Durch Tschechien und Polen – Giga, Virtuals und Geschichte – Teil 2

Im ersten Teil meines Berichtes geht es um die Geisterkirche, Pilsen, das Giga, Gleiwitz und Auschwitz I (Stammlager).

Tag 5: Oświęcim/Auschwitz – Wadowice – Krakau – Oświęcim

Am nächsten Morgen fahre ich direkt nach dem Frühstück ins Lager II nach Auschwitz-Birkenau. Im Gegensatz zum Stammlager gestern ist hier nichts los, auf dem Parkplatz stehen um diese Uhrzeit nur wenige Autos. Eine Eintrittskarte ist hier nicht nötig, man kann während der Öffnungszeiten ohne Kontrolle o.ä. auf das Gelände. Als ich das Lager gegen 8:20 Uhr durch das berüchtigte Tor betrete, bin ich nahezu allein auf dem – wie sich noch zeigen wird – riesigen Gelände.

Das Wetter ist diesig, bewölkt und passt irgendwie zur Stimmung. Ich laufe ohne wirkliches Ziel und Plan los. Zuerst auf die linke Seite der Gleise, in den Bauabschnitt I des Lagers. Hier sind die Baracken noch aus Ziegeln gemauerte “richtige” Häuser.

Wieder zurück an den Gleisen, die ab 1944 direkt bis ins Lager gelegt wurden, folge ich diesen bis zu ihrem Ende. Hielten die Züge bis dahin außerhalb des Lagers, so fuhren sie nun bis an die berüchtigte “Rampe”, an der die Selektionen stattfanden. Links und rechts daneben befinden sich die Reste der Gaskammern/Krematorien 2 und 3. Ich bin immer noch allein und das ist gut so. Es hat in den letzten Tagen viel geregnet, so daß die Wege matschig und von Pfützen übersät sind. Zwischen den gesprengten Ruinen der Gaskammern befindet sich das Mahnmal für die hier ermordeten Menschen.

Vom Ende der Gleise laufe ich ein Stück zurück in Richtung des Eingangstores und biege dann in den Bauabschnitt II ab. Auch hier matschige, nasse Wege, Zäune und Stacheldraht. Und Kamine. Sie sind ein letztere Rest der Baracken, die hier aus Holz gebaut wurden. Der Weg zieht sich ziemlich und ich beschließe, langsam wieder zurück zum Auto zu gehen. Das Effektenlager “Kanada” wäre zwar interessant, mir aber heute einfach zu weit weg.

Ich laufe auf die ehemalige Lagerkomandatur zu und weiter parallel zur Straße, an der der äußere Zaun verläuft. Hier sind einige Holzbaracken (“Typ Pferdestall”) restauriert worden und können besichtigt werden. Man fängt unweigerlich an zu zählen, wenn man sich vor Augen hält, daß hier einmal 180 Menschen leben mußten. Meist waren es aber wesentlich mehr. Ursprünglich geplant waren die Baracken als Stall für 52 Pferde. Auch eine Latrinenbaracke kann man besichtigen.

Nach und nach bemerke ich, daß doch einige Menschen um mich herum sind. Da wird an vielen Stellen der Rasen gemäht, Büsche geschnitten oder Gebäude restauriert. Auch der Stacheldraht wird nachgezogen. Was im ersten Moment auf mich sehr unpassend wirkt, noch dazu, weil das eine Gruppe aus Deutschland erledigt, leuchtet aber ein. Natürlich ist hier alles permanent der Witterung ausgesetzt und kann nicht immer bewahrt werden.

Kurz vor dem Ende meines Besuches klart der Himmel auf und die Sonne kommt sogar heraus. “Passend” dazu kommen die ersten Busse mit Jugendlichen und Touristen an, die sich nicht immer dem Ort entsprechend verhalten. Ich bin zwar immer noch erschlagen von den Eindrücken, trotzdem aber sehr froh, daß ich so früh hier war und alles in Ruhe auf mich wirken lassen kann.

Im Osten von Oświęcim schaue ich mich noch nach Hinterlassenschaften von Auschwitz III (Monowitz) um. Dazu muß man sagen, daß das Lager Monowitz nach dem Krieg wieder in ein Dorf verändert wurde. Trotzdem sieht man noch kleinere Überbleibsel wie Einmannbunker, Unterstände und auch einen größeren Bunker. Gerade solche eher unbekannte Zeugen der Geschichte machen das Thema so spannend.

Tschechische FlaggeWadowice (deutsch im Mittelalter Frauenstadt, 1939−1945 Wadowitz) liegt in Polen zwischen Krakau und Bielsko zu Füßen der kleinen Beskiden, einer Gebirgskette des Karpatenvorlandes. Krakau (polnisch Kraków), die Hauptstadt der Woiwodschaft Kleinpolen, liegt im Süden von Polen rund 350 km südwestlich von Warschau und ist mit rund 760.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes.

Aufgrund der Tatsache, daß ich einen Tag mehr zur Verfügung habe, habe ich die Tour noch etwas nach Osten ausgedehnt. Angelockt von einem der ersten neuen Virtuals fahre ich nach Wadowice. Man sagt ja immer “Ohne Geocaching hätte ich das nicht gewußt”, hier trifft das zu. Gut, die katholische Kirche ist jetzt nicht unbedingt mein Lieblingsthema, aber dank des Virtuals weiß ich jetzt, daß Papst Johannes Paul II in Wadowice geboren und aufgewachsen ist. Das hat den Vorteil, daß es einen Platz gibt, an dem ein Tradi und eben dieser Virtual liegen. Und den Nachteil, daß der Ort randvoll mit Touristen ist. Ich bin jedenfalls nicht unglücklich darüber, daß ich beide schnell erledigt habe und mein Auto Richtung Krakau lenken kann.

Da Krakau erst kurzfristig auf meinen Reiseplan kam, habe ich mich entschieden, nur einige Caches im und um den Wawel zu suchen. Das ist mir nicht ganz Unrecht, da ich in Birkenau mehr als genug gelaufen bin. Aber den Burgberg will ich mir – schon wegen des Virtuals – anschauen. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite und der Aufstieg lohnt sich. Natürlich sind hier einige Touristen, aber es verläuft sich ganz gut. Alles in Allem ist Krakau definitiv noch einen Besuch wert, schon alleine, um die Altstadt näher anzuschauen.

Nachdem der Virtual erledigt ist, will ich noch den Tradi suchen und stehe schnell vor verschlossenem Tor. Der Cache befindet sich natürlich außerhalb… Also laufe ich einmal um den Berg herum und werde mit einer großen Dose belohnt.

Abends nach dem wie erwartet wieder sehr guten Essen im Hotel schalte ich einmal den Fernseher an. Wie erwartet nur polnische Sender, aber mal durchzappen schadet ja nicht. Hier lerne ich eine Eigenart des polnischen Fernsehens kennen: Sendungen in gerade noch so hörbarem Originalton, der “übersynchronisiert” wird. Allerdings von einem einzigen Sprecher (für Männer, Frauen, Kinder…), der dermaßen monoton seinen Text runterbetet, daß wir in Deutschland über unsere Synchronisationen echt froh sein sollten. Zum Glück spielt Deutschland in Stuttgart gegen Norwegen. Das Spiel wird aber natürlich nicht übertragen und ich muß mit Polen gegen Kasachstan Vorlieb nehmen.

Tag 6: Oświęcim – Oppeln – Breslau – Görlitz

Tschechische FlaggeOpole, deutsch Oppeln, ist die Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft Opole. Die Stadt ist Zentrum eines Gebiets der deutschen Minderheit und die historische Hauptstadt Oberschlesiens. Breslau (polnisch Wrocław), im Südwesten von Polen gelegen, ist mit über 630.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt des Landes sowie Hauptstadt der Woiwodschaft Niederschlesien.

Langsam schließt sich der Kreis. Heute verlasse ich von Oświęcim und fahre auf der Autobahn 4 nach Westen. Mein erster Stop heißt St. Annaberg, wo ich neben dem Denkmal zur Erinnerung an die schlesischen Aufstände (mit Blick auf das Theater bzw. die Thingstätte) auch ein gepanzertes Fahrzeug nebst Petling besuche. Auch ein Teil deutscher Geschichte, der eher wenig bekannt ist.

Länger halte ich mich danach in Oppeln auf, dem Geburtsort des zweiten großen deutschen Fußballspielers mit polnischen Wurzeln: Miroslav Klose. Hier fallen mir zweisprachige Ortsnamen auf, was wohl bei deutschen Namen nur in der Region um Oppeln der Fall ist.

Eigentlich bin ich ja nur am Rand der Stadt unterwegs. Östlich von Oppeln gibt es nämlich einen Challenge-Trail, aktuell 22 Challenge-Caches, die sich nacheinander zum Großteil abfahren lassen. Zumindest einen Teil davon will ich angehen. Meine Planung war gut, denn wo die Straße am Anfang diese Bezeichnung verdient hat, werden gegen Ende die wassergefüllten Löcher im Feldweg immer größer.

Weiter geht es auf der Autobahn nach Breslau. Hier lasse ich mir eine ganze Weile Zeit, verfahre mich, suche Parkplätze und lande schlußendlich dort, wo ich hin wollte. Am Alten Rathaus nämlich. Dort liegen ein Virtual, ein Tradi und ein Earthcache quasi auf den selben Koordinaten und zeigen, daß der Große Ring einen Besuch wert ist. Während ich den Tradi suche, bemerke ich, daß sich eine komplette Touristengruppe nebst Reiseführerin unbeirrt neben mir das Rathaus erklären läßt… Also fotografiere ich seeeehr unauffällig die Abordnung der Breslauer Zwerge zu meinen Füßen.

Ohne große Zwischenstops fahre ich weiter nach Görlitz. Fast zumindest. Mein Hotel liegt im polnischen Teil Zgorzelec kurz vor der Grenze. Vor dem Abendessen ist hier noch etwas Geschichte angesagt. Ich besuche das, was vom Stalag VIII noch zu sehen oder besser zu erahnen ist.

Tag 7: Görlitz – Dresden – Stuttgart

Nach einem ordentlichen Frühstück lasse ich mein Fahrzeug für genau 100 Złoty tanken, dann ist mein letzter polnischer Geldschein weg und ich mache ich auf den Heimweg. Nun ja, nicht direkt heim, ein Event ganz in der Nähe wird mein Ziel und bildet zusammen mit einem Virtual einen wie ich finde passenden Abschluß. Vorher heißt mein erster “größerer” Stop aber Dresden. Ich cache mich in die Innenstadt. Hier suche ich einen Mystery, bevor ich die beiden nahegelegenen Virtuals an der Frauenkirche und auf der Brühlschen Terrasse löse.

Der Rückweg wird nur selten unterbrochen, denn so langsam will ich dann auch wieder heim. Zumindest fast. Pünktlich komme ich im Nachbarort zu einem Event an. Ein schöner, entspannter Schlußpunkt dieser interessanten aber doch anstrengenden Reise.

Sprache, Geld, Mobilität

Ich bin eigentlich überall mit Englisch, manchmal sogar mit Deutsch durchgekommen. Ansonsten muß man eben auch mal Hände und Füße verwenden.

In der Tschechischen Republik hatte ich an Bargeld ganze 100 Kronen (~4 Euro) zur Verfügung, die für ein kleines Bier und zwei mal Parkgebühren draufgingen. Kreditkartenzahlung wird quasi überall angeboten. Die Vignette für die Maut in Tschechien habe ich vorab beim ADAC geholt, sie ist aber an jeder tschechischen Tankstelle erhältlich.

In Polen habe ich für ungefähr 60 Euro am Automaten Złoty gezogen. Das war gut, weil ich bspw. auf dem Parkplatz am Stammlager Auschwitz scheinbar nur bar zahlen konnte, genauso verhielt es sich beim Parken in Wadowice. Für die Autobahnmaut war Bargeld sicher keine Nachteil, auch wenn man wohl auch hätte in Euro oder Dollar zahlen können, wohl aber nicht mit Kreditkarte. Letztenendes habe ich am letzten Tag für 100 Złoty getankt, also nur grob 35 Euro Bargeld in Polen ausgegeben. Auch hier werden Kreditkarten fast überall akzeptiert.

Wer in Polen mit einem Auto unterwegs ist, dessen Halter er nicht ist, benötigt eine “Ermächtigung zur Nutzung eines Fahrzeugs”, die man sich zweisprachig bei der polnischen Botschaft downloaden kann.

Der Fahrstil in Tschechien ist überwiegend so, wie wir ihn aus Deutschland kennen, sogar das Thema “Rettungsgasse” hat funktioniert. In Polen geht es etwas chaotischer zu, auch eine doppelt durchgezogene Linie heißt nur, daß die Straße dort eben in mehrere Spuren aufgeteilt ist. Überholen geht da trotzdem. Man gewöhnt sich auch recht schnell daran, daß manchmal eine dritte Spur aufgemacht wird. Und: Ich habe bisher in keinem Land in so kurzer Zeit so viele Unfälle gesehen.

Benzin heißt in Tschechien übrigens Natural 95 (Super E5) bzw. 98 (SuperPlus) und Diesel Nafta. In Polen tankt man Benzyna bezolowiowa 95 (Super) bzw. 98 (SuperPlus) (teilweise auch 91, Normalbenzin) oder ON/Olej Napedowy (Diesel).

Ein Wort zum Thema Sicherheit: Das alte Vorurteil “Kaum gestohlen, schon in Polen” ist und bleibt ein Vorurteil. Ich hatte weder um mich noch um mein Auto Angst oder Bedenken. Auch wenn ich mal ein paar Meter gelaufen bin, um eine Dose zu suchen. Eher, wenn es mal wieder durch die Pampa ging und man die Straße vor lauter Schlaglöchern nicht mehr sehen konnte 🙂

Virtual Caches

Stimmt, da war doch noch was. Während der Planung und auch während der Tour wurden die neuen Virtuals immer mehr. Für große Umwege hatte ich zwar weder Zeit, noch Lust, aber ein paar konnte ich – auch spontan – doch einbauen. So habe ich einen kleinen Überblick über die Aufgaben bei Virtuals in drei unterschiedlichen Ländern gewinnen können.

Am Ende wurden es also genau 11 neue Virtual Caches. Bei allen besteht die Logbedingungen aus einem Foto, bei manchen muß auch noch gezählt oder abgelesen werden. Das scheint die Regel zu sein. Ein Blick auf andere Virtuals zeigt aber auch, daß es selten welche mit sehr umfangreichen Aufgaben gibt.

Fazit

Ja, es es ordentlich viel (grob 2500 Kilometer) zu fahren, aber eigentlich hat sich nur der letzte Tag ziemlich gezogen. 690 Kilometer zu fahren schlaucht, war aber machbar. Der Abstecher nach Dresden auf dem Rückweg hat sich gelohnt. Ansonsten ist sowohl Mähren als auch Schlesien eine schöne Ecke, die man sich bei besserem Wetter noch einmal anschauen kann. Speziell nach Krakau und Breslau bietet sich ein Wochenendtrip an. Und ich würde den Besuch in Auschwitz jedem Geschichtsinteressierten definitiv empfehlen. Allerdings nach Möglichkeit abseits der Hauptbesuchszeiten, weil man den Ort auf sich wirken lassen sollte.

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