der erste längere Zwischenstopp, da hier sowohl ein Mystery, als auch ein Tradi und vor allem ein Einkaufszentrum nahe der Autobahn liegen. Das Wetter ist heute sehr drückend heiß, sodass ich froh bin, den Mystery quasi auf dem Weg vom klimatisierten Auto in den klimatisierten Supermarkt loggen zu können. Frische Getränke finden den Weg in die Kühlbox auf meinem Rücksitz und Burek den Weg in meinen Magen.

Von Zagreb benötige ich noch etwa 1:30 für den Weg nach Jasenovac, der zweiten KZ-Gedenkstätte heute. Da ich von der „falschen“ Seite komme, suche ich zuerst den Cache und schaue mir dann das kleine Museum an. Danach mache ich mich auf zur Steinernen Blume, dem eigentlichen Denkmal. Beeindruckend und traurig zugleich!

Flagge Bosnien und Herzegowina

Bosnien und Herzegowina ist ein südosteuropäischer Bundesstaat. Er besteht geografisch aus der Region Bosnien im Norden, die rund 80 Prozent des Staatsgebiets einnimmt, und der kleineren Region Herzegowina im Süden. Politische Teilgebiete des Bundesstaates sind die Republika Srpska, die Föderation Bosnien und Herzegowina sowie der Distrikt Brčko als Sonderverwaltungsgebiet.

Zurück am Auto sind es nur wenige Minuten bis zum Grenzübergang Donja Gradina. Es ist zwar ein kleinerer Übergang, aber man weiß ja nie, wie lange man steht und wie ausführlich man kontrolliert wird. Ich bin auf alles vorbereitet und habe Pass, Fahrzeugpapiere und Grüne Versicherungskarte griffbereit. Womit ich allerdings nicht gerechnet habe, war die Frage nach „Zertifikat Corona“. Nachdem der Grenzbeamte meinen Impfpass begutachtet und seine Vorliebe für Biontech bekundet hat, höre ich das Klacken des Stempels und der Schlagbaum öffnet sich. Wenige Meter später fahre ich an dem typischen „Welcome to Republic of Srpska“-Schild vorbei in die Republika Srpska, eine der Entitäten des Staates Bosnien und Herzegowina.

Da Gradiška – und damit meine Unterkunft – nur etwa eine Dreiviertelstunde Fahrt entfernt ist, nutze ich die Zeit sinnvoll und gehe cachen. Powercacher würden hier verzweifeln, aber ich fahre etwas durch die Gegend und kann zumindest eine Handvoll Dosen suchen. Mein Tomtom kennt mal wieder Straßen, die in Deutschland wahrscheinlich zu schlecht für einen Feldweg gewesen wären, aber wenn sie mich 30 Sekunden schneller als die normalen Straßen ans Ziel bringen… So lernt man ein Land auch kennen!

Ich entdecke jedenfalls Denkmäler, einen Friedhof, halbfertige Häuser und am Ende auch Ecken von Gradiška, in die ich ohne eine Dose sicher nie gegangen wäre. Die Stadt ist ein ziemliches Chaos, zumindest rund um meine Unterkunft, die nahe des Grenzüberganges liegt. Als ich gegen 17 Uhr einchecke, überrascht mich der Vermieter mit der Aussage „Heute ist wenig vermietet, ich habe dir eine größere Wohnung mit Whirlpoolbadewanne gegeben“. Gut, so kann man sich natürlich auch 10 Punkte bei Booking holen 🙂

Flagge Bosnien und Herzegowina

Gradiška (kyrillisch Градишка; auch Bosanska Gradiška/Босанска Градишка) ist eine Stadt im Norden von Bosnien und Herzegowina mit ca. 22.000 Einwohnern. Sie gehört seit dem Bosnienkrieg zur Republika Srpska, einer der beiden Entitäten von Bosnien und Herzegowina. Sie ist Sitz der gleichnamigen Opština mit 56.727 Einwohnern auf einer Fläche von 762 km².

Aber vor der Entspannung im Wasser geht es noch einmal hinaus in die Hitze, die sich bei etwa 32° C eingependelt hat. Denn es ist zwar warm, mein Magen hat aber seit dem Burek in Zagreb nichts mehr gesehen. Schon aus wissenschaftlichen Gründen sehe ich mich gezwungen, eine Čevabdžinica aufzusuchen. Denn in Bosnien soll es nicht nur die besten Ćevapi der Welt geben (was ich definitiv bestätigen kann), sondern auch verschiedene Arten: Banjalucki (aus Banja Luka, quasi 4 Würstchen zusammen zu einer „Tafel“), Sarajevski (aus Sarajevo) und Travnički (aus Travnik).

Durch die Nähe zur Hauptstadt der Republika Srpska, Banja Luka, erhalte ich in der Čevabdžinica Evropa für 6 KM (umgerechnet etwa 3 Euro) eine große Portion (3 Blöcke a 4 Würstchen) Banjalučki Ćevapi traditionell im Fladenbrot mit Zwiebeln aber leider ohne Kajmak. Gut gesättigt kaufe ich mir spontan noch eine Simkarte (15 GB für etwa 4 Euro), decke mich mit Getränken ein und verbringe den restlichen Abend in meinem Apartment.

Impressionen Tag 2

Tag 3: Gradiška (BiH) – Sarajevo (BiH)

So schön das Apartment ist, die Umgebung hier ist nicht so ansehnlich. Man sieht teilweise verfallene Häuser, Kriegsschäden, und viele LKW stauen sich am Grenzübergang Richtung Kroatien bis rein in den Ort. Auch wenn mir aufgrund der Umgebung am Anfang etwas unwohl ist, mein Auto auf dem großen, aber unbewachten, Parkplatz neben meiner Unterkunft abzustellen: Die Bedenken sind unbegründet. Natürlich steht noch alles da, wo und wie ich es gestern abgestellt habe. Und als ich mich so umschaue, entdecke ich einige Autos aus zwei Stuttgarter Stadtteilen, die sicher lohnender gewesen wären.

Bevor ich abfahre, statte ich dem lokalen Bäcker noch einen Besuch ab. Frei nach dem Motto „Der Frühstücksburek ist der wichtigste Burek des Tages“. Dann starte ich die Fahrt über Doboj nach Sarajevo. Vor mir liegen etwa 350 Kilometer oder 4:30 Stunden. Natürlich wäre der direkte Weg schneller, allerdings will ich nicht direkt in meine Unterkunft fahren, sondern den Umweg über den Berg Igman nehmen.

Mit cachen sieht es in den ersten Stunden ziemlich mau aus. Die Autobahnen sind relativ neu und nur einer der Rastplätze auf der Strecke ist bedost. Deshalb entschließe ich mich bereits bei der Planung, in Doboj die Autobahn zu verlassen und dort zumindest einen Cache zu suchen. So sehe ich dann etwas mehr vom Land als nur Straße und kann mir auch mal etwas die Beine vertreten.

Ich komme sehr gut durch und gegen Mittag erreiche ich in Hadžići den Rand von Sarajevo. Direkt am Ortseingang entdecke ich auf dem Parkplatz der örtlichen Coca-Cola-Niederlassung die olympischen Ringe und kann natürlich nicht weiterfahren, ohne ein paar Fotos gemacht zu haben. Als ich durch den Ort durch bin und in Richtung Igman abbiege, sehe ich zum ersten Mal das Logo der Olympischen Winterspiele 1984 auf einem Haus. Hier bin ich richtig!

Es geht weiter bergauf, vorbei an mindestens einem „Vorsicht Minen!“-Schild, das ich aber zu spät realisiere, um es fotografieren zu können. Es wird merklich kühler, was bei den Temperaturen natürlich kein Nachteil ist. Nach kurzer Zeit erreiche ich einen ersten Punkt, an dem ich die Igman Olympic Jumps, zwei Skisprungschanzen, sehen kann. Ich fahre weiter und biege in die wahrscheinlich schlechteste Straße der ganzen Reise ab. Scheinbar ist Schlaglochslalom ein beliebter Sport hier oben…

Am Fuß der Schanzen findet eine Art Bundesjugendspiele statt, haufenweise Kinder, die sich sportlich betätigen. Ich störe sie nicht weiter, sondern widme mich dem Cache, der direkt am Siegerpodest der Olympischen Spiele versteckt ist. Noch eine kurze Fotosession, dann umfahre ich wieder ein paar Schlaglöcher und suche zwei Tradis, unter anderem an einem Denkmal für Partisanen. An einem kleinen Friedhof biege ich in eine Nebenstraße ab. Hier oben tobten heftige Kämpfe, weil unter anderem die einzige Versorgungsstraße zum Flughafen, und damit durch den Tunnel in die belagerte Stadt, hier oben entlang führte.

Ich steuere ich mein nächstes Ziel an: Das Hotel Igman, das 1984 als moderne Unterkunft die Besucher der Spiele beherbergte. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Krieg und natürlicher Verfall haben das Hotel zu einer Ruine gemacht, die aber auch ohne den Tradi einen Besuch wert ist. Bevor ich diesen suche, schaue ich mich um. Die oberen Stockwerke schenke ich mir, denn die Decken sehen nicht immer so wirklich vertrauenerweckend aus.

Der weitere Weg führt mich vorbei an einem Denkmal für einen verunglückten deutschen Soldaten bergab zum EUFOR Camp Butmir. Den Tradi in der Nähe kann ich problemlos suchen und finden, für den Multi bräuchte ich eine ID der Armee, daher habe ich ihn auch nicht in die Planung aufgenommen.

Zwar kein Cache, dafür ein etwas kurios anmutendes Denkmal gibt es in Istočno Sarajevo (Ost-Sarajevo) zu sehen. Hier sind die Grenzen zwischen der Föderation und der Republika Srpska fließend. Das Denkmal im Stadtteil Lukavica zeigt den Mann, der nicht ganz unschuldig an der Entwicklung des 20. Jahrhunderts ist und dessen Tat natürlich einen der wichtigsten historischen Punkte in Sarajevo markiert: Gavrilo Princip.

Noch einmal geht es bergauf. In der Nähe des Sunnyland parke ich und laufe zu den Resten des Zwischenwerks Zlatište, Teil der „Festung Sarajevo“ Österreich-Ungarns. Die Letterbox, oder besser das, was von ihr übrig ist, finde ich problemlos. In Absprache mit dem Owner liegt hier jetzt wieder eine richtige Dose. In der Ruine des nebenan liegende Hotels wird einem sehr schnell klar, warum der Punkt für die Festung ausgewählt wurde. Man hat einen Überblick über fast das gesamte Tal und auch auf den Trebevic.

Über nicht immer ganz einfache Straßen fahre ich in die Stadt zu meiner Unterkunft. Ich habe den Eindruck, dass man hier keine Serpentinen kennt, sondern Straßen einfach geradeaus baut… Zum Glück ist es trocken, denn zu steil und teilweise auch eng kommt immer mal noch Kopfsteinpflaster dazu. Gegen 16 Uhr kann ich meine Unterkunft beziehen. Super gelegen, ein Katzensprung zur Altstadt, ein Stellplatz fürs Auto und sehr nette Gastgeber. Hier scheine ich bei der Auswahl wirklich alles richtig gemacht zu haben!

Flagge Bosnien und Herzegowina

Sarajevo (kyrillisch Сарајево; deutsch auch Sarajewo) ist Hauptstadt und Regierungssitz von Bosnien und Herzegowina und vor allem durch drei Ereignisse bekannt: Das Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand 1914, die Olympischen Winterspiele 1984 und die Belagerung während des Bosnienkrieges 1992 bis 1995.

Der Tag ist zwar bisher schon relativ lange, aber ich bin ja nicht zum Spaß hier. Nach einer kurzen Pause geht es für mich durch die Altstadt, vor allem natürlich in die Baščaršija. Neben einigen Caches nehme ich unzählige Treppen bergauf, um das Olympiamuseum zu besuchen. Leider kann der Eintritt nur in bar bezahlt werden, Karten, Euro oder andere Währungen werden nicht genommen.

Schade, also laufe ich wieder bergab, wechsle kurz etwas Geld und widme dann ich einem der Highlights der Stadt, um nicht zu sagen des Landes: Dem Essen. Nach den Frühstücksbureks ist so langsam wieder Zeit, den Magen mit bosnischen Köstlichkeiten in Form von Sarajevski Ćevapi zu füllen. Die Frage, die sich für mich als Tourist stellt ist natürlich „Ferhatović oder Hodžić?“. Ich entschließe mich heute für Ferhatović und werde nicht enttäuscht. 10 Ćevapi im Fladenbrot mit Zwiebeln und Kajmak. Mehr braucht es nicht, um mich an diesem Abend glücklich zu machen. Und für 10 Mark (ca. 5 Euro) ist die Portion auch mit Touristenaufschlag günstig.

Um die Ecke meiner Unterkunft kaufe ich noch ein paar Getränke und bekomme von einigen Locals gleich mehrere Tipps für „die besten Ćevapi in Sarajevo“. Dann ist dieser Tag auch wirklich zu Ende.

Impressionen Tag 3

Aufgrund der Menge an Eindrücken habe ich mich dazu entschlossen, diesen Bericht auf mehrere Beiträge aufzuteilen. Weiter gehts mit Teil zwei.

Ich hoffe, dir hat mein Reisebericht gefallen. Falls du Fragen hast, ab damit in die Kommentare!

Burek, Cevapi und Höhenmeter – Geocaching auf dem westlichen Balkan – Teil 2

Wir waren zwar nur etwa eine Woche unterwegs, aufgrund der der Menge an Eindrücken, habe ich mich aber dazu entschlossen, diesen Bericht auf zwei Beiträge aufzuteilen. Hier gehts zu Teil eins.

Tag 5 Dubrovnik (HR)

Flagge Kroatien

Dubrovnik früher als Republik Ragusa bekannt, ist eine Stadt im südlichen Kroatien an der Adria. Im Jahr 1979 wurde die gesamte Altstadt von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Diese dient für zahlreiche Szenen der Fantasy-Fernsehserie Game of Thrones als Drehort

Ursprünglich war der Plan ja, früh am Morgen auf den Berg zu fahren, um den FTF bei dem Virtual zu versuchen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass zum Glück die Gier nach dem FTF gesiegt hat. Denn heute regnet es leider, sodass wir auch nicht auf dem Balkon frühstücken können. Das ist kein Beinbruch, aber trotzdem sehr schade, denn die Aussicht auf die Stadt ist wirklich schön.

Auch aufgrund des Wetters lassen wir es heute etwas lockerer angehen. Gegen 10 Uhr müssen wir gefühlt das erste Mal auf der Reise eine Jacke anziehen. Gut, es ist Anfang Januar, trotzdem ist es heute kälter als an den letzten Tagen und der Regen tut sein Übriges. Wir laufen bergab durch enge Gassen und über unzählige Treppenstufen, bis wir etwa nach 20 Minuten im Rand der Altstadt von Dubrovnik angekommen sind.

Wir sehen quasi jede Ecke der Altstadt, als wir die wenigen, teilweise aber sehr aufwendigen, Caches suchen. Leider kann sich bei dem Wetter, das inzwischen gar nicht mehr so schlimm ist, kein anderer Cacher zu unserem Event aufraffen. So entspannen wir eine ganze Weile an der Hafenmole, bevor wir zur anderen Seite der Stadt laufen, um einen Virtual zu loggen.

Ursprünglich wollten wir den Weg über die Stadtmauer nehmen, allerdings merkt man hier, wie an vielen Ecken, dass Dubrovnik ein absoluter Hotspot des Massentourismus ist. Die Kleinigkeit von umgerechnet 30 Euro (!) hätten wir pro Person zahlen müssen! Vielen Dank an Game of Thrones und Kreuzfahrtschiffe. Apropos Game of Thrones: Die Serie, von der ich im Übrigen noch keine einzige Folge gesehen habe, ist natürlich sehr präsent, was Mitbringsel und Angebote für Touristen angeht. Wer sowas braucht. Wir dagegen sind ganz froh, dass wir Dubrovnik leer und entspannt erleben dürfen, denn die Altstadt ist wirklich schön.

Gegen 13:30 Uhr fahren mit dem Taxi in die Ferienwohnung zurück. Nach etwas Entspannung fahren wir noch einmal auf den Berg Srd. Es hat aufgeklart, es regnet nicht mehr und so ist die Aussicht jetzt zwar nicht so schön wie gestern Abend bei Sonnenuntergang, trotzdem ist sie super. Außerdem liegt hier oben noch ein Tradi und einer der Labcaches.

Wir fahren noch etwas durchs Umland, suchen ein paar Caches und lassen den Abend dann bei einem tollen Sonnenuntergang mit Cevapi und Pivo in der Ferienwohnung ausklingen.

Impressionen Tag 5

Tag 6 Dubrovnik (HR) – Rupa (HR)

Die Nacht endet früh, weil wir beide früher als geplant wach sind. Das ist auch gut so, denn heute haben wir mit etwa 600 Kilometern Fahrt durch Kroatien den wohl längsten Tag vor uns. Direkt an unserer Ferienwohnung verläuft die Jadranska Magistrala, die sich quasi von Montenegro bis nach Slowenien entlang der Adriaküste zieht. Auf ihr fahren wir ein gutes Stück, bis wir nach etwa 100 Kilometern auf die Autobahn wechseln. Die Magistrale ist zwar meist sehr schön zu fahren, wir wollen aber natürlich vorankommen.

Nach einem kurzen Tradi auf dem Weg verlassen wir nach etwa einer Stunde Fahrt Kroatien und die EU. Der Grenzübertritt in die 5 Kilometer Bosnien und Herzegowina verläuft problemlos. Im Neum-Korridor liegen netterweise noch einmal zwei Tradis und ein Earthcache. Wir scheinen uns die perfekte Jahres- und Uhrzeit ausgesucht zu haben, denn während in den Logs des Earthcaches von Parkproblemen die Rede ist, besteht unser einziges „Problem“ darin, uns einen Parkplatz auszusuchen.

Flagge Bosnien und Herzegowina

Neum ist ein Ort und die zugehörige Gemeinde mit knapp 5.000 Einwohnern im Süden von Bosnien und Herzegowina. Der Neum-Korridor bildet den einzigen Zugang des Landes zum Meer. Er stellt nach dem EU-Beitritt Kroatiens einen wesentlichen Verkehrsengpass dar. An dieser Stelle wird nicht nur ein Teil des zusammenhängenden kroatischen Territoriums, sondern auch die gemeinsame EU-Außengrenze in einem Abschnitt von weniger als 10 km unterbrochen.

Leider sind aber auch keine Bäckereien geöffnet, sodass das Frühstück erstmal verschoben werden muss. Aber man kann noch einmal günstig tanken. In den Genuss dieses „Bonus“ wird man bald wohl nicht mehr ganz so einfach kommen, denn die Pelješac-Brücke soll noch diesen Sommer eröffnet werden. Dann kann man Neum umfahren und sich die beiden Grenzübertritte schenken, die bei uns aber nur jeweils maximal 10 Minuten dauern.

Wieder in Kroatien halten wir an einem Bäcker an, denn gegen 10 Uhr haben wir dann so langsam doch Hunger. Nach ein paar Tradis fahren wir spontan einen kleinen Umweg, weil eine Bennies Box (Bennies Black Box) in der Nähe liegt.

Kurze Zeit später sind wir auf der Autobahn und fahren fast 2 Stunden durch, bis wir am Rastplatz Krka eine Pause machen. Nicht ganz uneigennützig, denn neben einem sehr schönen Blick auf den Fluss gibt es hier einen Tradi, einen Multi und einen Earthcache zu finden.

Entgegen den ursprünglichen Plänen fahren wir nicht zurück auf die Magistrale. Wir bleiben auf der Autobahn und fahren, nur gelegentlich von einer Rastplatzdose unterbrochen, bis zu unserem Ziel in Rupa kurz vor der Grenze zu Slowenien durch.

Zwischendrin wird unser Klischee von Kroatien – warm, immer Sommer – mal eben vernichtet. Während es auf der südlichen Seite des Sveti Rok-Tunnels noch sonnig ist, spukt uns der Tunnel im Norden in einer Schneewüste wieder aus. Ja, wir haben natürlich immer noch Anfang Januar, es war trotzdem relativ ungewohnt und überraschend. Das Wetter sollte sich heute auch nicht mehr ändern.

Nachdem wir in unserer Unterkunft eingecheckt haben, wird erstmal etwas entspannt. Dann nehmen wir die Empfehlung des Vermieters an und genießen das letzte Abendessen dieser Tour im Carpe Diem auf der anderen Straßenseite. Mehr Auswahl hätte es in diesem Ort auch nicht gegeben, aber das Essen ist lecker und günstig.

Impressionen Tag 6

Tag 7 Heimfahrt

Der Grund wieso wir gerade dort über die Grenze fahren und nicht wie auf der Hinfahrt bei Karlovac ist einfach: Wir sind Geocacher. Einer von uns beiden hat eine klitzekleine Affinität für Webcams. Und dort, in Slowenien, mitten in einer Kurve in der Pampa, steht die letzte Webcam vor Adelaide in Australien. Ja, kein Witz, zwischen Slowenien und Australien gibt es keinen Webcam-Cache mehr.

Lange Rede, kurzer Sinn, der Besuch ist Pflicht. Auf dem Weg finden wir neben einem Bäcker für das schon obligatorische Burek auch ein paar Tradis und machen eine längere Pause auf dem Autobahnrastplatz Logatec. Dort befinden sich neben zwei Letterboxen auch ein Tradi, ein Mystery und ein Wherigo.

Die Webcam ist schnell erledigt, zum Glück macht sie regelmäßig Fotos. Über ein paar Virtuals in Kranj fahren wir durch den Karawankentunnel zurück nach Österreich und am frühen Abend endet diese Reise dann auch für mich.

Impressionen Tag 7

Caches

In Kroatien und Slowenien ist die Cachedichte eher hoch und meistens auch gewartet. Gadgetcaches oder etwas „Hochwertiges“ sollte man aber nicht erwarten, auch wenn es sie gibt. In Bosnien und Montenegro gab es nicht wahnsinnig viele Dosen, meistens waren sie dafür aber in irgendeiner Art interessant (Blick, Gegend, Geschichte etc.). Wartung erfolgt nicht immer, daher kann es also nicht schaden, ein paar Petlinge und Logbücher mit in den Koffer zu packen.

Tipps (Sprache, Geld, Verkehr etc.)

Wir sind eigentlich überall mit Englisch durchgekommen. Allerdings wird an vielen Orten sehr gut Deutsch, oft auch besser als Englisch, verstanden. Ansonsten muss man eben auch mal Hände und Füße verwenden. Wie in jedem Land ist es sinnvoll, sich ein paar Brocken anzugewöhnen, sodass man sich zumindest im Restaurant oder beim Einkauf bedanken kann.

Man sollte natürlich niemandem sagen, dass man „kein Bosnisch“ spricht, wenn sein Gegenüber vielleicht Serbisch oder Kroatisch spricht, auch wenn sich die Sprachen ähneln. Politik versuche ich im Urlaub mit Unbekannten sowieso generell zu vermeiden. Frei nach Fawlty Towers: „Don’t mention the war!“

Die Sprachen sind teilweise sehr ähnlich, wer eine kann, versteht zumindest grob alle anderen. Das Wort für „danke“ („Hvala“) wird überall verstanden, genauso wie „Dobar dan“ („Guten Tag“). Definitiv als Tourist outet man sich übrigens problemlos, wenn man „Cevapcici“ statt richtigerweise „Cevapi“ bestellt 🙂

Wie in Mazedonien und Bulgarien, wird in Bosnien und Montenegro zumindest auch das kyrillische Alphabet verwendet. Im Gegensatz zu diesen Ländern sind aber – mit Ausnahme der Republika Srpska – lateinische Buchstaben eher die Regel. Auf Straßenschildern stehen meist beide Bezeichnungen, je nach Bevölkerung in unterschiedlicher Reihenfolge.

Ich habe seit einigen Jahren eine Mastercard von Revolut, in der ich ein Konto in der Landeswährung anlegen kann. Vor (und zur Not auch während) jeder Reise wechsle ich einen Betrag um und kann im jeweiligen Land wie „daheim“ bezahlen. Ich muss keine Kurse beachten und brauche auch keine Angst haben, in irgendwelchen Wechselstuben abgezockt zu werden. Für kroatische Kuna ging das, für bosnische Konvertible Mark nicht. Das machte aber nichts, da die Karte den Betrag 1:1 zum Interbankenkurs und ohne zusätzliche Gebühren umgewechselt hat.

Tipp: Wenn du gefragt wirst, ob du mit Karte in der lokalen Währung oder in Euro zahlen willst, unbedingt immer die lokale Währung auswählen! Anderenfalls werden gerne mal Wechselkurse zu deinen Ungunsten verwendet.

Autobahnmaut mussten wir in Österreich, Slowenien und Kroatien bezahlen. In Österreich und Slowenien ist das jeweils eine Vignette, in Kroatien gibt es wie bspw. in Frankreich ein streckenabhängiges Mautsystem. Zusätzlich lassen sich die österreichischen (und auf dem Rückweg die slowenischen) Wegelagerer noch den Karawankentunnel und die Tauernautobahn bezahlen. In Bosnien fuhren wir gefühlt 100 Meter Autobahn, welche uns KM 1,20, also etwa 60 Cent kosten. Das summierte sich auf etwa 125 Euro Maut plus 4,50 Euro für die Fähre in Montenegro.

Tanken ist übrigens in Slowenien, Österreich und Montenegro günstiger als in Kroatien, am günstigsten aber ist es in Bosnien. Daher empfiehlt es sich, von Dubrovnik kommend in Neum noch einmal vollzutanken.

Die Straßen sind meist ordentlich bis gut, zumindest die Hauptstraßen. Allerdings gilt, was auch schon für Mazedonien galt und durch den Krieg nicht unbedingt verbessert wurde: Es sind nicht alle Straßen asphaltiert und wenn sie asphaltiert wurden, dann nicht immer in den letzten 5 Jahren. Oder 20 Jahren. Sprich: Auch die beste jugoslawische Straßenqualität lässt irgendwann nach und man muss mit Schlaglöchern rechnen.

Einschränkungen durch Corona

Wie schon im letzten Juli darf man natürlich nicht vergessen, dass wir immer noch während einer Pandemie unterwegs waren. Allerdings waren die Besonderheiten und Einschränkungen selten gravierend. Wie aus Deutschland gewohnt gab es eine Maskenpflicht in Geschäften und in öffentlichen Bereichen der Hotels. Daran wurde sich mal mehr, mal weniger gehalten.

Bei Grenzübertritten haben wir dem Beamten grundsätzlich immer Pass und Impfpass gegeben. Ich hatte allerdings nie den Eindruck, dass die Impfung genauer überprüft wurde. Eventuell wurde da reingeschaut, ich kann mich jetzt aber nicht daran erinnern, dass es irgendwo detaillierter überprüft wurde.

Burek? Cevapi?

Burek war quasi unser Standardfrühstück auf dieser Reise. Es handelt sich um eine Art nichtsüßem Strudel meist mit Hackfleisch, Schafskäse oder Spinat gefüllt. Wen der Name an das türkische Börek erinnert, der kann jetzt richtig schlußfolgern, dass Burek ursprünglich von den Osmanen auf den Balkan gebracht wurde und sich in ganz Jugoslawien verbreitet hat. Man bekommt Burek dann auch, mit kleineren Abweichungen was Größe und Füllung angeht, in Bäckereien von Ljubljana bis Skopje.

Kaum ein Gericht ist in Deutschland so mit dem ehemaligen Jugoslawien verbunden, wie die kleinen Würstchen aus Hackfleisch: Cevapi. Hä? Ja, wir kennen sie meist als Cevapcici (Ćevapčići), was aber nichts anderes ist, als die Verkleinerungsform dessen, was vor Ort Cevapi (Ćevapi) heißt. Hoffentlich sagt den Wirten in Deutschland niemand, dass Cevapcici quasi noch kleinere Würstchen sind, sonst hat man hier bald gar nichts mehr auf dem Teller…

Wie auch immer, wenn mir schon mehrere Kroaten sagen, dass Cevapi in Bosnien am besten schmecken, dann muss ich dem natürlich aus rein wissenschaftlichen Gründen nachgehen. Was soll ich sagen? Nach Tests in Kroatien, Bosnien und Montenegro komme ich zu dem Schluss, dass ich die besten Cevapi in Montenegro gegessen habe. Und zwar nicht typisch deutsch mit Djuvec-Reis und Pommes, sondern im Fladenbrot mit Kajmak.

Fazit

Mein Fazit fällt ähnlich aus wie bei der Reise nach Bulgarien, Mazedonien, Albanien und Griechenland: Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich wirklich froh darüber bin, dass wir umplanen mussten. Italien ist halt Italien, klar, Rom wäre sicher interessant gewesen. Ein neuerlicher Besuch in San Marino auch und einen Länderpunkt im Vatikanstaat hätte es auch gegeben. Aber ich bezweifle, dass eine Großstadt an die Bucht von Kotor oder eine leere Altstadt von Mostar rankommt.

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut und wird noch ein paar Jahre stehen. Da kommt man recht problemlos hin, einfach einen Flug buchen und man bekommt eine Wochenendreise, bei der man grob weiß, was einen erwarten wird.

Es gab zwar auch auf dieser Reise viele Unbekannte und viele Klischees. Im Vergleich zu Mazedonien aber irgendwie gar keine Ängste oder Unsicherheiten mehr. Sicher, man hat manche Bilder im Kopf. Zumindest in Bosnien-Herzegowina ist durch Ruinen und Einschusslöcher der Krieg immer noch relativ präsent. Aber wir wurden mit vielen neuen, überwiegend schönen, Eindrücken und gigantischen Ausblicken, gutem und preiswertem Essen und natürlich auch ein paar Caches belohnt.

Ich hoffe, dir hat mein Reisebericht gefallen. Falls du Fragen hast, ab damit in die Kommentare!

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