GoEast 2017 – Von Leipzig nach Tschernobyl – Teil 3

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GoEast 2017 – Von Leipzig nach Tschernobyl – Teil 2
GoEast 2017 – Von Leipzig nach Tschernobyl – Teil 3

Die Route

Start in Leipzig – Übernachtung in Brünn (Tschechische Republik) – Fahrt durch die Slowakei – Übernachtungen in Budapest (Ungarn) – Übernachtung in Cluj-Napoca (Rumänien) – Fahrt durch Moldawien – Übernachtungen in Kiew inklusive Tagesausflug nach Tschernobyl.

Die Route von Leipzig nach Tschernobyl

Der dritte Teil meines Reiseberichtes beginnt mit der Abfahrt nach Tschernobyl.

Prypjat und Tschernobyl

Prypjat (ukrainisch Прип’ять, russisch Припять/Pripjat) ist heute eine Geisterstadt in der Oblast Kiew (Rajon Tschornobyl) in der Ukraine, die 1970 im Zusammenhang mit dem Bau des Kernkraftwerks Tschernobyl gegründet und infolge des Reaktorunglücks von 1986 geräumt wurde. Zum Zeitpunkt der Katastrophe am 26. April 1986 wohnten hier etwa 49.360 Menschen. Das Kernkraftwerk war mit Abstand der größte Arbeitgeber für die Stadtbevölkerung.

Tschornobyl (ukrainisch Чорнобиль), bekannter als Tschernobyl (Transkription von russisch Чернобыль), ist eine Stadt im Norden der Ukraine, 15 Kilometer entfernt von der Grenze zu Weißrussland. Am 26. April 1986 ereignete sich im Kernkraftwerk Tschernobyl nahe der Nachbarstadt Prypjat ein Nuklearunfall, der als Katastrophe von Tschernobyl bekannt wurde.

Am nächsten Morgen ist es dann soweit: Wir besteigen einen Bus (mal wieder…), der uns Richtung Norden bringt. Ziel ist die Sperrzone rund um das ehemalige Kernkraftwerk Tschernobyl. Der Geigerzähler zeigt 0,12 µSv/h. Ganz normale Umgebungsstrahlung.

Auf dem Weg werden mehrere Dokumentationen über die Katastrophe von Tschernobyl gezeigt. Der Guide klärt uns über die Verhaltensregeln in der Zone auf. Gegen 11 Uhr stehen wir am ersten Checkpoint. Hier werden wirklich gewissenhaft Gesichter und Passfotos sowie Namen und Passnummern mit den Daten, die die Agentur vorab melden mußte, verglichen und abgehakt. Dann können wir weiter. Es geht vorbei an verlassenen Häusern direkt zum Ortseingang der Stadt Tschernobyl. Dann hält der Bus an einem Denkmal, das aus Ortseingangsschilder (und -ausgangsschildern) der verlassenen Orte besteht und vor dem der „Engel von Tschernobyl“ steht.

Nächster Stop ist der örtliche Supermarkt. Das mag jetzt komisch klingen, aber in der Zone leben und arbeiten mehrere Tausend Menschen, eine Geisterstadt ist Tschernobyl auf keinen Fall. Der Supermarkt ist eher ein besserer Tante-Emma-Laden und verfügt über ein Sortiment, das alles mitbringt, was man halt so braucht. Von Kondomen über Fisch direkt aus dem Eimer bis zu Bier.

Ein paar Meter steht ein Denkmal für die Liquidatoren, jene Männer, die die Welt gerettet haben, indem sie ihr Leben riskiert und bspw. den radioaktiven Schutt vom Dach von Block 4 geschafft haben. Wir werden immer verfolgt von mehreren Straßenhunden, die es hier zuhauf gibt.

Weiter geht es Richtung Osten und über den Prypjat, der Bus hält irgendwann und wir laufen an verlassenen Häusern zu einem, das noch bewohnt wird. Wir sind zu Besuch bei einem der Samosely, der Rückkehrer in die Zone, die hier mehr oder weniger geduldet leben. Der Geigerzähler zeigt zwischen 0,17 und 0,24 µSv/h an. Alles im Rahmen. Der nette Herr ist um die 80, erzählt gerne und je länger wir bleiben, desto mehr hat er erlebt. Bevor er uns erzählen kann, wie er Berlin 1945 im Alleingang erobert hat, brechen wir auf. Der Versuch, an die nahe weißrussische Grenze zu gelangen und einen weiteren Länderpunkt zu holen scheitert leider 5 Kilometer vor dem Ziel an der fehlenden Erlaubnis der Wache am Checkpoint. Schade.

Nun ist Zeit für ein Mittagessen in der Kantine direkt neben dem Supermarkt. Es gibt Salat, Suppe und Fleisch mit Kartoffeln. Die Lebensmittel werden von außerhalb der Zone gebracht und das Essen ist bodenständig aber nicht schlecht.

Als nächstes besuchen wir einen Kindergarten, den Rest von Kopatschi. Die Stimmung ist schon etwas gedrückt, als wir die kleinen Betten sehen, allerdings wurde hier schon ziemlich viel „dekoriert“. Der Geigerzähler zeigt 0,34 µSv/h an, allerdings gibt es hier einen ersten Hotspot, an dem die Strahlenbelastung über 7,88 µSv/h beträgt.

Der Bus fährt vorbei an Kühltürmen und dem, was einmal die Blöcke 5 und 6 hätten werden sollen, wo Kräne irgendwann umkippen und einfach liegen gelassen werden. Da sehen wir aus ungefährt 1,5 Kilometern zum ersten mal den neuen Sarkophag, das NSC, New Safe Confinement. Die Geigerzähler piepen, weil sie über 1 µSv/h messen, 1,25 um genau zu sein.

Aber wir kommen noch näher ran. Da steht dieses Denkmal, der Bus hält direkt daneben. Man stellt sich vor, daß es dort ruhig ist, keine Menschenseele in der Nähe. Weit gefehlt! Da fahren Autos, Menschen laufen rum, hier wird gearbeitet. Wir stehen 300 Meter von Block 4 entfernt. 1,93 µSv/h. Erhöht, aber doch nicht so hoch, wie man aufgrund der Nähe erwartet hatte.

Der letzte Punkt unserer Tour ist Prypjat, die Geisterstadt, die einmal fast 50.000 Menschen ein Zuhause bot. Der Bus hält und wir laufen zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten. Am Krankenhaus vorbei, in dessen Keller man sich lieber nicht trauen sollte, zum Cafe Prypjat, runter an den Fluß. Die Guides zeigen uns einen Hotspot mit über 11 µSv/h und einen mit über 40 µSv/h, ansonsten hält sich die Strahlenbelastung mit grob 1,3 µSv/h in Grenzen.

Wir laufen durch Alleen, deren Straßenlaternen mit dem Sowjet-Stern geschmückt sind. Vorbei am Hotel und am Kulturpalast „Energetik“, da sehen wir das berühmte Riesenrad, wenig später auch die Boxautos und die Reste der Schiffsschaukel. Hier gibt es mit einem Earthcache und einem archivierten Tradi, der in gutem Zustand ist und den der Owner auch explizit erwähnt, die beiden einzigen Caches auf dieser Tour.

Ein kurzer Blick in die Basketballhalle und das Schwimmbad, dann besuchen wir die Schule. Der Boden eines Klassenzimmers ist übersäht mit Gasmasken. Leider wurde auch hier teilweise dekoriert. Trotzdem ein Bild, das hängen bleibt.

Wenig später fahren wir zurück nach Kiew. Vorher passieren wir wieder die Checkpoints und müssen durch zwei Kontaminationsprüfungen.

Impressionen aus Prypjat

Kiew Teil 2

Wieder zurück aus der Zone gehen wir in Kiew zur Abwechslung georgisch essen und danach noch in eine Bar. Beides liegt relativ nahe am Hotel, weit weg wollen wir nicht mehr. Und so lernen wir gleich zwei Eigenarten der hiesigen Gastronomie kennen: 1. Es gibt nur eine Rechnung pro Gruppe. Nicht pro Person, nicht pro Tisch, pro Gruppe. Ob man zu zweit oder zu zwanzigst ist, es gibt nur eine Rechnung. 2. Wenn die Küche zu macht, bekommt man die Rechnung. Unaufgefordert. Information? Nachtisch? Mehr Umsatz? Fehlanzeige, brauchen wir nicht. Aber gut, das leckere Essen und der günstige Cocktail danach entschädigen.

Am Mittwoch steht als erstes der Besuch der Mutter-Heimat-Statue an. Geübt wie wir sind, nehmen wir souverän den Bus 118, kaufen unsere Tickets und wollen an der Station unterhalb des Hügels, auf dem die Statue steht, aussteigen. Der Busfahrer sieht das allerdings etwas anders. Geht es nach seinem Willen, sollen wir die Батьківщина-Мати erst einmal vom anderen Ufer des Dnepr aus anschauen. Denn da hält er dann netterweise wieder. Von dort kommen wir aber nach kurzer Zeit an unser eigentliches Ziel.

Nach einem Aufstieg und einer Letterbox stehen wir im Sockel der Statue. Für einen Teil von uns geht es 36 Meter nach oben, quasi um der Dame auf den nicht vorhandenen Füßen rumzustehen. Einige Verrückte Schwindelfreie – zu denen auch unsere „Reiseführerin“ gehört und sich damit ein Abendessen sichert! – wagen den Aufstieg durch Bauch und linken Arm und kommen hinter dem Schild in 91 Metern Höhe wieder raus. Wir haben aber auch aus 36 Metern einen schönen Ausblick 🙂 Der Besuch lohnt sich, nicht nur wegen des einzigen Virtual Caches in der Ukraine.

Unter der Statue befindet sich das Nationale Museum der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg. Ich finde es einmal interessant, das Thema Zweiter Weltkrieg von der „anderen“ Seite aus zu sehen. In der Vorhalle befindet sich aktuell eine Ausstellung über den andauernden Konflikt im Osten der Ukraine.

Nach dem Besuch beratschlagen wir die weitere Planung für den Tag. Wie wäre es denn mit einem T5er? Es gibt zwei in Kiew. Der eine liegt mitten im Dnepr und ein Boot läßt sich wohl nur schwer mieten. Der andere befindet sich in einem Wald im Süden Kiews. Leider würden wir mit Öffentlichen grob 1,5 Stunden dorthin brauchen.

Also entschließen wir uns, T5 T5 sein zu lassen und einen Lost Place zu besuchen. Auf dem Weg dort hin gibt es einen kleinen Snack ein einem Cafe, das sich im Erdgeschoss eines außergewöhnlich aussehenden Gebäude befindet. Wie ich später erfahre, ist das das Hotel Saljut, allerdings bin ich vor Ort eher mit meinem Kiewer Kotelett (Endlich ukrainisches Essen :)) beschäftigt.

Der Lost Place ist ein ehemaliges Theater („Zelenyi Theater“ oder „Grünes Theater“), das in einem Teil der Kiewer Festungsanlagen untergebracht war. Man findet im Internet sehr wenige Infos darüber, es wurde aber wohl seit 1949 erst als Theater und bis 2014 als Diskothek verwendet.

Über die Station Arsenalna fahren wir mit der Metro zurück zum Hotel. Schließlich wollen wir noch einmal mit der ganzen Gruppe essen gehen. Wohin? Wir haben uns entschlossen, einmal die georgische Küche zu probieren 🙂

Impressionen aus Kiew Teil 2

Rückflug nach Frankfurt/Main

Morgens um 7 ist das Abenteuer dann fast vorbei. Wir besteigen den Bus zum Flughafen Boryspil, von wo aus unser Flug nach Frankfurt um 10:50 Uhr startet. Wir landen fast pünktlich gegen 12:45 und nach einem kleinen Snack (nein, nicht georgisch!) und dem Verabschiedungsevent nehme ich den ICE nach Stuttgart.

Strahlung

Etwas überraschen werden den ein oder anderen die Strahlungswerte. Zum einen wie relativ niedrig die Werte in Tschernobyl und auch in Prypjat sind, zum anderen, die doch recht hohe Dosis während des Fluges. Daß es überhaupt eine erhöhte Strahlung im Flugzeug gibt, dessen sind sich viele gar nicht bewußt.

In Kiew war die Strahlung normal, nicht mehr oder weniger als hier in Stuttgart (grob 0,12 µSv/h). Am Denkmal, ca. 300 Meter vom Sarkophag entfernt, habe ich um die 1,93 µSv/h gemessen. Selbst in Prypjat hatten wir (ausgenommen natürlich Hotspots) selten über 2,0 µSv/h.

Zum Verleich: Ein Mensch in Deutschland nimmt im Durchschnitt durch natürliche und künstliche Strahlenquellen ca. 4000 µSv (4 mSv) im Jahr auf. Würde man sich ein Jahr lang in Prypjat aufhalten, hätte man grob die vierfache Dosis aufgenommen.

Weitere Vergleiche sind recht anschaulich auf diesem Bild festgehalten.

Klar, gesund ist das absolut nicht. Wie bei allem anderen macht die Dosis das Gift. Der relativ kurze Aufenthalt in der Zone ist kein Problem für den Körper, wenn man sich nicht gerade im Keller des Krankenhauses aufhält und sich an die vorgegebenen Regeln hält (nichts anfassen, nicht hinsetzen).

Gemessen wurde mit einem GQ GMC-320 Plus.

Fazit

Tolle Organisation, Reiseführer, die uns gar nicht bespaßen mußten, sondern sich mit uns bespaßt haben! Die Busfahrer waren lässig, die rumänischen Taxifahrer auch (der Arme wußte ja nicht, was ihn erwarten würde^^), eine tolle Gruppe, viele Dosen, noch mehr Eindrücke, leckerstes Essen, fast gar keinen Alkohol, ach, einfach eine geniale Reise, bei der alles gepasst hat.

Englisch wurde fast überall verstanden, Kreditkarten kennt man in diesen Ländern auch. Tschernobyl und Prypjat sind auf „normalen“ Pfaden nicht so gefährlich wie man denkt, auch wenn man natürlich aufpassen muss. Die Strahlung auf dem Rückflug war ähnlich hoch. Mir persönlich haben Kiew und Budapest am besten gefallen. Und dieses Geocaching? Es gab eigentlich überall genügend Dosen.

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Die Route

Start in Leipzig – Übernachtung in Brünn (Tschechische Republik) – Fahrt durch die Slowakei – Übernachtungen in Budapest (Ungarn) – Übernachtung in Cluj-Napoca (Rumänien) – Fahrt durch Moldawien – Übernachtungen in Kiew inklusive Tagesausflug nach Tschernobyl.

Die Route von Leipzig nach Tschernobyl

Der zweite Teil meines Reiseberichtes beginnt mit der Abfahrt in Cluj-Napoca gegen 16 Uhr. Vor uns liegen etwas über 14 Stunden Busfahrt. Dachten wir.

In den letzten Tagen kam bei einem Gespräch über Virtual Caches irgendwann Europaeische Paesse ins Spiel. Ein kurzer Blick auf die Landkarte und unsere weitere Route verriet: Da sind ein paar Serpentinen, da muß auch irgendwo ein Pass kommen. Und richtig, ein Großteil der Reisegruppe kann den Cache mit dem Pasul Mestecăniș in den Ostkarpaten loggen. Vorher muß der Bus aber erst einmal die Straße zur Passhöhe hochfahren. Und die ist tatsächlich schneebedeckt…

Wir kommen relativ gut durch und stehen gegen 23 Uhr am Grenzübergang Siret. Genau, stehen. Denn wir sind an der Außengrenze der EU, hier gehen die Uhren etwas anders. Wer bisher nur innerhalb des Schengenraumes unterwegs war, kennt Grenzkontrollen gar nicht, aber hier sind sie immer noch Realität. Wie übrigens auch zwischen Ungarn und Rumänien, weil Rumänien noch nicht dem Schengener Abkommen beigetreten ist.

Liebe Kinder, Opa erzählt jetzt mal vom Krieg: Das Spiel läuft immer gleich ab. Entweder kommen Grenzer beider Länder in den Bus und sammeln die Pässe ein, nicht ohne jeden Reisenden genauestens mit seinem Passfoto zu vergleichen. Ein Hoch auf diese tollen biometrischen Fotos 🙂 Dann wartet man und irgendwann bekommt der Busfahrer einen Stapel Pässe in die Hand gedrückt, die er wieder austeilen darf. Im Optimalfall ist jeder Pass um einen Einreisestempel reicher. Alternativ wird das Ganze aufgeteilt und jedes Land sammelt für sich die Pässe ein und überprüft sie. Das verdoppelt den Spaß für die Grenzer, aber leider eben auch die Wartezeit für die Reisenden.

Wie auch immer, nach grob einer Stunde dürften wir in die Ukraine einreisen, um kurz darauf wieder auszureisen. Und wieder einzureisen. Das hängt weniger mit der Sammelleidenschaft für ukrainische Stempel im Pass zusammen, als viel mehr mit den lokalen Gegebenheiten, wir wollen ja nach Moldawien und dann weiter nach Kiew.

Ich weiß bis heute nicht, ob das Zufall war oder der Busfahrer das geplant hat, aber als wir über der Grenze sind, ertönt „Wind of Change“ aus den Boxen. Man muß sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: „Wind of Change“. Bei der Einreise in die ehemalige Sowjetunion. Bri – lli – ant!

Moldawien

Moldawien (offiziell auf Rumänisch Republica Moldova) ist ein Binnenstaat in Südosteuropa. Er grenzt im Westen an Rumänien. Im Norden, Osten und Süden wird Moldawien vollständig von der Ukraine umschlossen, so dass kein direkter Zugang zum stellenweise nur zwei Kilometer entfernten Schwarzen Meer besteht.

Zu Moldawien gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Außer vielleicht, daß eine einzige [hier bitte eine gerne auch nicht jugendfreie Bezeichnung deiner Wahl einfügen] Zöllnerin es geschafft hat, einen kompletten Bus inklusive 2 Fahrern ewig hinzuhalten und zu nerven. Egal, wir waren auf moldawischem Staatsgebiet, Länderpunkt abgehakt und weiter gehts in Richtung Kiew.

Nachdem ich etwas geschlafen habe und es langsam hell wird, schaue ich mir die Umgebung mal etwas an, soweit das aus dem fahrenden Bus geht. Die Straßen sind Feldwege! Okay, ganz so schlimm ist es dann doch nicht, aber ich sehe quasi nur den „Seitenstreifen“ und der ist eben ein besserer Feldweg. Wenn der Bus mal wieder einem Schlagloch ausweichen muß, sieht man schon, daß der Rest der Straße asphaltiert ist.

Wir halten noch einmal an einer Tankstelle, die übermüdet und bei Regen ziemlich dreckig und vermüllt aussieht. Es heißt ja immer, daß der erste Eindruck täuscht. So ist es scheinbar auch mit der Ukraine.

Kiew

Kiew (ukrainisch Київ/Kyjiw; russisch Киев/Kijew) ist die Hauptstadt und größte Stadt der Ukraine sowie Verwaltungssitz der Oblast Kiew und des Rajon Kiew-Swjatoschyn. Sie liegt am bis hierhin für kleinere Seeschiffe befahrbaren Dnepr und hat etwa 2,9 Millionen Einwohner im Stadtgebiet, die Agglomeration umfasst mehr als vier Millionen Einwohner.

Kurz vor Mittag kommen wir nach 20 Stunden im Bus am Hotel in Kiew an. Kurz frisch machen und dann schauen wir uns mal die Stadt an. Also erstmal cachenderweise zur Metro, unterwegs wird noch etwas Geld gewechselt. Wir wissen zwar, wo die nächste Metrostation („Universytet“, Університет, Nummer 118) ist, aber nicht, wo wir zuerst hinfahren wollen. Spontan wird der Maidan zum passenden Ziel erklärt und entpuppt sich auch als guter Startpunkt. Vor der Fahrt benötigen wir Plastikchips, die man an einem Schalter kaufen kann. Allerdings maximal zwei Stück. Auf keinen Fall mehr!

Was wir aus den Nachrichten als „der Maidan“ kennen, heißt offiziell Majdan Nesaleschnosti (Майдан Незалежності, deutsch Unabhängigkeitsplatz). Dies ist der große Platz in der Innenstadt, auf dem es 2013/14 erst zu Demonstrationen („Euromaidan“), später zu einer Eskalation mit Straßenschlachten und über 100 Toten gekommen ist.

Da wir an der Haltestelle Khreshchatyk die Metro verlassen, laufen wir die Heroyiv Nebesnoyi Sotni Alley („Allee der Helden der Himmlischen Hundert“) herunter, am Hotel Ukrajina vorbei und an vielen Erinnerungsstellen für die Opfer.

Einen Überblick über den kompletten Platz kriegen wir am Cache Overlooking Maidan (Kyiv Metro Series). Wir laufen über den Platz und als wir am Ende angekommen sind, lockt uns der leere Magen in ein nettes kleines Restaurant namens Хачапури и вино. Laut Google Translate heißt das „Khachapuri und Wein“. Das Essen ist sehr gut, allerdings hat niemand gemerkt, daß wir hier georgisch und nicht ukrainisch essen waren. Nicht zum letzten Mal auf dieser Tour.

Den Rest des Tages verbringen wir mit weiterer Dosensuche und fahren irgendwann zum Hotel zurück. Als ich in der Metrostation am Handyhüllenkauf zweiter Mitreisender teilhaben darf, frage ich einmal spontan nach, wie das denn so ist mit den ukrainischen Simkarten. Vollkommen unkompliziert. Karte kaufen, einlegen, 111 anrufen, SMS empfangen, online sein. Ein paar Minuten später habe ich eine ukrainische Vodafone-Karte und 4 GB mobiles Internet. Kosten: 60 UAH. 28 sind ein Euro…

Der nächste Tag beginnt mit einem für westliche Mägen etwas gewöhnungsbedürftigen Frühstück. Es muß ja nicht der Hering sein oder der Krautsalat, es können auch einfach Blinis sein. Danach geht es für mich eine Runde durch den Botanischen Garten, der quasi direkt gegenüber unseres Hotels liegt. Ein paar Dosen später zeigt sich mal wieder, wie gut sich Geocaching dafür eignet, Ecken zu sehen, an die man sonst nie gekommen wäre. Ein kurzer Multi führt uns zur „Ukrainischen Madonna“, einem Mosaik, das sich sehr gut in einem Hinterhof versteckt.

Wir cachen uns wieder zur Metro und fahren zur Station Arsenalna, der mit über 100 Metern tiefsten Metrostation der Welt. Reichlich überbewertet, auch, weil die Rolltreppen wesentlich schneller sind, als wir das von Deutschland gewohnt sind. Erst die Straße entlang, dann durch den „Park der ewigen Herrlichkeit“ cachen wir uns vorbei am Denkmal für den Unbekannten Soldaten und dem Denkmal für die Opfer des Holodomor zum Höhlenkloster. Dort treffen wir auf andere Cacher aus unserer Gruppe.  So glänzend und golden die Kirchen innen und außen sind, so unspektakulär finde ich die „Höhlen“ ansich. Aber gesehen haben muß man das schon mal.

Immerhin sieht man von Weitem zum ersten Mal die Mutter-Heimat-Statue. Da das Museum Montags geschlossen hat, ist der Besuch erst für den Mittwoch eingeplant. Also ist der weitere Plan, etwas zu cachen und dann mit dem Bus zur Haltestelle Poshtova Ploshcha zu fahren. Dort bringt uns die Funikular (Standseilbahn) den Berg rauf. Oben gibt es neben Gebäuden wie dem wuchtigen ukrainischen Außenministerium und einigen Kirchen einen Wherigo, der sich mit dem Alt-Kiewer Berg und der Geschichte Kiews beschäftigt.

Die exzellente App Easyway zeigt sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel an und funktioniert im Gegensatz zu Google Maps zuverlässig. Die Fahrt im Bus Nummer 62 kostet 3 UAH (ca. 10 Cent) und der Bus ist dermaßen voll, daß wir gerade so reinpassen. Gut erzogen wie wir sind, wollen wir natürlich für unsere Fahrt bezahlen. Da der Fahrer aber keinerlei Anstalten macht, stellen wir uns aufs Schwarzfahren (das wohl umgerechnet 2 Euro Strafe gekostet hätte) ein. Doch haben wir die Rechnung ohne eine Schaffnerin gemacht, die sich in wirklich jede Ecke des Busses zwängen kann. Schließlich müssen alle Fahrgäste ordnungsgemäß ein Ticket bekommen, das, um ganz sicher zu gehen, auch noch entwertet wird.

Nachdem wir einige Zeit mit dem Wherigo zubringen, fahren wir wieder mit dem Bus zum Hotel zurück. Die Metro ist zwar wesentlich schneller, es gibt aber nur 3 Linien, die nicht immer dort hinfahren, wo man gerade hin will. Was gestern noch unbekannterweise gegessen wurde, georgisches Essen nämlich, wird heute ganz bewußt angesteuert. Das Restaurant Чачапурі \ Чачапури („Chachapuri“) sollte uns noch mehrfach verköstigen.

Impressionen aus Kiew Teil 1

Wie unsere Reise weitergeht, kannst du in Teil 3 von „GoEast 2017 – Von Leipzig nach Tschernobyl“ lesen.

Beklettern der Moskovskyi Brücke in Kiew

Wer braucht schon Sicherung oder hat Höhenangst?

Die Moskovskyi Brücke über den Dnepr in Kiew ist 816 Meter lang und die Seile sind in 115 Meter Höhe angebracht.

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Auf der Brücke liegt übrigens kein Geocache 😉 Der nächstgelegene trägt den Namen „Secret Tunnel of Stalin“ und hört sich sehr interessant an.