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Trotz Corona: Geocaching-Urlaub in Polen – Teil 3

Ich war in diesem Sommer in Polen unterwegs. Aufgrund der Länge der Reise und der Menge an Eindrücken, habe ich mich entschlossen, diesen Bericht in mehrere Beiträge aufzuteilen. Hier gehts zu Teil zwei.

Ach ja: Ich verwende normalerweise die deutschen Namen der Orte. Auch wenn sie inzwischen anders heißen, sind sie doch vielen unter ihren deutschen Bezeichnungen geläufiger. Die wenigsten meiner Leser werden beispielsweise schon einmal etwas von Bydgoszcz gehört haben, Bromberg dürfte aber vielen ein Begriff sein. Danzig sowieso (und damit meine ich nicht den ehemaligen Sänger der Misfits).

Tag 8: Wolfsschanze und Masurischer Kanal

Wie immer starte ich gegen 8 Uhr am Morgen. Wer schon ein paar meiner Beiträge gelesen hat, weiß, dass ich mich sehr für Geschichte, vorrangig für die der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, interessiere. Daher war klar, dass der Norden von Polen, das ehemalige West- und Ostpreußen für mich ein wahres Paradies sein muss. Ich hätte hunderte geschichtsträchtige Orte besuchen können, muss mich aber natürlich – zumindest für diese Reise – auf wenige beschränken. Heute besuche ich einen besonderen Ort, der der eigentliche Grund für die Reise in diese Gegend ist. Das „Führerhauptquartier Wolfsschanze“, normalerweise einfach „Die Wolfsschanze“ genannt, ist nur eine kurze Fahrt von meiner Ferienwohnung entfernt.

Das FHQ war folgendermaßen aufgebaut: Der äußere Sperrkreis III war von einem hohen Zaun sowie einem Minengürtel umgeben. In ihm befanden sich neben MG-Nestern, Flakgeschützen und Panzerabwehrkanonen die Unterkünfte des Führerbegleitbataillons. Es gab ganze drei schwer bewachte Zugangswege: Wache West aus Richtung Rastenburg, Wache Ost aus Parcz und Wache Süd vom Flugplatz, von dem aus Stauffenberg nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 nach Berlin zurückflog.

Der Sperrkreis II befand sich innerhalb des Sperrkreises III und umschloss den Sperrkreis I. Hier befand sich, neben diversen Stäben und Verbindungsstellen, die Fernschreibzentrale, ein Offizierskasino und die Unterkunft von Dr. Fritz Todt, dessen „Organisation Todt“ das FHQ auch gebaut hat. Nach dessen Tod zog Albert Speer, Architekt und „Reichsminister für Bewaffnung und Munition“ hier ein. Ach und der riesige Luftschutzbunker, auf den ich gestern geklettert bin.

Der innerste Sperrkreis I schließlich beherbergte die mächtigen Bunker von Hitler, Bormann, Keitel, Göring, Dietrich und Jodl. Da das FHQ eine eigene Stadt war, wohnten Ärzte, Fernschreiber, Sekretärinnen, Chauffeure alle in unmittelbarer Nähe. Ihnen standen natürlich neben Büro- und Wohngebäuden auch Kasinos, Teestuben, ein Kino, eine Sauna sowie ein Luftschutzbunker zur Verfügung. Dieser Sperrkreis ist quasi das, was man landläufig unter „die Wolfsschanze“ versteht und für das man Eintritt bezahlen muss.

Ich nehme die Straße von Carlshof (pol. Karolewo) nach Partsch (pol. Parcz) parallel zur Eisenbahnlinie Rastenburg (pol. Kętrzyn)Angerburg (pol. Węgorzewo) und fahre über die ehemalige Wache West in den Sperrkreis III. Nach etwa einem Kilometer befindet sich links die Einfahrt zum Parkplatz. Der Eintritt kostet 15 Złoty plus 5 Złoty fürs Parken, insgesamt also umgerechnet etwa 4,40 Euro. Bereits auf dem Parkplatz wird man neben riesigen Betonteilen auch von einer großen Übersichtstafel begrüßt, auf der sämtliche Gebäude sowie zwei Rundgänge verzeichnet sind.

Ich nehme den längeren Rundweg, da ich natürlich so viel wie möglich sehen will und mehr als genug Zeit habe. Die großteils gesprengten Gebäude sind überwiegend offen, die Verbotsschilder sind eher da, um wenigstens manche Besucher vom Betreten abzuhalten. Natürlich sind geborstene Stahlbetonteile mit Armiereisen usw. nicht ungefährlich, wenn man sich aber anschaut, wo man überall problemlos hin darf, dann sollen die Schilder niemanden ernsthaft vom erkunden abhalten. Auf dem Weg löse ich den Earthcache, einen von nur zwei Caches (es sollte noch ein weiterer dazukommen…) im Sperrkreis I. Die Wege sind zwar gepflastert, aber ich habe nicht den Eindruck, dass hier mehr verändert wurde als nötig ist. Das ist gut so, immerhin will man so viel Original wie möglich auf sich wirken lassen.

Auf die Bunker trifft eigentlich nur ein Wort zu: Mächtig. Wenn man sich die Maße von Martin Bormanns Bunker (der wesentlich kleiner war, als der von Hitler) näher anschaut, wird das noch deutlicher. Der Innenraum wird von 2 bis 3 Meter dickem Stahlbetonwänden umgeben, dann kam eine Schicht Schotter, um Detonationen abzupuffern, bevor weitere 4 Meter Stahlbeton folgten. Und das alles auf einer Fläche von 35 x 23 Metern!

Etwas abseits in den Ruinen des Bormann-Bunkers verstecke ich spontan einen Cache, dann geht es weiter zum größten Bauwerk der Tour, dem ehemaligen Führerbunker. In der direkten Umgebung befinden die Ruine eines kleineren Flakbunkers und die Reste des Feuerlöschteichs. Ich setze meinen Weg fort, vorbei am Kasino und den Bunkern von Wilhelm Keitel und Hermann Göring und stehe vor der Baracke des Chefs des Wehrmachtführungsstabes im OKW Alfred Jodl. Im Inneren wurde eine Ausstellung zum Attentat vom 20. Juli 1944 eingerichtet, die die Gegebenheiten darstellt und teils als alten Gegenständen und, teils aus Fantasieprodukten besteht. Alles in Allem lohnt der kleine Abstecher in die Baracke aber, auch wenn man coronabedingt eine Maske tragen muss.

Ich laufe weiter zum Bunker der Nachrichtenzentrale, in dem Telefon–und Funkzentralen sowie Fernschreiber untergebracht waren. In den Resten der des Anbaus liegt nämlich der zweite Cache, den ich heute in der Wolfsschanze finden kann. Bei diesem Mystery war ich mir nicht sicher, ob ich an die Dose kommen würde. Die Spoilerbilder sind bei Dunkelheit aufgenommen, man kann quasi nichts erkennen und anhand von Fotos war ich mir zu Hause auch nicht ganz sicher, wo ich hin genau muss. So schlimm ist’s aber gar nicht, außer dass ich etwas zu groß bin und auf allen Vieren zum Loggen kriechen muss. Auf jeden Fall ein Erlebnis. Spätestens jetzt sieht man mir an, dass ich die Wolfsschanze nicht nur auf den vorgegebenen Wegen besucht habe 🙂

Nachdem ich die Reste der Baracke, in der das Attentat stattgefunden hat, und das Denkmal angeschaut habe, endet mein Rundgang nach etwa 2:30 Stunden wieder auf dem Parkplatz. Im Vorfeld wurde mir öfter mit „da liegen doch nur noch gesprengte Betonteile rum“ abgeraten. Das kann ich aber nicht bestätigen. Wer Interesse an Geschichte oder an Bunkern hat, dem kann ich einen Besuch des FHQ Wolfsschanze empfehlen.

Ich überlege, was ich als Nächstes machen soll, da ich den kompletten Vormittag für das FHQ eingeplant hatte und beschließe, noch einmal den Bunker von gestern und seine Umgebung anzuschauen. Dort im Wald stehen die Reste einiger Gebäude. Die Unterkunft von Dr. Fritz Todt und später Albert Speer erregt meine Aufmerksamkeit. Viel gibt es leider nicht mehr zu sehen, lediglich die Gebäude an sich stehen noch. Ich verstecke spontan eine Dose, schieße Fotos und lasse die Umgebung auf mich wirken, bevor ich weiter zum zweiten Ziel des heutigen Tages fahre.

Der sogenannte „Masurische Kanal“ ist eine über 50 Kilometer lange, nicht fertiggestellte, künstliche Wasserstraße, die die Masurische Seenplatte mit der Ostsee bei Königsberg verbinden sollte. Da mit der Alle und dem Pregel bereits zwei Flüsse den größten Teil der Strecke abdecken, reichte es aus, den Mauersee bei Angerburg (pol. Węgorzewo) mit der Alle bei Allenburg (russ. Druschba/Дрýжба) zu verbinden. Mit Unterbrechungen wurde an diesem Kanal zwischen 1911 und 1942 gebaut. Aufgrund des Höhenunterschiedes von über 110 Metern mussten 10 Schleusen gebaut werden, von denen sieben zu über 70 % fertiggestellt wurden. Fünf davon liegen auf polnischem Gebiet. Diese kann man heutzutage mal mehr, mal weniger einfach besuchen.

Von der Wolfsschanze fahre ich etwa 30 Minuten bis zum Parkplatz der größten und wohl bekanntesten Schleuse des Masurischen Kanals, der Oberschleuse Fürstenau (pol. Śluza Leśniewo Górne). Wer sich bereits einmal mit dem Kanal beschäftigt hat, wird sie sofort erkennen: Das ist „die mit dem Adler“. Hoch über dem Wasser erkennt man sehr deutlich die Vertiefung, in der sich einmal ein großer Reichsadler befand. Angeblich liegt dieser Adler heute auf dem Grund des Kanals, vielleicht hing er aber auch niemals an der Schleuse. Wer weiß das schon?

Ich steuere den Parkplatz am Haus des Schleusenwärters neben der Unterschleuse Fürstenau (pol. Śluza Leśniewo Dolne) an. Parken kostet 5 Złoty und man läuft etwa 500 Meter zur Oberschleuse. Die Besichtigung an sich ist kostenlos, allerdings kann man gegen Gebühr in der Schleuse auch klettern, denn mittendrin befindet sich eine Art Klettergarten. Ich laufe einmal um das etwa 50 Meter lange Gebäude und suche den Tradi, der mal wieder beweist, dass ein Cache nicht toll sein muss, wenn es der Ort, den er zeigt, ist. Wie so oft bei Bauten aus dem Dritten Reich passen auch hier die Adjektive „mächtig“ und „beeindruckend“ sehr gut.

Weiter nördlich besuche ich die Schleuse Sandhof (pol. Śluza Piaski), die allerdings im Vergleich zu Fürstenau relativ klein und unspektakulär ist. Ich navigiere zum nächsten eingeplanten Cache, immer konzentriert. Denn die Straße ist zwar immer noch das, was man in Polen unter Straße verstehen kann, allerdings sehr sandig und mit Schlaglöchern voller Wasser. Keine Umgebung, in der man stecken bleiben will. Nach einer Kurve ist dann aber Schluss, das Risiko ist mir einfach zu groß und ich drehe um. Den Cache kann ich auch anders anfahren und freue mich, dass er mir quasi das Klischee der Masuren zeigt: Einen schönen See, mitten im Nirgendwo.

Ich nähere mich immer mehr der russischen Grenze, und biege nach Westen ab, weil ich mir eigentlich die Schleuse Langenfeld (pol. Śluza Długopole) ansehen will. Eigentlich, denn als ich denke, dass ich gerade eine Parkmöglichkeit anfahren würde, merke ich, dass ich geradewegs auf einen Bauernhof zusteuere. Nun befinde ich mich auf einem relativ schmalen Damm, auf beiden Seiten relativ feuchtes Sumpfgebiet. Wenden unmöglich. Gut, das Tor des Bauernhofs steht offen, also beschließe ich, in den Hof zu fahren und umzudrehen. Leider habe ich die Rechnung ohne den Hofhund gemacht. Der liegt mitten in der Einfahrt. Auf mein Hupen steht er auf, nur um sich einen Meter weiter wieder hinzulegen. Sämtliche Überredungsversuche meinerseits misslingen, also muss ich rückwärts wieder zurück… Es sind zwar nur 200 Meter, aber da ich ungern im Sumpf landen würde, strengt die Fahrt ziemlich an. Da ich auch beim nächsten Versuch keine Parkmöglichkeit finde, lasse ich den Cache Cache und die Schleuse Schleuse sein.

Da ich immer eine grobe Planung habe, fahre ich weiter zum nächsten Cache und werde positiv überrascht: In einem kleinen Wald liegt nur wenige Meter neben der Straße ein alter Friedhof. Laut Listing und Recherche gehört er zur Familie Totenhoefer, die im nahen Birkenfeld (pol. Brzeźnica) gelebt hat. Der letzte Grabstein datiert auf 1937, neuer ist nur ein Gedenkstein.

Nach einem kurzen Besuch im ehemaligen Gut Birkenfeld drehe ich etwa 300 Meter vor der Grenze zum Oblast Kaliningrad um und fahre über Angerburg (pol. Węgorzewo) nach Possessern/Großgarten (pol. Pozezdrze). Die Nähe zur Wolfsschanze hat auch andere Nazi-Größen angezogen. Heinrich Himmler ließ als Feldhauptquartier der SS die Feldkommandostelle Hochwald errichten. In einem Koloss von Bunker, der nur einen kurzen Spaziergang von Straße und Parkplatz entfernt ist, suche ich einen Cache. Der Bunker ist innen quasi komplett zerstört und drumherum stehen auch nur noch ein paar wenige Ruinen. Arg viel mehr ist leider nicht mehr zu sehen, aber das sollte sich morgen in Mauerwald ja noch ändern. Auf dem Rückweg zur Ferienwohnung halte ich noch an einem sehr gepflegten Soldatenfriedhof aus dem Ersten Weltkrieg an.

Tag 9: Mauerwald und Dreiländereck

Nachdem ich schon das Führerhauptquartier und das Feldhauptquartier der SS besucht habe, steht heute das Hauptquartier das OKH (Oberkommando des Heeres) in Mauerwald (pol. Mamerki). Es bestand aus circa 30 Bunkern und über 200 anderen Bauten wie Holzbaracken, Wasserversorgung, Energieversorgung usw. und war in drei Teilbereiche aufgeteilt: „Fritz“ (operative Dienststellen des Generalstabs des Heeres), „Quelle“ (Generalquartiermeister mit seinen Verwaltungs- und Logistikdienststellen) und „Brigittenstadt“ (Fernmelde- und Kommunikationszentralen), die mit „Anna“ oder „Amt Anna“ auch die Kommunikationszentrale für die Ostfront beherbergte.

Das Schöne für mich als Besucher ist, dass die Bunker am Ende des Krieges nicht mehr gesprengt wurden konnten und deshalb heute zu den am besten erhaltenen Bunkerkomplexen des Zweiten Weltkriegs gehören. Das ganze Gelände ist quasi ein riesiger geschichtlicher Abenteuerspielplatz.

Ich beginne meinen Rundgang um 8:40 Uhr auf dem Parkplatz, der komplett leer ist. Kein Wunder, denn das Museum und der Bunker, der wohl die meisten Touristen anlockt, öffnen erst um 9. Von dort laufe ich den Weg in Richtung Mauersee, der dem Areal seinen Namen gab, in den Teilbereich „Quelle“. Leider gibt in den unzähligen Bunkern und Gebäuderuinen nur einen einzigen Cache, einen Mystery, den ich nach etwas Sucherei gut finden kann.

Die Bunker sind offen und dank Holzbrettern auf dem Boden auch trockenen Fußes begehbar. Verbotsschilder sucht man hier vergebens. Wie schon in der Wolfsschanze sind es wirkliche Kolosse mit meterdicken Betonwänden. Ein interessantes Detail sind die Außenwände, die mit einer Mischung von Beton und Moos verputzt wurden. Meine Recherchen haben ergeben, dass das Grüne wohl Neptungras ist. Es gibt den Bunkern bei näherem Hinschauen eine ziemlich flauschige Note, hatte aber mehrere Aufgaben. Zum einen sollte es den Bunker im Wald tarnen (was sehr gut funktioniert), zum anderen wohl auch Splitter o. ä. von Granaten etwas abdämpfen.

Ich setze meinen Weg fort in den Bereich „Fritz“. Nördlich des Weges lasse ich fast alles aus, denn es gibt auch so sehr viel zu sehen. Zwar sind die Bunker nicht mehr so riesig wie in „Quelle“, aber es gibt unzählige verschiedene Gebäude und Ruinen, die ich mir anschaue. Teilweise muss man sich fast schon durch meterhohes Gras und Sträucher kämpfen, aber dank einer guten OSM-Karte, auf der alles eingezeichnet ist, finde ich immer, was ich suche.

Nach einer Weile erreiche ich das Museum, das einen schon von außen überrascht: Da steht ein U-Boot. Mitten im Wald. Wie auch immer. Ich bezahle insgesamt 23 Złoty für den Eintritt ins Museum, für den Bunker am Parkplatz und die Parkgebühr. Dann geht es ins Innere des Gebäudes. Ich hatte mich vorab über das Museum informiert und mehr als einmal den Begriff „Nazi-Disneyland“ gelesen.

Was soll ich sagen? In dieses Museum hat man quasi alles reingestopft, was irgendwie mit Nazis, Wunderwaffen oder anderen obskuren Kriegsgeschichten zu tun hat. Ich laufe durch einen dunklen Gang, der ein Uboot darstellen soll, sehe Waffen (u.a. MG 34, MG 42, Karabiner 98k, PM 1910, DP, PPSch-41), Puppen von Hitler, Göring und Mussolini (die sich 1941 in Mauerwald getroffen haben), eine V2, haufenweise echte Hinterlassenschaften der Wehrmacht und viele absolut dilettantische Fälschungen. Zwischendrin ist das Ganze auch wirklich ein „richtiges“ Museum und eigentlich gar nicht schlecht gemacht. Es gibt mehrere große Dioramen, die detailreich die Schlachten um Stalingrad und bei Kursk („Operation Zitadelle“) darstellen, die beide vom Mauerwald und der Wolfsschanze koordiniert wurden.

In der Abteilung „obskure Waffen, die tendenziell reine Fantasie sind“ sehe ich eine Hanebu („Reichsflugscheibe“) und die Glocke. Das hat schon etwas von „Iron Sky“. Mit der Horten Ho 229/H IX hat zumindest eine der hier ausgestellten „Wunderwaffen“ Prototypenstadium erreicht.

Den Vogel schießt dann aber das Bernsteinzimmer ab. Ja, richtig gelesen! Das Museum beherbergt ein (nein, natürlich nicht das) Bernsteinzimmer. Durchaus schön gemacht, aber trotzdem frage ich mich immer öfter, welche Touristen das alles sehen wollen. Würde ich hier ein Video für YouTube drehen, könnte ich immerhin problemlos den Titel „Unglaublich!!! Bernsteinzimmer und Nazi-UFO gefunden!“ verwenden 🙂

Nachdem ich durch das Museum durch bin, laufe ich an dem Uboot vorbei zu einem Aussichtsturm. Eigentlich habe ich ja Höhenangst, aber weil das bei dem Bunker an der Wolfsschanze so gut geklappt hat, wage ich mich mal nach oben. Ich hatte mit Problemen nach wenigen Metern gerechnet, noch dazu, weil der Turm nur aus Gittern besteht. Aber es kommen keine. Ich kann also ungestört und ohne flauem Gefühl im Magen die tolle Aussicht über die masurischen Seen in 38 Metern Höhe genießen, bevor es weiter geht.

Am Ende meines Ausflugs nach Mauerwald steht der Besuch der beiden Bunker (Kommando- und Kommunikationszentrale) am Parkplatz. Diese sind nicht, wie die anderen, leer, sondern wurden mit Puppen und Ausstellungsstücken mehr oder weniger historisch korrekt ausstaffiert. Sieht man einmal vom scheinbar üblichen „der Führer und ein Zombie“-Kitsch (kein Scherz!) ab, war das nicht schlecht und lockerte die sonst leeren Räume auf. Übrigens sollte man seine Taschenlampe nicht vergessen, denn die Räume sind zwar spärlich beleuchtet, das Highlight – ein Tunnel, der beide Bunker verbindet und den man gebückt durchlaufen kann – ist aber stockdunkel.

Der komplette Rundgang ist etwas über 4 Kilometer lang, es lohnt sich aber in jedem Fall, mehr als nur das Museum und den Doppelbunker zu besuchen.

Gegen Mittag sitze ich wieder im Auto und fahre wie geplant über Gołdap weiter nach Nordosten. Mein Ziel ist Żerdziny, da dort das Dreiländereck Litauen – Polen – Russland liegt. Natürlich gibt es dort einen Cache, der ziemlich fies zu bergen ist. Ich fahre den im Listing angegebenen Parkplatz an, der sich als Feldweg und Wiese entpuppt, und laufe von dort zum Dreiländereck. Auf der rechten Seite Litauen, mit einem Grenzzaun, der zur polnischen Seite nach wenigen Metern aufhört, links in Richtung Russland aber natürlich mindestens bis zum Wystiter See geht. Russland selbst hat noch einmal einen eigenen Zaun aufgestellt, alles natürlich nebst Kameraüberwachung.

Wie gerne hätte ich die Reise auf die russische Oblast Kaliningrad ausgedehnt, aber die Grenze ist wegen Corona dicht. So blieb mir nur der Dreiländerpunkt, den ich aber nicht einmal umrunden darf, da das im russischen Drittel eine illegale Grenzverletzung wäre. Die kostet zwar in Polen „nur“ bis zu 500 Złoty (110 Euro) Strafe, aber was einem vonseiten der Russischen Föderation passiert, möchte ich lieber nicht testen. Und so komme ich eben nur auf 2 Zentimeter an Russland ran.

Nachdem der Cache geborgen ist und ich einige Fotos geschossen habe, mache ich mich auf den Weg zurück zum Auto. Statt weiterzufahren, spaziere ich noch kurz auf zwei Dosen nach Litauen. Auf der Rückfahrt cache ich mich nach und nach zur Ferienwohnung zurück. Ich besuche mehrere alte Friedhöfe, einen See, einen schweißtreibenden Earthcache und die Ruine einer Kirche. Als ich Hunger kriege, finde ich ein tolles Restaurant direkt an einem See und genieße die masurische Küche, bevor es dann wirklich zurückgeht.

Tag 10: Rastenburg – Łomża

Das war es dann mit Masuren, die Reise geht weiter. Zwar sind es heute nur ungefähr 120 Kilometer Luftlinie, ich fahre aber ein paar unbedeutende Umwege und bin deswegen über 8 Stunden unterwegs. Immerhin will ich ja etwas sehen und nicht nur Kilometer fressen. Die gefundenen Caches heute sind wieder überschaubar, dafür sind ein paar sehr interessante dabei.

Nach dem fast schon obligatorischen Besuch eines Friedhofs fahre ich weiter. Genaugenommen sind es sogar zwei Friedhöfe. Ein Soldatenfriedhof und die Reste eines uralten Friedhofs mitten im Wald, komplett mit Brennesseln zugewuchert. Den Cache dort habe ich leider nicht gefunden, dafür aber ein paar eiserne Grabkreuze mit Sterbedaten um 1884.

Die erste richtige Stadt, in der ich halte, heißt Johannisburg (pol. Pisz). Hier habe ich zwei bedoste deutsche Bunker ausgemacht, die ich besuchen will. Der erste Cache ist ein Regelbau 107a (Bataillons- oder Regiments-Gefechtsstand), steht direkt an der Hauptstraße und fungiert quasi als Bushaltestelle. Der zweite liegt an einem Regelbau 502 (Doppelgruppenunterstand), der etwas versteckt liegt. Nachdem ich herausgefunden habe, wie ich dort hinkomme, erwartet mich ein sehr schön restaurierter Bunker, um den eine Vielzahl von Einmannbunkern, Panzersperren und Tschechenigeln drapiert wurden. Hier scheint ein kleines Museum zu entstehen.

Statt jetzt direkt weiter nach Süden zu meinem Ziel in Łomża zu fahren, nehme ich die Straße nach Osten und besuche Teil eins der heutigen „Plätze zu denen Sabaton ein Lied geschrieben hat“-Tour: Die Reste des Forts II der Festung Osowiec, wo am 06. August 1915 der sogenannte „Kampf der toten Männer“ stattfand. Nach einem deutschen Gasangriff wurde mit wenig Gegenwehr gerechnet, die russischen Soldaten überlebten aber, bedingt durch Wind und die niedrige Höhe der Gaswolke, und spuckten „nur“ Blut, konnten aber weiterhin kämpfen. Diese halbtoten, blutbesudelten Männer versetzten die deutschen Soldaten in Panik und der Angriff wurde abgebrochen. Es gibt einen interessanten Kurzfilm zu diesem Thema und das Video zum Sabaton-Song „Attack of the dead men“ habe ich schon gebloggt. Ich höre es auch, während ich ein paar kleinere Ruinen genauer anschaue und einen Multi durch den angrenzenden Sumpf absolviere.

Ich cache mich durch ein Waldgebiet zum zweiten Teil, der für Polen ein sehr wichtiger ist. Die Schlacht bei Wizna, die hier im September 1939 stattfand, wird auch „Polnische Thermopylen“ genannt, nach der Schlacht, die im Film „300“ thematisiert wird. Hier standen sich etwas über 700 Polen mehr als 40000 Deutschen gegenüber, daher auch der Sabaton-Titel „40:1“. Eine Übermacht, bei der die polnische Armee eigentlich keine Chance gehabt hätte. Trotzdem hat sie den deutschen Angriff drei Tage aufhalten können, bevor sich der polnische Befehlshaber als letzter Mann mit einer Handgranate in die Luft sprengte. Genug Stoff also für Legenden. Die Reste der Bunker und das Denkmal sind auf jeden Fall einen Besuch wert, schon allein aus Geschichtsinteresse. Der Tradi und der Earthcache sind da eher Mittel zum Zweck.

Jetzt wäre eigentlich die Fahrt ins Hotel naheliegend, doch ich habe noch einen Schlenker ins etwa 15 Kilometer entfernte Nowogród eingeplant. Dort steht an einem Fluss ein polnischer Bunker. Die Gegend hält wirklich Befestigungen vieler Nationen bereit. Leider ist der Bunker nicht offen und so hole ich kurz den Cache, schaue ich mir kurz den Panzer oberhalb an und fahre zum letzten Punkt für heute. Noch ein Bunker, dieses Mal wieder ein deutscher, wartet auf mich. Und das wird zum Abschluss des Tages mal wieder, das, was wir Cacher gerne mal machen: Wir unterschätzen. Sind ja nur 250 Meter Luftlinie. Fast ein Drive-in. Ich parke und laufe los. Quasi Luftlinie, denn Wege gibt es keine. Den Bunker, einen Regelbau 105a (MG Kasematte ohne Gruppe mit Kleinstglocke und Flankierungsanlage) finde ich aber relativ problemlos. Und der Besuch hat sich durchaus gelohnt, denn er ist sehr gut erhalten und auch die Inschriften kann man noch gut lesen.

Kurze Zeit später sitze ich dann beim Abendessen im Hotel. Modern ausgestattet, super gelegen und leider heute Veranstaltungsort einer Hochzeit… Entgegen meinen Befürchtungen bleibt es nachts aber relativ ruhig, wenn man davon absieht, dass irgendjemand nachts um 4 den Staubsauger (!) angeworfen hat…

Tag 11: Lomza – Warschau – Lodz

Bedingt durch die nächtliche Staubsaugeraktion bin ich nicht sonderlich ausgeschlafen. Noch dazu hat es die halbe Nacht geregnet und an mein Dachfenster getrommelt. Egal, nach dem fast schon obligatorischen Besuch von zwei naheliegenden Soldatenfriedhöfen geht es weiter in Richtung Warschau.

Die polnische Hauptstadt habe ich ja im letzten Jahr schon ausgiebig besucht, aber ich will die Möglichkeit nutzen und das Museum Warschauer Aufstand besuchen. Letzten Sommer war der Eintritt in das Museum an dem Tag gratis und es hatte sich eine ewig lange Schlange gebildet. Heute ist die Schlange zwar auch nicht kurz, aber wesentlich kürzer. Aber ich habe mir vorab eine Karte gekauft und muss daher gar nicht anstehen. Leider gilt die Karte erst ab in zwei Stunden, da die Anfahrt doch etwas schneller als geplant ablief, und so muss ich noch etwas Zeit totschlagen. Ich löse den Multi und schaue mir das Außengelände etwas näher an.

Etwa eine Stunde vor Termin hat das System ein Erbarmen, der QR-Code auf meinem Ticket wird akzeptiert. Coronabedingt muss man während des Aufenthalts eine Maske und Handschuhe tragen. Das mit den Handschuhen ist ungewohnt aber nicht weiter tragisch. Das Museum ist wirklich interessant, leider sind aber viele Stationen „zum Anfassen“ gesperrt, sodass ich bereits nach etwa einer Stunde wieder gehe. Schade, aber trotzdem hat sich der Besuch gelohnt.

Ich beschließe, den Virtual |PW10| Kotwica in meiner Planung vorzuziehen und besuche mehrere der Stationen. Irgendwann bemerke ich, dass es Mittag ist und ich den ganzen Tag quasi nichts gegessen habe. Perfekt, so kann ich in eine Milchbar essen gehen. Diese Bar mleczny, hat mit Kühen oder Milchshakes nichts zu tun, sondern erinnert an eine Kantine mit 80er Charme und günstigem, deftigem Essen. Die Gdanski Bar Mleczny kenne ich schon aus 2019. Das Essen – Kotlet schabowy (paniertes Schnitzel) mit Kartoffelbrei, Kapusta zasmażana (Krautsalat), kalte Rote-Beete-Suppe und Kompot (eine Art Fruchtsaft) – ist wie erwartet sehr lecker und kostet gerade einmal 26 Złoty (ca. 5,80 Euro).

Ein paar Caches später bin ich auf dem Weg nach Łódź. Nachdem ich im Hotel eingecheckt habe, drehe ich eine Runde durch die Innenstadt. Hier gibt es doch noch eine Handvoll Dosen fußläufig. Außerdem habe ich bei einem Virtual noch eine Rechnung offen: Dem Owner haben im letzten Jahr mehrere Fotos nicht ausgereicht, er bestand darauf, dass ich einen Zettel in der Hand haben muss, auf dem Name, Datum und Uhrzeit (!) stehen müssen. Loglöschung, Diskussion, na ja, manche Owner sind halt sehr pingelig. Wie auch immer, ich bin heute darauf vorbereitet und muss in den mitgebrachten Zettel nur noch die Uhrzeit eintragen. Den Abschluss markiert ein sehr gutes Abendessen in einem georgischen Restaurant direkt um die Ecke vom Hotel.

Aufgrund der Länge der Reise und der Menge an Eindrücken, habe ich mich entschlossen, diesen Bericht in mehrere Beiträge aufzuteilen. Weiter gehts mit Teil vier.

Ich hoffe, dir hat mein Reisebericht gefallen. Falls du Fragen hast, ab damit in die Kommentare!

Ein Mega, fünf Länder, elf Tage – Teil 4

Übersicht

Ende Juni/Anfang Juli 2016 war ich in Lettland, Litauen, Estland, Finnland und Åland. Auslöser war das erste Megaevent in Estland, GeoJaanipäev Estonia 2016, in der Nähe von Tallinn.

Ich habe den Bericht in 4 Teile aufgeteilt:
Ein Mega, fünf Länder, elf Tage – Teil 1 – Riga, Litauen, Tallinn
Ein Mega, fünf Länder, elf Tage – Teil 2 – Megaevent, Helsinki
Ein Mega, fünf Länder, elf Tage – Teil 3 – GC72, Turku, Åland
Ein Mega, fünf Länder, elf Tage – Teil 4 – Rückfahrt nach Riga, Länderinformationen, Fazit

Im dritten Teil Teil ging es um den uralten Cache GC72, die Fahrt nach Turku und Åland.

Tag 10 – Fahrt von Tallinn nach Riga
Direkt beim wachwerden haben wir den Blick aufs Wasser. Ja, es ist immer noch da. Der Fernseher wie im Flugzeug zeigt unsere Position, die wir als Geocacher natürlich schon weit genauer auf dem Handy anschauen können 🙂 Nach dem sehr üppigen „Special Breakfast“ biegt die MS Romantika schon bald in den Hafen von Tallinn ein. Wir rollen von Bord und haben wieder festen, estnischen Boden unter uns. Wir nehmen noch einen Cache am Hafen und einen am Flughafen mit, dann heißt das nächste Ziel Riga. Auf dem Weg noch einen Cache unter einer Brücke, einen an einer Brücke und schon sind wir wieder in Lettland.

Ostseestrand

Wir kommen zügig voran und halten irgendwann in der Nähe von Vitrupe an, um eine Weile an den Strand zu gehen. Es tut gut, nach der ganzen Fahrerei mal die Füße ins Wasser zu stellen und etwas Pause zu machen. Wir folgen weiter der A1 bis Baltezers und biegen dann aber nicht nach Westen in Richtung Riga ab, sondern fahren weiter nach Süden. Das hat einen Grund: Wir wollen den einzigen Virtual Cache im Baltikum besuchen.

Lager Salaspils

Auf dem Weg dorthin erleben wir dann auch etwas, das es auf der ganzen Reise nicht wirklich gab: Wir stehen im Stau. Der kostet uns zwar ordentlich Zeit, aber den Ort, an dem der Virtual gelistet ist, schauen wir uns trotzdem in Ruhe an. Es ist die Gedenkstätte des ehemaligen „Erweiterte Polizeigefängnis und Arbeitserziehungslager Salaspils“ auch Lager Kurtenhof genannt. Was dort die Stimmung ziemlich bedrückend macht, beschreibe ich hier nicht, weil es die Lösung des Virtuals ist. Wer aber Riga besucht, sollte einen Abstecher nach Salaspils machen.

Nachdem wir im Hotel eingecheckt und uns frisch gemacht haben, fahren wir in die Innenstadt. Nachdem wir festgestellt haben, daß befreundete Cacher aus Frankfurt (*wink*) zur selben Zeit in Riga sind, haben wir beschlossen, zum Abschluß der Reise schön essen zu gehen. Ich kannte das Mittelalterestaurant in einem Gewölbekeller schon von unserem Besuch 2014 und habe mich schon eine Weile auf das Ambiente und natürlich das Essen gefreut. Auf jeden Fall ein gelungender Abschluß.

Schwarzhäupterhaus

Tag 11 – Riga und Rückflug
Nach dem Frühstück am letzten Tag schauen wir uns die Jugendstilhäuser rund um die Elizabetes iela an. Den Multi habe ich schon 2014 gefunden, die Stages führen einen aber an allen wichtigen Häusern vorbei. Hier ist ganz schön was los, scheinbar muß es der Traum von Rentnern aus aller Welt sein, einmal Jugendstilhäuser in Riga anzuschauen 🙂

Danach sammeln wir noch ein paar Mysterys ein, die teilweise schon seit über 2 Jahren in meiner GSAK-Datenbank liegen und beim letzten Mal nicht gesucht oder gefunden werden konnten. Durch die Moskauer Vorstadt geht es für einem kurzen Abstecher zum Zentralmarkt, da wir uns noch ins Logbuch des Wherigo eintragen müssen.

Wir fahren zum Flughafen, der Mietwagen wird abgegeben, wir checken ein und heben ab. Am elften Tag geht unsere Reise zuende. Bis zum nächsten Mal im Baltikum!

Länderinformationen
Einreise:
Lettland, Litauen, Estland, Finnland (und damit auch Åland) gehören zur EU und nehmen am Schengener Abkommen teil. Sprich: Zwischen den einzelnen Ländern gibt es keine Grenzkontrollen und ein Personalausweis reicht zur Einreise aus.

Sprache:
In allen besuchten Ländern kommt man mit Englisch gut durch.
Im Baltikum verstehen zwar historisch bedingt viele Menschen Russisch, haben es aber verständlicherweise nicht so gerne, wenn sie direkt auf Russisch angesprochen werden. Russisch ist auch in keinem der Länder Amtssprache.

Währung:
In allen besuchten Ländern wird mit dem Euro bezahlt.

Autofahren:
Im kompletten Baltikum gilt innerorts 50 km/h und außerorts 90 km/h, selten 110 km/h, und es muß rund um die Uhr mit eingeschaltetem Licht gefahren werden. Die Straßenverhältnisse sind auf den Hauptstraßen gut, auf Nebenstraßen kann es schon mal sein, daß man ein paar Kilometer auf einer Schotterpiste fahren muß.

Es gibt Autobahnen, diese sind aber eher mit unseren Bundesstraßen vergleichbar und verfügen mit Glück über 2 Spuren in jede Richtung, meist gibt es jeweils nur eine. Wenn man sich online informiert, stößt man oft auf Schauermärchen wie „Besoffene Radfahrer auf der Autobahn“. Richtig ist, daß es direkt an der Autobahn Bushaltestellen gibt, Menschen auf dem Weg zu diesen schon mal die komplette Straße überqueren, es Zebrastreifen gibt oder gerne mal plötzlich ein Feldweg abgeht. Auch rechts ran fahrten und halten ist selten ein Problem. Auffällig ist, daß, vor allem bei Straßen mit nur einer Richtungsfahrbahn, gerne mal eine dritte Spur in der Mitte aufgemacht wird. Sprich: Es wird nicht nur ein Auto überholt, sondern eine ganze Weile in der Mitte gefahren. Daran gewöhnt man sich aber schnell und fährt etwas weiter rechts. Alles in allem ist Autofahren im Baltikum aber entspannt, solange man sich den anderen Fahrern etwas anpasst.

In Finnland sind die Straßen gut ausgebaut und unterscheiden sich wenig von den aus Deutschland gewohnten. Innerorts gelten 50 km/h und außerorts maximal 90 km/h bzw. 120 km/h auf Autobahnen. In Åland fährt es sich sehr entspannt, der wenige Verkehr scheint sich gut zu verteilen.

Weitere aktuelle Informationen beim Auswärtigen Amt: Estland, Lettland, Litauen, Finnland.

Cachen:
Geocaching ist international und zumindest in den Touristenregionen sind die meisten Caches mehrsprachig. Wie überall auf der Welt hat jede Stadt oder Region gewisse Eigenheiten, die man aber nach einigen Funden kennt und anwenden kann. Ach ja: Wer bisher dachte, es ginge nicht mehr  kürzer als „TFTC“, der wird in Finnland eines Besseren belehrt. Dort bestehen manche Logs nur aus zwei Buchstaben: KK. Das ist die Abkürzung für „Kiitos kätköstä“ und bedeutet, richtig, „Danke für den Cache“.

Unterkünfte:
Die Hotels und Unterkünfte will ich bewußt ansprechen. Sie sind alle empfehlenswert, wenn man keinen 5-Sterne-Luxus braucht.

Riga: Ibis Styles Riga. Ich bin ein Fan der Hotels des Accor-Konzerns. Normalerweise reicht mir ein Ibis Budget, das Ibis Styles ist etwas besser. Für Reisende, die nicht mobil sind, ist das Hotel etwas ungeschickt gelegen, weil die nächste ÖPNV-Haltestelle grob 800 Meter weit weg ist.

Tallinn: Nettes Apartment nahe an der Altstadt von Tallinn. Wir sind zwar nur zum schlafen hier, aber es ist alles da, um auch mal etwas zu kochen. Die Vermieterin kümmert sich super um uns und spricht sehr gut Deutsch. Mit 20 Euro Rabatt bei Airbnb anmelden!

Helsinki: Kleine Wohnung mit einem wunderbaren Blick aufs Meer. Sehr gut ausgestattet, es gibt sogar eine Sauna. Die Endhaltestelle der Straßenbahn ist 5 Minuten weg. Mit 20 Euro Rabatt bei Airbnb anmelden!

Turku: MS Borea. Dieses Schiff liegt (natürlich) direkt am Hafen. Man sollte keinen riesigen Komfort erwarten, aber für eine Nacht sind die Kabinen echt okay und das Frühstück auch.

Mariehamn: Strandnäs Hotel. Liegt etwas außerhalb, ca. 3 Kilometer von der Innenstadt weg. Ruhiges Hotel, reichhaltiges Frühstück.

Fazit
Die 11 Tage haben viel Spaß gemacht, auch, wenn dieser Urlaub für manche sicher fast schon Streß ist. Wir haben, auch dank Geocaching, viel gesehen. Ins Baltikum würde ich aus verschiedenen Gründen (u.a. Kurische Nehrung, Bunker der Molotow-Linie, baden) auf jeden Fall noch einmal wollen. Auch Finnland würde ich nochmals besuchen, mit Ausnahme von Suomenlinna würde ich Helsinki aber auslassen, weil wir die Innenstadt ja schon ausgiebig besucht haben. Åland ist superschön, aber doch sehr überschaubar. Ich denke, maximal 2 Tage reichen da aus, aber man könnte noch etwas Badeurlaub dranhängen.

Impressionen Tag 10 und 11

Ein Mega, fünf Länder, elf Tage – Teil 3

Übersicht

Ende Juni/Anfang Juli 2016 war ich in Lettland, Litauen, Estland, Finnland und Åland. Auslöser war das erste Megaevent in Estland, GeoJaanipäev Estonia 2016, in der Nähe von Tallinn.

Ich habe den Bericht in 4 Teile aufgeteilt:
Ein Mega, fünf Länder, elf Tage – Teil 1 – Riga, Litauen, Tallinn
Ein Mega, fünf Länder, elf Tage – Teil 2 – Megaevent, Helsinki
Ein Mega, fünf Länder, elf Tage – Teil 3 – GC72, Turku, Åland
Ein Mega, fünf Länder, elf Tage – Teil 4 – Rückfahrt nach Riga, Länderinformationen, Fazit

Im zweiten Teil Teil ging es um das Megevent, das Drumherum und Helsinki.

Da ist GC72

Tag 7 – GC72 und Fahrt nach Turku
Als ich mich an die Planungen zu dieser Reise gemacht habe, habe ich natürlich mehre Optionen durchgespielt. Unter anderem stellte sich die Frage, wie wir von Helsinki nach Mariehamn auf Åland kommen würden. Natürlich kann man eine direkte Fähre nehmen, allerdings will man natürlich nicht den ganzen Tag auf dem Schiff verplempern (auch wenn das viele sicher gerne machen), sondern von A nach B kommen. Eine Möglichkeit war, mit dem Auto nach Turku an der Westküste Finnlands zu fahren, dort zu übernachten und am nächsten Morgen die Fähre nach Åland zu nehmen.

Bevor wir uns auf den Weg nach Turku machen, haben wir allerdings noch einen Ausflug in nördlicher Richtung auf dem Plan: Der älteste Cache Finnlands, GC72 „Sun Gear“, liegt seit September 2000 in einem an einer schönen Stelle mitten Wald grob 30 Kilometer außerhalb von Helsinki. Da ich den jeweils ersten Cache in Deutschland, Kontinentaleuropa und Europa gefunden habe, kann ich diesen unmöglich ungefunden lassen und so landet er natürlich auf der Liste.

Vorher besuchen wir noch einen Virtual und zwei Tradis, bevor wir zu den von mir als passend befundenen Parkkoordinaten fahren. Was danach kommt ist nicht immer ganz einfach, weil es zwar bis direkt zum Cache mehrere Trampelpfade gibt, diese aber nicht immer klar zu erkennen sind. Und so laufen wir halt ein paar Hundert Meter durch einen Wald, wie man ihn sich in Finnland vorstellt, mit Moos, sumpfigen Stellen, Tümpeln, Felsen, umgestürzten Bäumen und Resten von Waldarbeiten.

MS Borea

Der Abstand zu den Koordinaten wird konstant weniger und irgendwann klettern wir auf einen Felsen. Ha, ich hab die Dose! Genau DA muß sie liegen. Genau DA lag sie nicht. Aber von DA konnte ich sie dann wirklich sehen 🙂 Das ist wirklich Oldschool-Geocaching, der Cache zeigt eine sehr schöne Stelle mitten im Wald und auch das Blättern im Original-Logbuch macht Spaß. Scheinbar ließ der FTF damals tatsächlich mehrere Monate (!) auf sich warten. Wir loggen, machen ein paar Fotos und laufen zurück zum Auto. Und wie das so ist: Zurück gehts dann wesentlich schneller, auch, wenn wir einfach dem Weg folgen 🙂

Der Weg nach Turku wird von ein paar Caches unterbrochen, ist aber sonst nichts Besonderes. Nachdem wir in unserem schwimmenden Hotel eingecheckt haben, gehen wir rund um den Hafen cachen und danach typisch finnisch essen. Na gut, fast, aber der Vietnamese ist bezahlbar und gut.

Aland auf Aland

Tag 8 – Fähre nach Mariehamn und Åland inklusive Event
Am nächsten Morgen sitzen wir schon sehr früh (immerhin sind wir ja im Urlaub!) am Frühstückstisch, bevor wir zur Fähre fahren, die um 8:15 Uhr Richtung Mariehamn ausläuft.  Da der Checkin einige Zeit in Anspruch nimmt, sollte man bereits eine Stunde vorher da sein um dann 45 Minuten dumm rumzustehen^^ Die Überfahrt ist wesentlich bequemer als nach Helsinki, es gibt gratis WLAN an Bord und das Wetter ist super. Zeit also, auf Deck einfach mal einzupennen und mit einem Sonnenbrand im Gesicht aufzuwachen…

Gegen 13:30 legt die MS Galaxy im Hafen von Mariehamn an. Wir betreten die Åland-Inseln. Wenig später finden wir den ersten Cache und färben ein weiteres, wenn auch sehr kleines, Land auf der Karte ein. Wir cachen uns in aller Ruhe zum Hotel und bekommen so schon einige Eindrücke der Stadt mit. Nach dem Checkin begeben wir uns zum Rökeri Kiosken, wo wir ein Event veranstalten. Wie schon in Island ist auch diesmal ein Hotdog Stand die perfekte Location. Es kommen erstaunlich viele Cacher zusammen, alles in allem zwischen 15 und 20 und aus Åland, Finnland, Schweden und Deutschland. Zwischendurch lernen alle das urdeutsche Wort „Rudelcachen“ und was es bedeutet 🙂

Nach dem Event schauen wir uns noch die Gegend etwas an und finden neben einer netten Bastelei und einem Oldie auch eine Letterbox und einen sehr passend versteckten Cache am Flughafen.

Käringsund

Tag 9 – Åland, EM-Aus und Fähre nach Tallinn
Am nächsten Tag haben wir viel Zeit, um Åland weiter zu erkunden, denn unsere Fähre nach Tallinn fährt erst um 1 Uhr in der Nacht ab. Wir folgen der historischen Postroute, die uns Stück für Stück näher an Eckerö bringt. Ålands Bauern waren zur Beförderung der Post verpflichtet. Heute sieht man davon nur noch einen Pfosten mit Zahlen jeden Kilometer. Netterweise findet man so im Abstand von einem Kilometer eine Dose einmal quer über das Land. Zwischendurch halten wir für einen kleinen Snack an einer Bäckerei. Quasi åländische süße Stückle. Nicht ganz preiswert aber wahnsinnig lecker. Irgendwann kommen wir am westlichsten Ende Ålands und damit Finnlands an und finden das TB-Hotel sowie einen gut gemachten Cache am Land’s End. Schweden ist hier nur grob 30 Kilometer entfernt.

Wir fahren weiter nach Norden an den Käringsund. Hier gibt es einen Earthcache und vor allem einen Tradi, den wir quasi nur suchen, weil uns der Earthcache in die Ecke schickt. Der Cache ist nicht mal versteckt und auch komplett nebensächlich. Die Stelle ist der Hammer. Hier kann man sicher Stunden sitzen, aufs Meer schauen, die Sonne genießen und einfach abschalten. Aber irgendwann müssen wir dann doch weiter. Südlich von Mariehamn, auf der Insel Nåtö, gibt es noch einen weiteren Earthcache.

Aland - entmilitarisiert und autonom

Es wird langsam spät und um 22 Uhr spielt Deutschland gegen Frankreich im Halbfinale der EM. Eine Sportsbar ist nach ein wenig Online-Recherche gefunden und zumindest auf dem Papier wird es ein nobler Abend: Wir essen dinieren im Hotel Adlon. Kein Witz! Dort gibt es nämlich eine Mischung aus Pizzeria und Sportsbar deren Domain pizza.ax man sich fast genauso gut merken kann wie die Telefonnummer 12345. Die Pizza ist gut, das Spiel leider weniger. Nachdem Pizza und Spiel gegessen sind, fahren wir einmal um den Block und warten auf die Fähre, die uns durch die Nacht nach Tallinn bringen soll. Die Reise ist sehr entspannt und die Stunden vergehen wie im Schlaf (höhö^^). Da wir zwingend eine Kabine buchen müssen und natürlich nicht unbedingt mit anderen Menschen zusammen wohnen wollen, landen wir in einer Deluxekabine, die natürlich auch nicht ganz billig ist. Dafür erwartet uns am nächsten Morgen der Blick direkt vom Bett aufs Wasser und ein „Special Breakfast“, das normalerweise €17,50 gekostet hätte. Da es auf Fähren immer übertrieben teuer ist, weiß ich nicht, was uns erwarten würde. Nur so viel: Es gab keinen Meerrettich für den Lachs. Da habe ich Kaviar genommen 🙂

Impressionen Tag 7 bis 8

Ein Mega, fünf Länder, elf Tage – Teil 2

Übersicht

Ende Juni/Anfang Juli 2016 war ich in Lettland, Litauen, Estland, Finnland und Åland. Auslöser war das erste Megaevent in Estland, GeoJaanipäev Estonia 2016, in der Nähe von Tallinn.

Ich habe den Bericht in 4 Teile aufgeteilt:
Ein Mega, fünf Länder, elf Tage – Teil 1 – Riga, Litauen, Tallinn
Ein Mega, fünf Länder, elf Tage – Teil 2 – Megaevent, Helsinki
Ein Mega, fünf Länder, elf Tage – Teil 3 – GC72, Turku, Åland
Ein Mega, fünf Länder, elf Tage – Teil 4 – Rückfahrt nach Riga, Länderinformationen, Fazit

Im ersten Teil ging es um die ersten Tage in Riga, einen Ausflug nach Litauen und die Fahrt nach Tallinn.

Klooga järv

Tag 4 – Megaevent GeoJaanipäev Estonia 2016
Da ist er also: Der Auslöser für diese Reise, das erste Mega in Estland. Ich war wie gesagt 2014 schon einmal kurz in diesem Land, aber ausführlich kennengelernt habe ich es in diesen wenigen Stunden natürlich nicht. Das sollte sich heute ändern. Gegen 11 Uhr suchen wir ein paar Dosen und bewegen uns langsam in Richtung Eventgelände. Da wir die Registrierung ja schon auf dem Meet & Greet erledigt haben, müssen wir weder anstehen, noch irgendwo warten. Scheinbar läuft aber sowieso alles, zumindest sehe ich keine längeren Schlangen. Nachdem wir einige Bekannte aus einer bestimmten Reisegruppe begrüßt haben, machen wir uns schon wieder vom Acker.

Steilküste

Da ich keiner bin, der 8 Stunden auf einem Event sitzen muß (auch wenn das mit den richten Leuten durchaus vorkommen kann), gehe ich gerne in der Nähe cachen. Da sieht es leider etwas mau aus. Zwar gibt es einen interessanten Cache direkt am Eventgelände und einige wenige in fußläufiger Entfernung, das wars dann aber auch schon. Aber wir sind ja mobil und so beschließen wir, diesen Vorteil auszuspielen. Der „Poker Run“ klingt interessant, also nutzen wir die Gelegenheit, uns mit den Koordinaten zu versorgen und einige der Stationen zu besuchen. Zur Erklärung: Beim Poker Run sucht man insgesamt 14 Caches, die nicht auf geocaching.com gelistet sind, aber meist in der Nähe eines „richtigen“ Caches liegen. Dort findet man farbige Umschläge, von denen man maximal 5 aus verschiedenen Dosen sammelt. In den Umschlägen befinden sich Spielkarten und wer am Ende mit seinen 5 Karten das höchste Blatt hat, gewinnt.

JP und Kadri zusammen mit Signal

Das klingt gut und auch wenn wir Pech haben und in 6 von 6 Dosen nur Nieten finden, es hat sich gelohnt. Wir sehen tolle Ecken im Nordwesten Estlands: Einen See mit einem Schwimm-/Tauchcache, den meine Begleiterin gleich spontan angeht, eine sehr schöne Stelle mit Wald und Bach keine 50 Meter von der Straße weg, einen Multi an der Steilküste mit einem coolen Final und zu guter Letzt einen Cache aus 2001. Und einen Mini-Bunker gibt es auch noch zu sehen. Wir treffen andere Cacher aus verschiedenen Ländern und haben wirklich Spaß. Von daher: Daumen hoch für die Idee, den Poker Run zu nutzen, um Cachern das Land zu zeigen!

Pünktlich zum Start des Abendprogrammes um 19 Uhr sind wir wieder in Vanamõisa auf dem Eventgelände. JP und Kadri begrüßen zusammen mit Signal die Teilnehmer und ziehen die Gewinner der Lotterie. Heather Feather vom HQ in Seattle erklärt, wie sie dazu kommt, gerade ein Mega in Estland zu besuchen: Es gibt ein internes Bewerbungsverfahren bei Groundspeak und Heather hatte das Glück, daß ihr Wunsch in Erfüllung ging.

Das Wetter ist immer noch super und schön warm. Für die Zuschauer zumindest. Wie man sich bei Temperaturen nahe an 30° im Schatten in einem Froschkostüm fühlen muß, will ich mir gar nicht ausmalen. Man muß auch mal eine Lanze für die Dame im Frosch brechen. Klar, das ist ihr „Job“, sie macht das freiwillig und sie kann natürlich ohne Rücksicht auf Verluste oder Peinlichkeiten auf dem Event rumhüpfen. Trotzdem wäre ich wohl nach 10 Minuten im eigenen Saft gestanden und nach 20 durchgedreht.

Feuer

Irgendwann erinnern uns unsere Mägen daran, daß wir ja noch Essen vorbestellt haben. Es gibt Šašlõkk, quasi das Pendant zum deutschen Schaschlik, direkt vom Grill mit Kartoffeln und Gemüse zu einem fairen Preis. Die Preisgestaltung ist allgemein okay und hier gibt es für mich, im Gegensatz zum Giga in Essen, nichts zu kritisieren.

Langsam wird es dunkler, so wirklich dunkel wird es zu dieser Jahreszeit auch im Baltikum nicht. Zeit, das Feuer zu entfachen. Nebenher steht ein estnischer Comedian auf der Bühne, der aber seine Mühe hat, da das doch sehr internationale Publikum scheinbar nicht unbedingt auf der selben Linie wie sein Humor ist. Gleichzeitig kann man den ganzen Tag Kiiking ausprobieren, eine Art Schiffsschaukel ohne Schiff. Einige schaffen einen Überschlag und es ist interessant, das einmal live zu erleben.

Um 21 soll mit Maarja dann eine bekannte estnische Sängerin auftreten. Scheinbar hat sie oder ihr Management keine Lust, jedenfalls wird das Konzert kurz vorher abgesagt. Die Orga des Megaevents rotiert kurz, schafft es aber innerhalb kürzester Zeit, Elina Born auf die Bühne zu bringen. Laut Wikipedia ist die Sängerin beim ESC für Estland angetreten, also muß mir der Name nichts sagen 🙂 Sie scheint die Ruhe selbst zu sein und bezieht das Publikum gut mit ein. Keine Ahnung, wie gut Maarja gewesen wäre und wer überhaupt gemerkt hat, daß da jemand anderes singt. Aber die Orga hat hier schnell reagiert und mehr als einen Ersatz organisiert.

Der Rest des Abends ist schnell erzählt: Kurz vor 22 Uhr begeben sich mehr und mehr deutschsprachige Cacher in ein kleines Gebäude auf dem Gelände. Hier findet gerade ein Kampf zwischen WLAN (das übrigens auf dem Mega grundsätzlich frei und offen ist!) und dem Stream Deutschland – Italien statt. Leider gibt es immer wieder Aussetzer, aber am Ende zieht die deutsche Mannschaft ins Halbfinale ein und die Probleme sind vergessen.

Alles in allem ein gut organisiertes, sehr entspanntes Megaevent mit fairen Preisen.

Tag 5 – CITO, Tallinn und Fähre nach Helsinki

Stadtmauer Tallinn

Der Sonntag beginnt mit dem CITO und einem Event von tschechischen Woodcoinern, das etwas chaotisch abläuft und bei dem es irgendwie auch kein Logbuch gibt. Danach machen wir uns auf den Weg nach Tallinn, um uns die Altstadt von Tallinn näher anzuschauen.

Auf dem Weg dort hin fahren wir noch zu einer Cacheempfehlung, die wir bekommen haben: Šokolaadimeistri ist ein wirklich toll gemachter, sehr stimmiger Cache, der sich super in die Umgebung einfügt.

Die Fähre nach Helsinki fährt um 18:45 Uhr, also bleibt uns genug Zeit. Leider zeigt sich das Wetter von seiner schlechten Seite und es regnet immer mal wieder. Letztendlich sehen wir aber viel von der Altstadt und finden auch einige Dosen. Als gar nicht so einfach entpuppt sich dabei der Cache Stadtluft macht frei, aber Cacher erkennen Cacher und so wurde uns quasi im vorbeigehen ein Tipp zugeflüstert.

Die Überfahrt in die finnische Hauptstadt dauert nur grob 2,5 Stunden, aber die Fähre ist an einem Sonntag Abend natürlich randvoll. Nach einer kurzen Fahrt quer durch die Innenstadt kommen wir in unserer Ferienwohnung auf der Halbinsel Katajanokka an. Die Lage direkt am Meer ist super, der Blick auch.

Abends direkt vor der Haustür in Helsinki

Tag 6 – Helsinki
Da wir ja im Urlaub sind, schlafen wir heute etwas länger und nach einem kurzen Frühstück, sowie einer Letterbox als ersten Cache in Finnland, starten wir erst gegen 11:30 Uhr mit unserer Stadtrundfahrt. Wobei es Stadtrundgang besser beschreibt. Das Auto bleibt stehen, wir nehmen die Straßenbahn Nummer 4 ab Merisotilaantori und fahren durch bis zur Haltestelle Hesperian puisto. Ein Tagesticket kostet 8 Euro und macht einen unabhängiger als die 2,70 bzw. 3,20 für eine Einzelfahrt.

Höhlenmalerei

Helsinki ist überschaubar, zumindest, was die Altstadt angeht. Nachdem wir einen Spaziergang am See Töölönlahti gemacht haben, starten wir mit dem „Geocaching-Sightseeing“: Ein perfekter Fremdenführer ist der Wherigo Helsinki City Tour. Zwar ist das „nur“ ein WIG, der einen ohne Schnickschnack und Spielereien von Punkt A zu Punkt B führt und etwas Information mitgibt, aber das reicht hier vollkommen aus. Wir laufen die Mannerheimintie Richtung Hauptbahnhof, vorbei am Nationalmuseum, Parlament, Finlandia-Halle und Mannerheim-Statue. Auf dem Weg findet sich der ein oder andere Cache. Im Hauptbahnhof steuern wir direkt den Burger King an. Nicht (nur) um zu essen, sondern um einen Earthcache zu loggen! Das geht dort tatsächlich während man einen Burger verspeist.

Gestärkt geht es weiter mit dem Wherigo, den wir gelegentlich unterbrechen, etwa um Höhlenmalereien zu bestaunen oder am Dom zu Helsinki einen Challenge Cache zu finden. Der Dom kann leider nicht betreten werden. Wir bemerken das erst spät, weil wir von der Rückseite kommen. Mir fällt schnell auf, daß hier einige ungewöhnlich gekleidete Menschen stehen. Frauen in langen Kleidern und Männer in Uniform, die auf den ersten Blick sehr an die der Wehrmacht erinnert. Ein kurzes Gespräch mit einem der Mitarbeiter und schon weiß ich Bescheid: Hier wird die dritte Verfilmung des Buches „Tuntematon sotilas“ („Der unbekannte Soldat“) von 1954 gedreht, das in Deutschland unter dem Titel „Kreuze in Karelien“ bekannt ist. Das Buch und auch die Filme haben in Finnland einen ähnlichen Status wie in Deutschland beispielsweise „Im Westen nichts Neues“. Allerdings mit einem noch größeren Bekanntheitsgrad. Grob 10% aller Finnen haben wohl allein das Buch im Schrank stehen.

Cachen an der Uspenski-Kathedrale

Gleich neben dem Dom finden wir den Cache mit den meisten Favoritenpunkten in ganz Finnland. Nur soviel: Wir suchen hier im Helsinki City Museum, das netterweise kurz vor unserer Reise nach Umbau und Wasserschaden wieder geöffnet hat. Untere Tour geht weiter zur Uspenski Kathedrale, an der auch ein recht alter Cache liegt und endet, nachdem wir das Final des Wherigo gefunden haben, auf dem Marktplatz Kauppatori, der gleichzeitig auch Hafen ist. Hier geht es doch ziemlich touristisch zu, aber ein kleiner Snack läßt sich auch zu einem bezahlbaren Preis bekommen: Kleine Maränen, frittiert mit Knoblauchsosse. Superlecker!

Das Tagesticket für den ÖPNV hat in Helsinki einen Vorteil, den viele Touristen nicht kennen und daher mehr Geld ausgeben: Es gilt auch als Ticket für die Fähre nach Suomenlinna, einer alten Festungsinsel südlich der Altstadt von Helsinki. Die Touristenfähren sind hier wesentlich teurer. Wir fahren erst recht spät auf die Insel und haben sinnvollerweise nichts zu trinken dabei. Die Preise dort sind natürlich _etwas_ höher als sonst, aber Wasser ist gratis, da verkraftet man auch mal €4,50 für eine Dose Ginger Ale 🙂 Leider wird das Wetter schlechter, so daß wir nur einen Tradi und auf dem Rückweg zur Fähre noch einen Multi suchen.

Impressionen Tag 4 bis 6